Die Stadt Lüdenscheid treibt ihre Planungen für den Zivilschutz im Rahmen der Nato-Verteidigung voran. Im Bau- und Verkehrsausschuss erläuterte Dirk Romczykowski von der Stabsstelle Kritische Infrastruktur und Bevölkerungsschutz (KIB), welche Auswirkungen ein militärischer Bündnisfall auch ohne direkte Kampfhandlungen in der Region haben könnte.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die A45 als wichtige Transitstrecke für Nato-Truppen zwischen dem Ruhrgebiet und der Südostflanke des Bündnisses. Im Ernstfall müssten über Monate hinweg täglich tausende Soldaten und Fahrzeuge versorgt, betankt und durch Deutschland geleitet werden.

Besondere Anforderungen durch typische Verletzungen

Auch das Klinikum Lüdenscheid wäre von einem solchen Szenario betroffen. Nach den vorgestellten Planungen könnten bereits zwei kriegsverletzte Soldaten pro Tag dazu führen, dass nach zwei Wochen eine komplette Station belegt wäre. Hinzu kämen besondere Anforderungen durch typische Kriegsverletzungen und ein hoher Anteil intensivpflichtiger Patienten. Tests für den Ernstfall laufen bereits. Dirk Romczykowski nannte Zahlen zur Übung „Medic Quadriga 2026“ in Berlin mit 200 Soldaten, 250 Helfern und dem simulierten Transport in Krankenhäuser.

Parallel arbeitet die Stadt am sogenannten Zivilen Alarmplan, der bis Ende 2027 fertiggestellt werden muss. Während zusätzliche personelle Ressourcen erforderlich sind, sieht die Verwaltung die Finanzierung durch den Bund kritisch. Positiv bewertet wurde dagegen die Ausstattung mit Sirenen: Lüdenscheid gilt in diesem Bereich als gut vorbereitet, da das Warnsystem kontinuierlich instandgehalten wurde.

Deutschland als Drehscheibe der Nato

Eingangs hatte Dirk Romczykowski betont, es gehe ihm nicht um Angstmache. Er wollte lediglich zeigen, wie sich das Leben in Lüdenscheid schon dann verändern könnte, wenn ein Kriegsfall irgendwo in der Nato auftreten würde. Dabei zitierte er den gängigen Begriff von Deutschland als Drehscheibe der Nato mit all den daraus erwachsenden Konsequenzen. Dazu zählte er Massen von Militärfahrzeugen auf dem Weg zu einer etwaigen Kriegsfront, die Planung und Genehmigung von Durchfahrten über deutsche Straßen oder Gewässer bis zum Bereitstellen von Unterkünften oder Betankungsmöglichkeiten an Bundeswehr-Standorten.