Im digitalen Raum dringen oft ungebetene Fremde in die Privatsphäre ein, häufig mit schädlichen Absichten. Aus diesem Anlass lud Elvira Wiegand, Schulsozialarbeiterin der Stadt Halver, gemeinsam mit den Halveraner Schulen und der Polizei des Märkischen Kreises am Dienstag, 30. Juni, interessierte Eltern zu einem Informationsabend über Medienprävention in die Aula der Humboldtschule ein.

Konfrontation mit den Schattenseiten des Internets

Selbstverletzung, Rechtsextremismus und pornografische Inhalte — die angesprochenen Themen sorgten auch bei den Teilnehmenden kurzfristig für deutliche Betroffenheit. Kinder und Jugendliche waren aus diesem Grund nicht zum Vortrag eingeladen, da Kriminalhauptkommissarin Anke Wortmann unzensiert auch sehr problematische Inhalte thematisierte.

Die Frau mit lockigem Haar spricht vor einem Publikum und gestikuliert dabei. Im Hintergrund ist eine Präsentation mit der Frage „Eltern?“ und stilisierten Figuren von Familien zu sehen.
Anke Wortmann von der Kreispolizeibehörde des Märkischen Kreises berichtete in der Aula der Humboldtschule über Gefahren im Internet für Kinder und Jugendliche.
Foto: Jung

Die Veranstaltung richtete sich an Eltern von Grundschulkindern sowie von Schülern der weiterführenden Schulen. Ebenso waren Lehrkräfte eingeladen, um Einblicke in mögliche Gefahren im Netz zu erhalten und zugleich praktische Hinweise für den Umgang mit digitalen Medien mitzunehmen.

Zwischen Gruppenzwang, Kettenbriefen und Online-Erpressung

Dass das Internet ein gefährlicher Ort sein kann, war den meisten Eltern im Vorfeld sicherlich bewusst. Nicht ohne Grund kamen am Dienstagabend zahlreiche Besucher zur Humboldtschule, um sich über dieses sensible Thema zu informieren. Doch die ungefilterten Schilderungen von Anke Wortmann ließen auch das Publikum nicht unberührt.

Wortmann berichtete von zahlreichen belastenden Fällen, die sich nach ihren Angaben täglich im Netz abspielen. Sie schilderte Vorfälle auf Plattformen wie "OmeTV" oder "Chatroulette", bei denen Nutzer ungefragt mit unangemessenen sexuellen Darstellungen konfrontiert werden. Zudem spricht sie über Fälle, in denen sich junge Menschen aus Gruppenzwang heraus selbst verletzen oder sich die Namen gewaltbereiter Online-Communities in die Haut ritzen.

Ein weiteres Thema waren sogenannte Horror-Kettenbriefe, in denen gedroht wird, etwa durch das Weiterleiten an eine bestimmte Anzahl von Kontakten schlimme Konsequenzen zu verhindern.

Darüber hinaus ging sie auf eine neue Problematik im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz ein: Immer häufiger, so Wortmann, komme es zu Fällen, in denen (kinder-)pornografische Inhalte mithilfe von KI erstellt werden, die anschließend auch zur Erpressung oder zum Druck auf Betroffene genutzt werden können.

Was können Eltern tun?

In erster Linie sei es Aufgabe der Eltern, ihre Kinder digital zu erziehen, so Wortmann. „Wir als Eltern haben eine Aufsichtspflicht. Wir müssen regelmäßig mit unseren Kindern über Online-Aktivitäten sprechen und eingreifen, wenn man merkt, dass etwas schiefläuft. Zeigen Sie Interesse an Ihren Kindern, ohne über sie zu urteilen", appelliert sie an das Publikum.

Eltern sollten sich ebenfalls die Frage stellen, ob es wirklich nötig sei, ihren Kindern bereits in jungen Jahren ein Smartphone zu schenken — oder ob Kinder nicht zunächst einfach Kinder bleiben sollten.

Das Bild zeigt eine große Gruppe von Menschen, die in einem hellen Raum auf gelben Sitzen sitzen und aufmerksam zuhören. Im Hintergrund hängen bunte Poster.
Die Informationsveranstaltung zum Thema Medienprävention stieß am Dienstagabend auf großes Interesse bei den Eltern.
Foto: Jung

Anke Wortmann wies am Ende der Veranstaltung auf zahlreiche Webseiten hin, die Eltern dabei unterstützen können, die Medienkompetenz ihrer Kinder zu stärken. Hilfreiche Angebote sind unter anderem: