Mit Liedern, Gewändern und einer klaren Forderung reisen drei Sternsinger aus Lüdenscheid nach Berlin. Beim ersten Sternsingerempfang von Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag, 6. Januar, wollen sie sich für den Kampf gegen Kinderarbeit einsetzen und daran erinnern, dass die Politik hier in der Verantwortung steht.

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Sie lachen und singen in ihren bunten Gewändern fröhliche Lieder von Weihnachten — doch das soll nicht über die wichtige Botschaft hinwegtäuschen, die vier Sternsinger aus Lüdenscheid am kommenden Dienstag in Berlin dem Bundeskanzler überbringen.

Friedrich Merz (CDU) und seine Regierung sollen sich auf politischer Ebene weltweit gegen Kinderarbeit engagieren, so wie dies Zehntausende Sternsinger in den kommenden Tagen überall in Deutschland mit ihren Liedern und ihrer Sammelaktion für Kinder in Not tun. „Kinderrechte sind schließlich Chefsache“, steht auf einer Tafel, die der neunjährige Sebastian dem Kanzler überreichen wird.

„Die soll er sich am besten auf seinen Schreibtisch stellen, damit er immer daran denkt“, sagt der Jüngste aus dem Quartett der Lüdenscheider Pfarrei St. Medardus, das am Dreikönigstag beim Sternsingerempfang im Bundeskanzleramt das Bistum Essen vertreten wird.


Erster Sternsingerempfang von Bundeskanzler Friedrich Merz
Zu Gast beim ersten Sternsingerempfang von Bundeskanzler Merz hat die Gruppe aus Lüdenscheid eine besondere Aufgabe: Neben dem gemeinsamen Gesang mit den anderen 104 Sternsingern aus allen deutschen Bistümern stellen sie dem Kanzler und den Journalisten das Thema der aktuellen Sternsingeraktion in einer kurzen Theater-Szene vor. Zum Abschluss gibt es Sebastians Kinderrechte-Erinnerungstafel als Gastgeschenk für den Hausherrn.

Sie seien schon überrascht gewesen, als das Team vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ nach einer digitalen Konferenz mit allen Sternsingergruppen, die nach Berlin kommen, sie für das sogenannte Anspiel ausgesucht habe, sagt die ehrenamtliche Begleiterin Nicole Lyra. „Aber dann haben wir gesagt: Wir können Krippenspiel, dann können wir auch das Anspiel.“

Einladung nach Berlin beinahe übersehen
Lyra war als einzige schon einmal bei einem Sternsingerempfang im Kanzleramt — vor 23 Jahren mit einer Gruppe aus dem Stadtteil Brügge. Seitdem hat sie sich immer weiter beim Kindermissionswerk beworben. Fast hätte sie nach vielen Jahren mit Absagen auch die diesjährige Antwort-E-Mail routiniert gelöscht: "Dann habe ich aber im letzten Augenblick gesehen, dass wir diesmal mit dabei sind — und den Jubelschrei müsste man eigentlich in ganz Lüdenscheid gehört haben", erzählt die passionierte Sternsinger-Begleiterin.

Mit Sandra Ostermann hat sie eine Gemeindereferentin an der Seite, die mindestens ebenso für das Sternsinger-Thema brennt. Als junge Frau war sie als „Missionarin auf Zeit“ sogar in einem kirchlichen Hilfsprojekt im brasilianischen Amazonas-Raum tätig, das seinerzeit von den Sternsingern unterstützt wurde — seitdem weiß sie aus erster Hand, wie viel Gutes die Spenden tun, die die Sternsinger sammeln. Nun gehört sie in Lüdenscheid mit zum Sternsinger-Team und begleitet in der kommenden Woche gemeinsam mit Lyra die vier Kinder auf der Reise nach Berlin.


Sternsingerkrone seit klein auf
Ostermanns Sohn Sebastian habe schon als Baby eine Sternsingerkrone aufgehabt, erzählt die Seelsorgerin. Sebastian selbst sagt: „Ich bin Sternsinger, seit ich denken kann.“ Auch die drei Mädchen, die mit ihm nach Berlin fahren — Rebecca (11), Marie (12) und Liuba (16) — sind schon seit vielen Jahren Sternsingerinnen.

Zugleich repräsentieren Sebastian und sie die vier Gemeindeteile von St. Medardus: Ein Zeichen des immer weiter Zusammenwachsens der Lüdenscheider Pfarrei. „Die große Freude, die wir anderen Menschen bringen“, ist für Liuba der wichtigste Grund, sich Jahr für Jahr in den Weihnachtsferien das Sternsingergewand anzulegen. „Anderen Kindern helfen, die es nicht so gut haben wie wir“, ist Maries Hauptmotivation. Rebecca freut sich, wenn die Menschen, die sie in Lüdenscheid besuchen, schon selbst sagen, „dass es in der Dose nur rascheln und nicht klappern“ soll — und die Spendenbüchse dann passend mit Scheinen füllen. Und auch Sebastian macht es „total Spaß, Spenden zu sammeln“.



Denkanstoß für Kanzler Merz

Das werden die Vier auch nach ihrer Reise in die Bundeshauptstadt noch tun. Denn die Sternsingeraktion in Lüdenscheid läuft erst danach von Freitag, 9., bis Sonntag, 11. Januar. Dann können Rebecca, Sebastian, Marie und Liuba den anderen Sternsingern nicht nur berichten, was denn der Bundeskanzler in die Spendendose gesteckt hat, sondern auch, wie ernst er ihre politische Botschaft nimmt.

„Es ist wichtig, dass er Kinder und Jugendliche bei seinen Entscheidungen nicht vergisst. Und dass er handelt — nur etwas versprechen hilft nicht“, möchte Liuba ihm mit auf den Weg geben.