Tablets für alle Primusschüler? Im Ausschuss für Kinder, Jugend, Schule und Soziales wurde am Dienstagabend, 15. September, intensiv darüber diskutiert, wie die Schule künftig digital ausgestattet werden soll. Am Ende fiel die Entscheidung für eine günstigere Variante – mit persönlichen Geräten ab Jahrgang 4.

„Es geht uns nicht darum, Stift und Papier zu ersetzen"

Für Schulleiterin Astrid Bangert ist klar: Die Primusschule braucht mehr digitale Geräte, um einen guten Unterricht zu gewährleisten und die Schüler auf das Leben vorzubereiten. Am liebsten würde sie deshalb alle rund 600 Schüler mit einem eigenen Tablet samt Tastatur und Stift ausstatten. Dabei soll dieses aber keineswegs an die Stelle von Büchern und Papier treten. „Entweder oder" gebe es nicht, machte Bangert in der Sitzung deutlich. Die Kinder sollen weiterhin lesen, schreiben und rechnen wie bisher – die digitalen Geräte sollen den Unterricht vielmehr ergänzen.

Digitale Ausstattung dringend benötigt

Gerade für das besondere Schulkonzept mit jahrgangsübergreifendem und individuellem Lernen sei eine entsprechende digitale Ausstattung notwendig, erklärt Bangert. So müssten beispielsweise in den Klassen 3 und 8 Lernstandsprüfungen teilweise online durchgeführt werden – die dafür benötigten Geräte seien jedoch nicht vorhanden. Gleichzeitig gebe es in Nordrhein-Westfalen keine jahrgangsübergreifenden Schulbücher, weshalb das Kollegium von der „ewigen Kopiererei“ weg wolle. Auch die Anschaffung eines Tablets den Eltern zu überlassen, sei für Bangert keine Lösung. Über ein Lernmanagementsystem könne zudem gesteuert werden, welche Inhalte die Schüler auf den Geräten nutzen. So ließe sich sicherstellen, dass die Tablets im Unterricht für schulische Zwecke eingesetzt werden und nicht etwa zum Spielen oder für Unterhaltungsangebote wie Netflix oder YouTube.

„Zum Glück hat Schalksmühle eine Primusschule. Wir brauchen aber nun die Unterstützung aus der Politik, wenn wir hier auch eine Primusschule haben wollen", lautet der Appell der Schulleitung. Deutliche Worte, die von den wenigen anwesenden Gästen im Publikum mit Applaus aufgenommen wurden.

Doch bevor überhaupt geklärt werden konnte, ob und welche Ausstattung die Schüler in Schalksmühle bekommen sollen, kamen zahlreiche weitere Fragen auf.

Wo sollen die Tablets bleiben?

„Wir würden es gut finden, wenn die Geräte nach Schulschluss in der Schule bleiben", betont Denise Brille von der Grünen-Fraktion. Sie wünscht sich zudem sichere Möglichkeiten, die Tablets in brand- und diebstahlgeschützten Schränken zu laden. Eine andere Auffassung vertritt Tim Luca Rix Lopez von der FDP. Für ihn steht fest: „Man braucht die Tablets zu Hause, um Präsentationen vorzubereiten, Vokabeln zu lernen oder Schulstoff nachzuarbeiten."

Tablet oder Desktop?

Auch Jan Hendrik Jellesma (SPD) hält eine entsprechende technische Ausstattung an den Schulen für notwendig. „Wenn wir das jetzt nicht beschließen, dann bleibt es an den Eltern hängen, die es sich nicht alle leisten können. Für die Chancengerechtigkeit sollten wir es also nicht den Eltern überlassen, sondern wir müssen jetzt die Vorarbeit leisten", sagt er.

Gleichzeitig äußert Jellesma Bedenken, ob Tablets dafür das richtige Mittel sind. Sie könnten nicht alle Funktionen eines Desktop-Computers abbilden. Bei der Arbeit mit Tablets bestehe aus seiner Sicht die Gefahr, dass wichtige Grundlagen im Umgang mit Computern zu kurz kommen – etwa der Umgang mit Dateien oder das Erstellen von Back-ups. „Die Kinder sollen nicht überfordert werden, wenn sie die Schulen wechseln und vor einem richtigen Desktop sitzen."

UWG bremst bei der Digitalisierung

Auch die UWG-Fraktion, insbesondere Roman Bossart, hatte an diesem Abend Redebedarf. Grundsätzlich sei er der Meinung, dass die Thematik mit Augenmaß angegangen werden müsse. Die Volmegemeinde solle nicht die gleichen Fehler machen wie Skandinavien, wo die Digitalisierung an Schulen inzwischen teilweise wieder zurückgefahren werde. Zudem gab Bossart zu bedenken, dass die Geräte nach einigen Jahren ausgetauscht werden müssten und eine 1:1-Ausstattung „enorme Kosten" verursache.

Auch die Frage, wie sich Eltern fühlen würden, die erst kürzlich für ihr Kind ein eigenes Tablet angeschafft haben und nun erfahren, dass die Schule ebenfalls eines zur Verfügung stellt, warf Bossart in den Raum. Eine klare Antwort darauf hatte Schulleiterin Astrid Bangert: „Die Kinder können ein Tablet privat benutzen und ein weiteres in der Schule."

Ausschuss stimmt gegen 1:1-Variante

Roman Bossart hatte es bereits vor der Abstimmung angekündigt: Die UWG-Fraktion werde der 1:1-Variante nicht zustimmen. Dabei blieb es auch. Alle fünf stimmberechtigten Mitglieder der UWG-Fraktion sowie Kornelia Krause (CDU) stimmten gegen die Einführung einer Ausstattung, bei der jeder Schüler ein eigenes Tablet erhalten soll. Mit insgesamt sechs Gegenstimmen bildeten sie damit die Mehrheit.

Für eine günstigere Variante war die UWG hingegen bereit zuzustimmen, da sie grundsätzlich nicht gegen eine verstärkte Digitalisierung an der Primusschule sei. Die zweite Beschlussvorlage wurde daraufhin mit sechs Zustimmungen, zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen angenommen. Demnach sollen, wenn der Beschluss in der kommenden Ratssitzung durchgeht, künftig alle Schüler ab Jahrgang 4 mit persönlichen Endgeräten ausgestattet werden.

Für die Jahrgänge 1 bis 3 stehen pro Lerngruppe jeweils zehn Geräte zur gemeinsamen Nutzung bereit. Zudem sollen Fragen zu Versicherungen, möglichen Fördermitteln und weiteren Rahmenbedingungen der Nutzung noch geprüft werden. Denn, so erklärt es Bürgermeister Christian Breddermann, müsse bei einer größeren Zahl an Geräten auch eine zusätzliche IT-Stelle beziehungsweise entsprechende Dienstleistung für technische Fragen und den reibungslosen Betrieb der digitalen Technik hinzugebucht werden.

Auch die Grundschule Spormecke von neuer Digitalisierung betroffen

Die Diskussionen über die Digitalisierung der Grundschule fielen im Vergleich zur Primusschule deutlich kürzer aus. Einstimmig beschloss der Ausschuss, dass künftig alle Schüler ab Jahrgang 3 mit einem eigenen Endgerät ausgestattet werden.

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