Ein Tablet für jeden Schüler? Bereits im Juni führte diese Frage im Ausschuss für Jugend, Schule und Soziales für Diskussionen. LokalDirekt hat sich mit Schulleiterin Astrid Bangert und der didaktischen Leiterin Desiree Huwald von der Primusschule getroffen.
Schulen wollen mehr Geräte als vorgesehen
Die Primusschule verfolgt dabei ein weitreichendes Ziel: Alle rund 600 Schülerinnen und Schüler von Jahrgang 1 bis 10 sollen nach Vorstellung der Schulleitung mit einem eigenen Tablet samt Tastatur und Stift ausgestattet werden. Hinzu kommen soll ein Lernmanagementsystem. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung geht deutlich weniger weit: Er sieht zur Erfüllung der Anforderungen an die Vergleichsarbeiten Vera 3 und Vera 8 zwölf zusätzliche Endgeräte samt Tastaturen sowie Stifte für die Lehrkräfte vor. Hinzu kommen soll ein Lernmanagementsystem als Cloud-Lösung.
Auch an der Grundschule Spormecke geht der Wunsch der Schulleitung über die von der Verwaltung vorgeschlagene Mindestlösung hinaus. Laut Verwaltungsvorlage wünscht sie sich ab Jahrgang 3 Klassensätze mit Tablet, Tastatur und Stift. Die Verwaltung schlägt dort dagegen eine auf die Anforderungen von Vera 3 ausgerichtete Erweiterung um 43 Geräte vor.
Eine weitergehende Variante war bereits im Schulausschuss diskutiert worden und wurde mit der Ergänzung der Vorlage vom 25. August durchgerechnet: Demnach könnten die Schüler ab Stufe 2, also ab Jahrgang 4, jeweils ein eigenes Tablet erhalten. Für die Stufe 1 wären stattdessen zehn Endgeräte je Lerngruppe vorgesehen, damit die Vergleichsarbeiten VERA 3 durchgeführt werden können. Die Verwaltung empfiehlt allerdings weiterhin die kleinere Variante mit zwölf zusätzlichen Endgeräten und einem Lernmanagementsystem als Cloud-Lösung.
Grüne unterstützen 1:1-Ausstattung unter Bedingungen
Politische Unterstützung für eine umfangreichere Ausstattung gibt es bereits von den Grünen. Die Fraktion hat einen Änderungsantrag eingebracht und spricht sich grundsätzlich für eine 1:1-Ausstattung an beiden Schulen aus. Sie knüpft diese allerdings an technische und organisatorische Voraussetzungen – unter anderem eine ausreichende WLAN- und Internetkapazität, ein Konzept für Lagerung und Laden der Geräte sowie ein professionelles Mobile-Device-Management. Über die Anpassung des Medienentwicklungsplans wird am kommenden Dienstag, 15. September, erneut im Ausschuss für Jugend, Schule und Soziales beraten.
Kompetenzen im Umgang mit Medien
"Es geht uns vor allem darum, die Kinder und Jugendlichen zukunftsfähig zu machen", betont Astrid Bangert. In Zeiten von Social Media, Fake News, KI-generierten Inhalten und Cybermobbing sei es unabdingbar, bereits in der Schule einen bewussten Umgang mit den Medien zu vermitteln. Mit dem von der Verwaltung vorgeschlagenen Ausstattungsumfang lasse sich dieser Anspruch aus ihrer Sicht jedoch nicht umsetzen.
"Wir können so die Vorgaben nicht erfüllen"
Aus ihrer Sicht besteht eine Lücke zwischen den Anforderungen an die Schulen und deren technischer Ausstattung. Ein Beispiel seien die Vergleichsarbeiten Vera 3 und Vera 8, die ab dem Schuljahr 2026/27 teilweise computerbasiert durchgeführt werden müssen. "Mir ist bewusst, dass es anderen Einrichtungen schlechter geht, wir sind immerhin schon mit gutem Wlan ausgestattet", betont sie.
Unklar sei darüber hinaus, auf welchem Wege die Endgeräte der Lehrkräfte finanziert werden sollen - durch das Land oder die Gemeinde. "Auch hier gibt es keine klaren Vorgaben", bemängelt Bangert, mittlerweile hätten sich einige Lehrkräfte der Primusschule bereits privat mit Geräten ausgestattet. Die im Jahr 2021 angeschafften Dienstgeräte seien teilweise nicht mehr in der Lage, die täglichen Anforderungen zu erfüllen.
"Man hat sich bewusst für die Primusschule entschieden"
Zunächst war die Schulform ein Versuch, mittlerweile befindet sie sich im Bestandsschutz. Die Entscheidung für die Primusschule sei seinerzeit in Schalksmühle bewusst getroffen worden, betont Bangert. Die Besonderheit des pädagogischen Konzepts sei das jahrgangsübergreifende Lernen und Arbeiten, hierfür gibt es jedoch laut Bangert bis heute - besonders für die Sekundarstufe - kaum Schulbücher. Für Lehrbücher seien dadurch nach Angaben Bangerts bislang kaum Kosten angefallen.
"Die Kollegen haben sich in den ersten Jahren sämtliche Materialien selbst erarbeitet, damit der Schulversuch gelingt", erklärt sie. Diese Unterrichtsmaterialien stünden den Lehrkräften in einer Cloud digital zur Verfügung - werden aber trotzdem von diesen ausgedruckt. Das verursache nicht nur Druckkosten, sondern koste auch Zeit, die aus Bangerts Sicht sinnvoller für die pädagogische Arbeit eingesetzt werden könnte. Eine 1:1-Ausstattung würde es den Schülern ermöglichen, direkt über die Tablets auf die Lerninhalte zuzugreifen.
Auch deshalb sei es nun ihr Ziel, die Politik darauf aufmerksam zu machen, dass die Ausstattung nötig sei, um die Vorgaben des pädagogischen Konzepts umsetzen zu können. "Wir brauchen diese Digitalisierung, um gute Arbeit machen zu können."
Alternative Wege der Finanzierung
"Natürlich verstehen wir, auch mit Blick auf die angespannte Haushaltslage der Gemeinde, dass diese Ausstattung viel Geld kostet", betont Bangert. Denkbar wären für sie daher auch alternative Möglichkeiten der Finanzierung - etwa durch Spenden.
Digitale Geräte dürfen mitgebracht und benutzt werden
Viele Schüler, so Bangert, bringen schon ab dem Primarbereich eigene digitale Geräte mit - und dürfen diese dann bei Gelegenheit auch nutzen, um Lernvideos anschauen oder Übungen auf digitalen Plattformen machen zu können.
"Aber hier entsteht natürlich ein Ungleichgewicht, weil eben nicht jedes Kind über ein solches Gerät verfügt", betont Bangert. Einen weiteren Nachteil sieht sie darin, dass die Lehrkräfte auf diese Geräte keinen Zugriff haben und somit letztendlich nicht vollständig kontrollieren können, wozu sie genutzt werden. Schuleigene Tablets würden einen Zugriff der Pädagogen auf jedes Tablet ermöglichen, darüber hinaus sei der Downloads von externen Apps nicht möglich.
"Natürlich müssen die Kulturtechniken erlernt werden"
Das Schreiben mit Stift auf Papier, so Bangert, soll ausdrücklich nicht von den Tablets abgelöst werden. "Natürlich müssen die Kulturtechniken erlernt werden." Die Nutzung der digitalen Medien sei lediglich als Ergänzung gedacht, nicht als Ersatz.
So könnten die Tablets den Kindern beispielsweise das Üben der Lerninhalte erleichtern - durch Lernvideos, Spiele und Apps auf den Tablets. Digitale Systeme wie "Anton" würden darüber hinaus ein Feedback an die Lehrer zurückspielen, an welchen Stellen bei den einzelnen Schülern noch individueller Lern- und Nachholbedarf besteht.
"Ein generelles Handyverbot wäre dann umsetzbar"
Mit der digitalen Ausstattung eines jeden Kindes, so Bangert, wäre auch ein Verbot der privaten Smartphones an der Primusschule denkbar. "Wir könnten dann Handygaragen anschaffen, weil die Kinder die Geräte den Schultag über schlicht nicht mehr bräuchten. Aktuell sind wir darauf angewiesen, dass die Kinder gelegentlich im Unterricht ihre privaten Smartphones nutzen."
Kompromisslösungen sind denkbar
"Wir wären ausdrücklich auch mit einem möglichen Kompromiss einverstanden", betont Bangert. Sollte die Politik beispielsweise entscheiden, dass erst die Schüler ab der Stufe zwei - also ab der vierten Klasse - mit Tablets ausgestattet werden, wäre sie einverstanden. Und auch an anderen Stellen - etwa dem Hersteller oder der zusätzlichen Anschaffung von Stiften und Tastaturen - seien für sie Abstriche denkbar. "Dennoch - wir brauchen diese Geräte, um die Digitalisierung nicht noch weiter zu verschlafen", führt sie weiter aus.
"Wir wollen Informationen und Aufklärung anbieten"
Desiree Huwald, didaktische Leiterin, sieht in der Vermittlung des Umgangs mit den neuen Medien eine Notwendigkeit. "Gerade in Zeiten der sozialen Plattformen, über die falsche oder politisch fragwürdige Inhalte vermittelt werden, müssen wir den Kindern und Jugendlichen die nötigen Kompetenzen mit an die Hand geben", betont sie.
Gleichzeitig, so Huwald weiter, sei es ihr wichtig, den Kindern und Jugendlichen auch die Vorteile medienfreier Zeiten aufzuzeigen - durch das bewusste Beiseitelegen von Handy und Tablet und der Ausübung von Alternativmöglichkeiten.
"Politik und Verwaltung sind herzlich eingeladen"
Einblicke in den Alltag an der Primusschule, so betont Astrid Bangert zum Abschluss des Pressegesprächs, ermögliche sie gerne. "Wenn Vertreter aus Politik und Verwaltung sich für das Lernen und Arbeiten an unserer Schule interessieren, sind sie herzlich eingeladen, in den Gruppen zu hospitieren und sich selbst einen Eindruck zu verschaffen."








