Für die seit Jahren leerstehende P & C-Immobilie am Eingang der Wilhelmstraße zeichnet sich eine Lösung ab. Zum wiederholten Mal. Midstad, eine Tochtergesellschaft der James Cloppenburg Real Estate (JC Real Estate), hat Pläne für eine sogenannte „Multi-Use-Immobilie“ vorgelegt.
Das Unternehmen managt und entwickelt Immobilien, insbesondere in deutschen Innenstädten, mit dem Ziel, Flächen neu zu nutzen.
Was hat Midstad vor? Das geht aus einer Pressemitteilung hervor, die der Immobilien-Entwickler jetzt veröffentlicht hat. „Die Liegenschaft an der Wilhelmstraße 2–10 in Lüdenscheid steht vor einer grundlegenden Transformation“, heißt es darin. Auf dem 3.337 Quadratmeter großen Grundstück solle das Bestandsgebäude zurückgebaut und durch eine zukunftsorientierte Multi-Use-Immobilie ersetzt werden. Ziel sei es, am Sternplatz einen neuen, lebendigen Baustein für die Innenstadt zu schaffen und die Attraktivität des Standorts langfristig zu sichern. „Die gemeinsame Entwicklung dieses Projekts zeigt, wie erfolgreiche Innenstadterneuerung funktionieren kann: im Dialog und mit klarer Vision. Die Neubelebung des Standorts an der Wilhelmstraße 2–10 ist ein wichtiger Baustein, um unsere Innenstadt als attraktiven Ort für Bürgerinnen und Bürger, Besucher und Unternehmen zu stärken, “ wird Bürgermeister Sebastian Wagemeyer in der Pressemitteilung zitiert.
500 Quadratmeter große Multifunktionshalle
Wie Midstad weiter mitteilt, wurde das Konzept in den letzten Monaten im Rahmen eines intensiven Workshopverfahrens von Midstad gemeinsam mit der Stadt Lüdenscheid entwickelt. Geplant ist ein Neubau, der zeitgemäße Arbeitswelten, urbane Handels- und Gastronomieflächen sowie Räume für Begegnung und Veranstaltungen miteinander verbindet. Vorgesehen sind rund 4.500 Quadratmeter Bruttogrundfläche (BGF) für moderne, kollaborative Büro-, Verwaltungs- und Kommunikationsnutzung für über 200 Arbeitsplätze. Hinzu kommen ca. 3.000 Quadratmeter Handelsfläche, die das Angebot in der Innenstadt ergänzen und stärken sollen. Eine rund 500 Quadratmeter große Multifunktionshalle mit angrenzendem begrüntem Innenhof bietet flexible Möglichkeiten für Veranstaltungen, Kultur oder sportliche Aktivitäten. Ergänzt wird das Nutzungskonzept durch eine Gastronomiefläche, die zur weiteren Belebung der Innenstadt beitragen wird, sowie durch eine bedarfsgerechte Anzahl an Pkw- und Fahrradstellplätzen. Bei der Planung stehen Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit und Effizienz im Vordergrund. Vorgesehen sind begrünte Dachflächen und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Der Rückbau des Bestandsgebäudes erfolgt ressourcenschonend, sodass wertvolle Rohstoffe im Kreislauf gehalten werden können.

Midstad verantwortet das Projekt von der Konzeptentwicklung über die Abwicklung des Projekts bis hin zum künftigen Betrieb der Immobilie. Damit wird sichergestellt, dass die Immobilie nicht nur architektonisch, sondern auch inhaltlich und organisatorisch nachhaltig zum Gelingen der Innenstadtentwicklung beiträgt. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt Lüdenscheid war in hohem Maße konstruktiv und zielführend. Mit dem neuen Konzept schaffen wir ein lebendiges, vielseitiges Gebäude, das Arbeit, Handel, Dienstleistung, Gastronomie und Kultur an einem Ort verbindet – und so ein starkes Signal für die Zukunft der Innenstadt setzt, “ betont Dr. Kevin Meyer, Geschäftsführer der Midstad, in der Mitteilung.
Voraussetzung für die Umsetzung der vorgelegten Entwürfe soll jedoch eine langfristige Anmietung von Büroflächen durch die Stadtverwaltung sein. Daran war beispielsweise das Vorhaben des Lüdenscheider Investors Rothmann gescheitert.
Grüne drängen auf zeitnahe Umsetzung
In einer ersten schriftlichen Stellungnahme spricht sich die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Lüdenscheid für die zeitnahe Umsetzung der von Midstad vorgelegten Pläne zur Neugestaltung des ehemaligen P&C Komplexes aus. Die Fraktion betont die Notwendigkeit einer raschen Entscheidungsfindung, um die Aufwertung der Innenstadt voranzutreiben. „Wir begrüßen die Initiative von Midstad ausdrücklich und sehen darin eine bedeutende Chance, einen langjährigen städtebaulichen Missstand zu beseitigen und gleichzeitig die Attraktivität unserer Innenstadt erheblich zu steigern. Die Umnutzung des Gebäudekomplexes bietet die Möglichkeit, sowohl die Aufenthaltsqualität im Stadtzentrum zu verbessern als auch die räumliche Situation der Verwaltung, nachhaltig zu optimieren.", erklärt Andreas Stach, Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Lüdenscheider Stadtrat. "Vorausgesetzt, die Finanzierung ist solide gesichert, sollten wir dieses Projekt ohne unnötige parteipolitische Verzögerungstaktiken zügig vorantreiben."
SPD-Ortvereinsvorsitzender Philipp Kallweit spricht von einer „richtig guten Nachricht“. Die Entwürfe seien vielversprechend, die letzten Details müssten jetzt politisch geklärt werden. In diesen Prozess gehe die SPD „offen und mit dem klaren Willen, diesen Leerstand in unserer Innenstadt nachhaltig zu beseitigen“, wird er in den Lüdenscheider Nachrichten (LN) zitiert.
CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Fröhling erklärte laut LN, jeder Leerstand sei einer zu viel. Man müsse nun die Präsentation im Planungsausschuss abwarten. Vieles müsse im Detail besprochen und geklärt werden, auch die finanziellen Rahmenbedingungen für die Stadt Lüdenscheid.
Melita Alzorba, parteilose Bürgermeisterkandidatin der CDU warnt davor, vorzeitig Verpflichtungen gegenüber Midstad einzugehen. Gegenüber der Lokalzeitung erklärte sie: „Bevor man mit dem Investor nun was Schönes plant und den monströsen Leerstand beseitigt, sollte zunächst der Raumbedarf geklärt sein. Wenn dem nicht so ist, halte ich es für sehr kritisch, wenn man sich für 30 Jahre verpflichtet.“