Trotz Kritik aus Teilen der Politik will die Stadt Halver den Bau beziehungsweise die Erweiterung des Wohngebiets im Bereich Herksiepe/Schillerstein weiterverfolgen.
Ein neues Wohngebiet ist angrenzend an den Linger Weg und die Falkenstraße geplant. Bereits im September 2023 hatte der Rat beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen. In den vergangenen Monaten wurden dazu mehrere Gutachten zu Umwelt, Starkregen und Hochwasser erstellt. Zudem wurden Hinweise, Anregungen und Sorgen von Anwohnern sowie der Bürgerinitiative berücksichtigt.
Ein wichtiger Punkt im vorherigen Arbeitskreis für Herksiepe/Schillerstein war die Frage, wie mit Regen- beziehungsweise Hochwasser umgegangen werden soll. Nach den aktuellen Gutachten soll der nördliche Teil des Gebiets nun wieder bebaut werden. Eine Nutzung dieser Fläche ausschließlich zum Hochwasser- oder Starkregenschutz hätte nach Einschätzung der Fachleute kaum Nutzen gebracht. Genauer erläuterte dies Anna-Lisa Maaß, stellvertretende Fachbereichsleiterin bei Dr. Pecher (Ingenieurunternehmen im Bereich Wasserwirtschaft), dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung am Mittwochabend, 18. Februar.
„Wir wollen nicht nur reden, sondern auch handeln"
Dass Starkregen und Hochwasser dennoch zentrale Themen für die Stadtverwaltung sind, betonten Stadtkämmerer Simon Thienel und Bürgermeister Armin Kibbert. „2021 hat uns gezeigt, was Starkregen bedeuten kann. Man kann ihn nie zu 100 Prozent verhindern, aber wir können die Auswirkungen mit gezielten Maßnahmen verringern“, erklärte Kibbert.
Vor dem Hintergrund der Hochwassersituation plant die Stadtverwaltung zudem ein umfassendes Projekt zur Renaturierung der Hälver. Ziel ist es, die Überflutungsvorsorge für den Ortsteil Heesfeld nachhaltig zu verbessern. „Das wird eine größere Nummer“, kündigte Simon Thienel an. Zugleich machte er deutlich, dass es nicht bei Ankündigungen bleiben solle: „Wir haben das feste Ziel, nicht nur zu reden, sondern zu handeln." Dabei spiele auch der Schutz der Heesfelder Mühle eine zentrale Rolle. „Die Heesfelder Mühle ist Kulturgut, das es zu schützen gilt."
Gebietserweiterung beschlossen – zwei Gegenstimmen
Die Ausschussmitglieder stimmten für die Erweiterung des Wohngebiets an der Falkenstraße und dem Linger Weg, doch es gab auch Gegenwind von zwei Politikern. Neben Astrid Becker von den Sozialdemokraten stimmte auch Uwe Leinung von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gegen die Erweiterung. Uwe Leinung erklärte im Ausschuss, dass die Gutachter die Aspekte des Hochwasser- und Starkregenschutzes zwar gut herausgearbeitet hätten, dies aber nicht das einzige Thema bei der Bebauung sei. Die Grünen in Halver setzten sich dafür ein, das Wohngebiet ökologisch zu entwickeln. Alle Beweggründe seien innerhalb der Fraktion sorgfältig abgewogen worden. Letztlich habe man sich darauf geeinigt, das Gebiet nicht vergrößern zu wollen, um eine größere Diversität in der Bebauung zu ermöglichen.
Astrid Becker begründete ihre Ablehnung mit grundsätzlichen stadtentwicklungspolitischen Bedenken. „Für mein Verständnis sind wir gefordert, Flächenverbrauch und Flächenversiegelung ernsthaft zu minimieren“, erklärte sie auf Nachfrage von LokalDirekt. Kritisch sieht Becker zudem die Lage der geplanten Wohngebiete. Zwei Baugebiete auf der grünen Wiese, rund drei Kilometer vom Stadtzentrum und von Schulen entfernt, würden eine steigende Verkehrsbelastung nach sich ziehen. Zudem verwies sie auf den wachsenden Anteil von Ein-Personen-Haushalten. „Wir brauchen attraktiven und bezahlbaren Wohnraum in Zentrumsnähe, gerade für junge Menschen, die ihre erste eigene Wohnung suchen“, betonte Becker. Mit der ursprünglichen Planung „Am Schillerstein“ hätte man aus ihrer Sicht den Wunsch nach dem Haus im Grünen bereits erfüllen können.
In den vergangenen Jahren berichtete LokalDirekt bereits mehrfach über Herksiepe/Schillerstein. Lesen Sie auch zu diesem Thema:
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