„Echt stark.“ Diese beiden Wörter reichten VHS-Leiter Michael Tschöke aus, um die Performance der Band „Höhenflug“ und die Ausstellung „Farbstapel on Tour“ zu beschreiben. Was die Klasse O1 der Schule an der Höh 2018 auf die Beine gestellt hat und wie die Schulband performt, das ist schon beeindruckend.
Eine Kostprobe gab die Band anlässlich der Vernissage am Freitag am VHS-Standort Altes Rathaus. Die jungen Musiker begrüßten das Publikum mit „Billionaire“ einem Song von Travie McCoy (featuring Bruno Mars). Mit den Stücken „Kleiner Fingerschwur“ und „Der letzte Song“, der allerdings nicht der letzte bleiben sollte, hatte „Höhenflug“ das Publikum ganz auf seiner Seite.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Fotodokumentation der Aktion „Farbstapel on Tour“. Sie zeigt die Reise von 87 monochrom gestrichenen Kartons durch Lüdenscheid. Der Farbstapel wurde im Museum, im gesperrten Rathaustunnel, in der Erlöserkirche, im Mintenbecker Tal und an weiteren Orten aufgebaut und fotografiert. „Es war spannend zu sehen, wie der Farbstapel den jeweiligen Ort und unsere Sicht auf den Ort veränderte“, erinnerte sich Lehrer Mirko Wohlfahrt an die Aktion. Vor den Felsen im Steinbruch Lösenbach ragt der Stapel wie eine bunte Burg hervor.
An Willi Mellers Skulptur „Der Erwachende“ setzen die Schüler ein inklusives Gegenbild zum heldenverehrenden Auftragswerk der Nationalsozialisten aus dem Jahr 1935. Die bis heute umstrittene Plastik versahen sie mit einem ironischen Kommentar: Auf den muskulösen Schultern der Kriegerfigur platzierten sie die kleinsten der 87 Kartons. So laden die Fotos der Installationen zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen wie Kinder und Jugend, Infrastruktur, Stadtentwicklung, Kultur und Geschichte und Inklusion ein.
Lehrer Mirko Wohlfahrt schreibt zum Projekt: „Wir wollten möglichst viele Kartons bemalen. Diese wochenlange Arbeitsphase zeigte manchen Jugendlichen, dass sie für ihre Ziele manchmal auch hart arbeiten müssen. Letztlich wurden wir alle von der positiven Dynamik überrascht, die ein Kunstwerk entfalten kann.“
Beim Aufbau stellten sich die Schüler die Kartons wie bunte Pixel in einer natürlichen Umgebung vor – Abstraktion vs. Realismus. Darüber hinaus lernten die Schüler ihre Stadt besser kennen und gelangten zu Orten, die sie noch nie besucht hatten. Sie lernten ihre Heimat besser kennen und konnten sich neu mit ihr identifizieren. Dazu trug auch ein geführter Besuch der Ge-Denk-Zellen im Vorfeld der Ausstellung bei.
„Das alles ist ein wichtiges Zeichen für Vielfalt und Mitbestimmung“, stellte Mirko Wohlfahrt bei der Vernissage fest. Kunst werde so zu einem wichtigen Bestandteil gesellschaftlicher Teilhabe.
Dass auch Musik Inklusion erlebbar macht und verbindet, zeigte „Höhenflug“ mit der lautstark geforderten Zugabe, dem provokanten Stück „Wenn das Liebe ist“ der Rapperin Nina Chuba.
Das Projekt wurde von der Stiftung Lebenshilfe Lüdenscheid und den Kunstfreunden Lüdenscheid gefördert. Den Katalog zur Ausstellung gestaltete Uwe Hoffmeister (Agentur propono). Die Ausstellung ist bis zum 31. August in den Fluren der VHS Lüdenscheid (Standort Altes Rathaus) zu sehen. Sie kann während der Öffnungszeiten kostenlos besucht werden.








