Im Verein ist Sport am schönsten. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist der TuS Grünenbaum auch Familie. Wie viel Nähe gut ist und was gar nicht geht, ist Hintergrund der Überlegungen für ein Schutzkonzept.
„Anne, Tore – sind wir stark!“ So lautet der Titel eines Theaterstücks für 40 Mädchen und Jungen der E-Jugend-Mannschaften und deren Eltern am Freitag, 18. September. Für den TuS ist es der nächste Schritt auf dem Weg zum Beitritt in das „Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter und interpersoneller Gewalt im Sport“ des Landes Nordrhein-Westfalen.
„Als Verein werden wir den aktuellen Stand unseres Kinder- und Jugendschutzkonzepts sowie mögliche Fallbeispiele vorstellen. Zudem werden unsere geschulten Ansprechpersonen und eine Mitarbeiterin des Jugendamtes des Märkischen Kreises vor Ort sein“, sagt stellvertretend für das Projektteam Vorsitzender Tom Herberg. Zusammen mit ihm haben Marie Rademacher, Yvonne Grün, Alexander Volkenrath, Christopher Nolan und Stefan Westermann an diesem Konzept gearbeitet, das Eltern und Kindern mit dem Theaterstück und anschließenden Workshops vorgestellt werden soll.
Welche Überlegung steckt aus Sicht des TuS hinter der Entwicklung eines solchen Konzepts?
"Unser oberstes Ziel ist es, dass wir die mehr als 350 aktiven Kinder und Jugendlichen unseres Vereins bestmöglich schützen und sie sich bei uns auch abseits des Sports in einem geschützten Umfeld entwickeln können. Seit rund einem Jahr sind wir mit unserem Projektteam dabei, die seit Jahren geleistete Arbeit auch in ein entsprechendes Konzept zu gießen. Denn klar ist: Wir wollen kein Konzept verfassen, das hinterher in der Schublade landet, sondern wollen dieses mit Leben füllen und ständig aktualisieren. Mit dem Beitritt ins Qualitätsbündnis NRW möchten wir potenzielle Täterinnen und Täter abschrecken und sexualisierter und interpersoneller Gewalt im Sport vorbeugen."
Gab es in der Vergangenheit Vorgänge, die aus Sicht des Kinder- und Jugendschutzes im Nachhinein bedenklich waren?
"Konkrete Vorfälle gab es Gott sei Dank nicht. Dennoch können wir als so großer Sportverein nie zu 100 Prozent ausschließen, dass auch bei uns Situationen auftreten können, in denen man handeln muss. Das können auch mal kleinere Fälle sein, wie (körperliche) Auseinandersetzungen innerhalb einer Mannschaft oder ein zu aggressives Auftreten eines Trainers – da ist es dann wichtig, dass wir schnell und angemessen handeln. Wir nehmen diese Themen sehr ernst und möchten, dass Betroffene wissen, an wen sie sich mit ihren Ängsten und Sorgen wenden können."
Müssen Trainer und Betreuer nicht ohnehin ein (erweitertes) Führungszeugnis vorweisen?
"Bei uns müssen Trainerinnen und Trainer, Betreuerinnen und Betreuer und Vorstandsmitglieder seit Jahren erweiterte Führungszeugnisse vorweisen, das ersetzt aber dennoch kein Kinder- und Jugendschutzkonzept im jetzigen Ausmaß, sondern ist nur ein Teil davon. Es geht auch gar nicht nur um körperliche Übergriffe, sondern auch um ein angemessenes Auftreten, um Schutz vor (Cyber-) Mobbing oder respektvolles Verhalten auf und abseits des Platzes."
Bedeutet das einen personellen Mehraufwand bei der Betreuung der vielen Teams?
"Das Thema Kinder- und Jugendschutz hatte bei uns schon immer einen hohen Stellenwert, was sich natürlich auch im zeitlichen und personellen Bereich niederschlägt – immerhin haben wir in dieser Saison 15 Mädchen- und Jungenmannschaften im Spielbetrieb. Allerdings sind wir uns sicher, dass sich der Aufwand hier total auszahlt."
Handys sind allgegenwärtig und greifen in die Privatsphäre von Kindern und Jugendlichen ein: Hat der Tus Grünenbaum beim Konzept Social Media mitgedacht?
"Das Handy mit all seinen Begleiterscheinungen (mögliches Mobbing in WhatsApp-Gruppen, verbotene Bild- oder Tonaufnahmen in Kabinen etc.) spielt natürlich eine immer größere Rolle und wurde bei unserem Konzept entsprechend mitgedacht. Wir setzen dabei auf Aufklärung und Selbstverpflichtungen der einzelnen Mannschaften – sollte dies alleine nicht ausreichen, dann sind für uns auch Handyverbote in der Kabine ein Thema."
Hätte ein solches Konzept möglicherweise abschreckende Wirkung auf mögliche Täter, die sich unter dem Mantel des Ehrenamts an Jugendliche heranmachen wollen?
"Es geht bei unserem Kinder- und Jugendschutzkonzept nicht nur um sexuelle Übergriffe, sondern auch um niederschwelligere Vergehen, die wir im besten Fall präventiv verhindern wollen. Unsere mehr als 40 Jugendtrainerinnen und -Trainer leisten seit vielen Jahren hervorragende Arbeit und opfern sich für die Kinder und Jugendlichen auf. Dennoch sind wir natürlich darauf angewiesen, dass wir auch künftig neue Ehrenamtliche hinzugewinnen, die man vielleicht persönlich noch nicht so gut kennt. Wir wollen uns da nicht nur auf Führungszeugnisse oder ein Bauchgefühl verlassen, sondern bewusst hohe Hürden setzen, um bei uns als Trainer: in oder Übungsleiter: in anzufangen. Da setzen wir natürlich auch auf eine abschreckende Wirkung durch unser neues Konzept. Potenzielle Täter sollen wissen, dass es bei uns eine gelebte ‚Kultur des Hinsehens‘ gibt."
Gab es in der Vergangenheit bereits festgeschriebene Richtlinien und ausreichend Handlungssicherheit?
"Wir hatten auch in der Vergangenheit klare Spielregeln, die für Ehrenamtliche in unserem Verein galten und gelten – nicht zuletzt durch das Vorzeigen der erweiterten Führungszeugnisse oder Verhaltensregeln auf und außerhalb des Platzes. Mit unserem umfangreichen Konzept heben wir das Ganze aber nochmal auf eine neue Ebene und haben eine Verbindlichkeit, die wir so vorher noch nicht hatten. Für uns ist es jetzt wichtig, dass wir das Thema im gesamten Verein bekannt machen und es mit Leben füllen."










