Am Dienstag, 27. Januar, findet anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus eine Gedenkfeier auf dem Jüdischen Friedhof an der Freiligrathstraße statt. Beginn ist um 15 Uhr.
Am 27. Januar 1945 – vor 81 Jahren – wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Bundespräsident Roman Herzog gründete zum 27. Januar 1996 in der Bundesrepublik Deutschland den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Angeregt durch diesen Gedenktag organisiert die Stadt Plettenberg seit 2006 ebenfalls eine Veranstaltung zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Am Dienstag, 27. Januar, erinnert die Stadt Plettenberg auch in diesem Jahr im Rahmen einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Gedenkstunde beginnt um 15 Uhr auf dem jüdischen Friedhof an der Freiligrathstraße. Nach einer kurzen Ansprache des Bürgermeisters wird an der Gedenkstelle der Opfer des Nationalsozialismus gedacht, indem ein Blumenbouquet niedergelegt wird.
Im Anschluss geht es vom Friedhof aus in den Ratssaal. Dort werden Schülerinnen und Schüler der Stufe Q1 des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Texte und Bilder zum Thema „Anne Frank in Amsterdam“ vortragen bzw. zeigen. Die Q1 des ASG begibt sich im Sommer auf Stufenfahrt nach Amsterdam und beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit Anne Frank und den Niederlanden im Zweiten Weltkrieg.
Zwangsarbeit in Plettenberg
Stadtarchivarin Alexandra Haber hat zum Holocaust-Gedenktag einen Text verfasst, in dem sie das Thema „Zwangsarbeit in Plettenberg“ aufarbeitet:
Stellen Sie sich vor, Ihre Söhne und Brüder sind kaum 17 Jahre alt und werden plötzlich als Kriegsgefangene von fremden Eroberern entführt. Ja, hier lässt sich durchaus von einer „Entführung“ sprechen. Halbe Kinder werden wie Tiere in Zugwaggons gepfercht und aus ihrer Heimat in der Ukraine an der Grenze zu Russland fortgeschafft, direkt nach Plettenberg.
Dort angekommen, brauchen die Unternehmer der Plettenberger Fabriken und Firmen nur auszuwählen. Der Vergleich mit einer Landwirtschaftsausstellung, wo Vieh dargeboten wird, drängt sich einem unweigerlich auf.
Sind die Jugendlichen dann ihrem neuen „Arbeitgeber“ zugeteilt, ergibt sich für sie ein existenzgefährdendes Problem: die Rassenideologie. Slawische Bevölkerungsgruppen gelten in der nationalsozialistischen Rassenideologie als minderwertig und werden als sogenannte „Untermenschen“ diffamiert. In ihren Augen sind sie zur Ausbeutung und Zwangsarbeit bestimmt. Es wird die Meinung gestreut: „Wenn einer kaputtgeht, kriegen wir bald einen neuen. Wo die herkommen, gibt es genug.“ Worüber wir heute nur noch die Köpfe schütteln können, war vor weniger als hundert Jahren grausame Realität.
Zwang zu körperlicher Schwerstarbeit
Nun waren sie also hier, diese Halberwachsenen aus fernen Ländern, fort von ihren weinenden Müttern und Familien, ohne Aussicht auf ein nahes Wiedersehen. Briefverkehr und das Empfangen von Päckchen oder gar Lebensmitteln war für slawische Gefangene verboten. Durch die Ideologie wie „Untermenschen“ behandelt und zu körperlicher Schwerstarbeit gezwungen, die mit erheblichen gesundheitlichen Risiken für ihre noch nicht ausgewachsenen Körper verbunden war, erhielten sie nur unzureichende Ernährung. Der Mangel an Nährstoffen schwächte sie zusätzlich; Unterernährung und körperlicher Verfall waren weit verbreitet, nicht selten mit tödlichen Folgen.
Einzelne Zwangsarbeiter wurden bisweilen auch in der Landwirtschaft eingesetzt, was im Vergleich zu industriellen Arbeitskommandos mitunter geringfügig bessere Bedingungen bedeuten konnte. Dennoch unterlagen auch die Landwirte einer strengen Kontrolle durch das nationalsozialistische Regime. Selbst bei privaten Arbeitgebern wurde darauf geachtet, dass die Betroffenen sozial strikt ausgegrenzt blieben: Gemeinsame Mahlzeiten mit der deutschen Familie am selben Tisch waren verboten, die Unterbringung und Verpflegung bewusst getrennt und entwürdigend geregelt.
Die Zwangsarbeit stellte auch die heimischen Fabrikarbeiter vor große Herausforderungen, da sie die jungen, unfreiwilligen Mitarbeiter einarbeiten und an die Maschinen heranführen mussten. Die schwere Arbeit durfte nicht unterbrochen werden, weshalb manche Arbeiter den Jugendlichen Brote schmierten, damit sie die Strapazen durchstehen konnten. Zeitzeugenberichte zeigen, dass auch hiesige Fabrikarbeiter mitunter in den jungen Gefangenen das sahen, was wir heute noch auf den alten Fotos erkennen: hungrige Kinder.
Ausgrenzung und Diskriminierung nach Rückkehr in die Heimat
Nach Ende des Krieges kehrten die Überlebenden endlich heim. Doch die erhoffte Rückkehr in Freiheit und Sicherheit blieb vielen verwehrt. Diejenigen, die die Zwangsarbeit überlebt hatten, wurden oft als Kollaborateure stigmatisiert. Arbeitsmarkt und Rentensysteme verschlossen sich ihnen, und sie erfuhren in ihrer Heimat erneut Ausgrenzung und Diskriminierung, obwohl sie völlig unschuldig waren.
Heute denkt kaum noch einer an die „heimatlosen Ungeliebten“, die weder in der Fremde noch in ihrem eigenen Land willkommen waren. Lassen Sie uns daher heute ihrer gedenken und uns daran erinnern, was es bedeutet, Mensch zu sein.
Der Mensch ist von Grund auf gut, heißt es. Damit wir diesen Satz wieder glauben können, möge jeder von uns seinen Teil dazu beitragen und hinter einem unbekannten Gesicht ein Universum an Gefühlen und Geschichten sehen.
Einen ganz einzigartigen und nicht zu ersetzenden Menschen.
So wie Sie und ich.
Quellen: Plettenberger Zwangsarbeiterkartei (Stadtarchiv) & persönlicher Bericht des Plettenbergers Eckardt Brockhaus








