Der Einbruch in eine Gelsenkirchener Bankfilliale, bei dem über 3000 Schließfächer geknackt worden sind, bewegt auch im Nachhinein die Gemüter der Menschen, nicht nur in Gelsenkirchen. LokalDirekt-Volontär Jörn Maximowitz hat recherchiert, wie sich Banken im Volmetal vor Einbrüchen schützen.

Überregionale Nachrichten

Wir betreten den Keller eines regionalen Geldinstitutes. Hinter mehreren verschlossenen Türen stehen wir auf einmal vor dem Tresor. Die türkisfarbene Tür sieht schwer aus, lässt sich von einer Person kaum bewegen. Und doch ist Türkis nicht die Farbe, die wir für eine Tresortür erwartet haben.

Dass Recherchen zu einem solch heiklen Thema nicht einfach werden, war uns von Anfang an klar. Von den meisten Geldinstituten bekommen wir lediglich vorformulierte Presseantworten zurückgeschickt, weitere Auskünfte zu dem Thema möchte man nicht geben. Man möchte Einbrechern möglichst wenig Hinweise geben. Gerade in der aktuellen Situation, die bei vielen Menschen Bedenken zur Sicherheit aufwirft, eine verständliche Reaktion. Auf Nachfrage bekommen wir aber immerhin doch die Möglichkeit, den Tresorraum eines Geldinstitutes zu besichtigen. Bei welchem wir sind, dürfen wir aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Fotos? Ebenfalls verboten, Diskretion wird groß geschrieben.

Begleitet von mehreren Angestellten der Bank dürfen wir einen kurzen Blick in den Tresorraum werfen. Nach fünf Minuten ist die Besichtigung vorbei, wir verlassen die holzvertäfelten Wände rund um die zahlreichen Schließfächer wieder. Fragen zum Thema, die über die formelle Pressemitteilung hinaus gehen, dürfen uns die Bankmitarbeiter nicht beantworten.

Volksbank Kierspe investiert über 100.000 Euro

Die einzige Bank, die sich für ein Gespräch bereit erklärt, ist die Volksbank Kierspe. Betriebsbereichsleiter David Schröck empfängt LokalDirekt in der Hauptstelle an der Friedrich-Ebert-Straße. Er erklärt: "Es gibt verschiedene Sicherungsarten, die man anwendet" und sieht die Volksbank Kierspe als "gut gerüstet." Die Tresorräume werden von zertifizierten Fachbetrieben errichtet und müssen diverse Normen erfüllen. Üblicherweise verfügen sie neben Bewegungsmeldern mit Wärme- und Infraroterkennung, Feuermelder, Wasserstandsmelder auch über Körperschallmelder. Diese sind rund um den Tresorraum verbaut und erkennen Bewegungen in den Wänden, wie sie zum Beispiel beim Bohren oder Meißeln entstehen. Welche von diesen Sensoren in Kierspe verbaut sind möchte Schröck nicht verraten.

Zudem liegt der Tresor im Keller, umgeben von Erdreich. "Bei einem klassischen, freistehenden Bankgebäude ist außenherum nur Erde, da kommt man nicht dran", sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. "So wie in Gelsenkirchen kann es hier nicht ablaufen", stellt er klar.

"So ein Ding knackt man nicht einfach"

Der Tresor selbst hat nur einen Eingang, erklärt Schröck: "Die Tresortür muss vor Bohrung und Explosion geschützt sein." Nach unserer Besichtigung in einer anderen Bank ist klar, dass auch diese vermutlich so dick wie ein Unterarm sein wird.

Zu sehen bekommen wir den Tresor in der Volksbank Kierspe jedoch nicht. Aber Schröck versichert uns: "So ein Ding knackt man nicht einfach so." Auch in Gelsenkirchen seien die Täter schließlich nicht durch die Tür eingedrungen. "Wenn Banken Tresoranlagen neu bauen, dann ist der Zutritt oft nur mit Karte und entsprechender Identifikation möglich", so Schröck weiter. "Bei uns wartet ein Mitarbeiter so lange vor dem Tresor, bis der Kunde fertig ist, um den Kunden danach wieder hoch zu geleiten", erklärt er das Vorgehen der Volksbank Kierspe.

Banken haben massiv aufgerüstet

"Die Banken tun wirklich viel für die Sicherung der Gebäude. Auch durch die Automatensprengungen haben alle Geldinstitute massiv aufgerüstet und richtig investiert", so Schröck und gibt einen offenen Einblick in die Maßnahmen der heimischen Genossenschaft: "Wir haben in den Jahren 2024 und 2025 nochmal über 100.000 Euro in unsere Sicherheitstechnik investiert. Das muss man auch, denn die Ideen der Räuber werden immer kreativer." Hinweise zu neuen Vorgehensweisen von Verbrechern bekommen Banken unter anderem von Versicherern oder Behörden wie dem Landeskriminalamt: "Man merkt, dass sich auch die Polizei diesbezüglich wirklich Gedanken macht."

Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen: "Wir sind gut aufgestellt"

Die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen hatte auf unsere Anfrage übrigens lediglich mit einer standardisierten schriftlichen Antwort reagiert: "Grundsätzlich können wir zu unseren Sicherheitsvorgaben nichts veröffentlichen. Die sicherheitstechnische Ausgestaltung der Tresorräume und Schließfachanlagen wird standortbezogen entschieden. Diese Entscheidungen erfolgen in enger Abstimmung mit Sicherheitsbehörden sowie spezialisierten Fachleuten. Dabei orientiert sich die Sparkasse an modernen kriminaltechnischen und baulichen Sicherheitsanforderungen."

Auf der Vertreterversammlung des Sparkassenzweckverbandes Kierspe-Meinerzhagen sprach Sparkassenvorstand Roman Kappius das Thema vor den anwesenden Mitgliedern des Verbandes trotzdem kurz an: "Wir sind sicherheitstechnisch, wie wir finden, gut aufgestellt." Auf Nachfrage des Versammlungsvorsitzenden, ob die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen auf dem aktuellen Stand ist, antwortete Kappius knapp: "Das ist so."

Volksbank bietet Alternativthema an

Die Volksbank in Südwestfalen bot uns ein Interview zu Betrugsmaschen wie Love Scamming, Phishing und ähnlichen Fällen an. Zum Thema Schließfächer gab es zum Schutz der Kunden aber auch hier aus der Pressestelle lediglich ein allgemein gehaltenes schriftliches Statement: "Die Volksbank in Südwestfalen hat zum Schutz ihrer Schließfächer verschiedene Maßnahmen im Einsatz. Wir nennen ganz bewusst keine sicherheitsrelevanten Daten, wozu detaillierte Standortbeschreibungen und Angaben zur Sicherheitsausstattung zählen. So wollen wir möglichen Nachahmern keine Hinweise geben. Die Sicherheitsvorkehrungen haben sich bewährt. Es ist an unseren Standorten zu keinem vergleichbaren Vorfall wie in Gelsenkirchen gekommen. Die Volksbank unterzieht diese Maßnahmen turnusmäßigen Prüfungen und auch technischen Anpassungen beziehungsweise Aktualisierungen."

Zur Nachfrage nach Schließfächern teilte die Volksbank mit: "Insgesamt liegt die Zahl aller Schließfächer bei knapp 7000. Davon sind rund zwei Drittel vermietet – das Angebot wird also gerne nachgefragt."

Sparkasse an Volme und Ruhr gibt Verhaltenstipps

Auch bei der Sparkasse an Volme und Ruhr erhalten wir auf unsere Fragen keine genaueren Informationen: "Aus Sicherheitsgründen werden wir zu diesem Thema keine darüber hinausgehenden Infos zur Verfügung stellen", so das schriftliche Statement. Auch zum Thema Schließfächer mochte sich die Sparkasse an Volme und Ruhr nicht weiter äußern, ging dagegen eher auf die Verhaltensregeln für Mieter von Bankschließfächern ein.

Banken sind auf der Hut

Die Recherchen zeigen, dass alle Banken in der Region auf der Hut sind. Sie wollen möglichen Verbrechern so wenig Hilfe wie möglich geben, daher ist die Zurückhaltung, sich öffentlich zu solchen Sicherheitsmaßnahmen zu äußern, verständlich.

Die Zahl der Einbrüche in Banken ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Gab es 2012 bundesweit noch 202 Einbrüche in Banken, waren es 2021 noch 28 Fälle — eine Abnahme von beinahe 90 Prozent in weniger als zehn Jahren. Trotzdem hieß es nicht nur im Gespräch mit Schröck, sondern auch in mehreren Antworten auf unsere Presseanfrage: "Vollständige Sicherheit gibt es nicht."