Der Ennepe-Ruhr-Kreis stellt die Landschaftspläne neu auf. Für den nördlichen Kreisbereich werden dafür insgesamt 297.500 Euro investiert. Den Großteil der Kosten übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen: 238.000 Euro fließen als Fördermittel in das Projekt.

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Förderung für Naturschutz und Landschaftspflege

Ein Landschaftsplan ist so etwas wie ein „Nutzungs- und Schutzfahrplan für die freie Landschaft“ — vergleichbar mit einem Bebauungsplan, nur eben für Natur statt für Häuser. In ihm ist verbindlich festgelegt, wie Natur und Landschaft geschützt, gepflegt und genutzt werden dürfen; damit schafft er Rechtssicherheit für Naturschutz, Eigentümer und Kommunen.

Den entsprechenden Förderbescheid für den neuen Landschaftsplan Nord überreichte Regierungspräsident Heinrich Böckelühr kürzlich an Landrat Jan-Christoph Schaberick. Dieser betonte, Ziel sei es, Natur und Landschaft zu bewahren, weiterzuentwickeln und bei Bedarf wiederherzustellen. „Dank der Förderung kann der Kreis seiner gesetzlichen Verpflichtung nachkommen und die finanzielle Belastung um rund 80 Prozent reduzieren.“

Viele Interessen auf engem Raum

Der Ennepe-Ruhr-Kreis zählt zu den flächenkleinsten Kreisen in Nordrhein-Westfalen. Gerade deshalb treffen hier unterschiedliche Nutzungsansprüche aufeinander: Siedlungen, Verkehrswege und Landwirtschaft stehen neben Wäldern, Grünland und naturnahen Flächen. Diese übernehmen wichtige Funktionen für Artenvielfalt, Klima- und Wasserschutz sowie für die Erholung der Bevölkerung.

Regierungspräsident Heinrich Böckelühr unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Planung: „Die Herausforderung lautet, die unterschiedlichen Nutzungsinteressen auf engem Raum ausgewogen zu steuern und naturschutzrechtlich wertvolle Freiräume langfristig zu sichern und zu entwickeln.“ Hierzu gehört auch das Biotopverbundkonzept des LANUK NRW, die Biodiversitätsstrategie des Landes NRW und die EU-Wiederherstellungsverordnung. „Die Landesmittel sind hier folglich gut angelegt“, so Böckelühr.

Beteiligung von Beginn an

Ein zentrales Element der Neuaufstellung ist die Beteiligung der Öffentlichkeit. Offenheit, Dialog und Mitwirkung sollen das Verfahren prägen. Städte, Eigentümer, Verbände, Wirtschaft sowie Akteure aus Tourismus und Erholung werden einbezogen. „Unser Vorhaben kann nur dann funktionieren, wenn wir alle Betroffenen einbeziehen und mitnehmen“, erklärt Landrat Schaberick. Daher sollen Hinweise, Anregungen und Bedenken bereits frühzeitig aufgenommen, fachlich geprüft und, so Schaberick, wann immer möglich, in die Planung integriert werden: „Auf diese Weise sollen denkbare Konflikte bereits im Vorfeld konstruktiv zu lösen“, skizziert der Landrat den Plan.

Breckerfeld folgt später

Grundlage für das Verfahren ist ein Kreistagsbeschluss aus dem Spätsommer 2024. Zunächst starten die Arbeiten im nördlichen Ennepe-Ruhr-Kreis mit den Städten Hattingen, Herdecke, Sprockhövel, Wetter (Ruhr) und Witten. Der südliche Kreisbereich mit Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg und Schwelm soll ab 2030 folgen. Auch dafür plant die Kreisverwaltung, Fördermittel des Landes zu beantragen.

Am Ende sollen zwei neue Landschaftspläne die bislang vier bestehenden ersetzen und eine zeitgemäße Grundlage für den Naturschutz im gesamten Kreisgebiet schaffen.