36 Grad, schwüle Luft, überhitzte Innenräume und Ventilatoren als „Lebensretter“: Die Hitzeperiode der vergangenen Woche trieb einige Menschen an ihre Grenzen. Und nach einer kurzen „Hitzepause“ soll es schon bald wieder deutlich wärmer werden. Die Stadt Lüdenscheid ergriff dazu Initiative und veranstaltete am Mittwoch, 1. Juli, einen Hitzaktionstag, um Bürger über wichtige Verhaltensregeln an heißen Tagen aufzuklären.

Die hohen Temperaturen der letzten Tage machten einigen Leuten zu schaffen. Überfüllte Talsperren und Badeseen oder leergekaufte Regale, die einst mit Klimaanlagen und Ventilatoren gefüllt waren, wiesen auf einen wärmebedingten Ausnahmezustand hin.

Ältere Personen, Vorerkrankte sowie Kinder und Säuglinge sind bei hohen Temperaturen besonders gefährdet. Der Hitzeaktionstag sollte insbesondere gefährdete Personen sowie alle anderen Betroffenen über die Gefahren und Risiken aufklären und wichtige Tipps zum Hitzeschutz und Verhalten bei diesen Temperaturen geben.

Dazu standen am Mittwoch die Feuerwehr in Kooperation mit dem internationalen Katastrophenschutz „@fire“, die Stadt Lüdenscheid und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auf dem Sternplatz mit ihren jeweiligen Ständen zur Aufklärung bereit.

Vom Hitzeaktionsplan zum Hitzeaktionstag

Der Hitzeaktionstag fand in diesem Jahr zwar zum ersten Mal statt. Doch bereits im vergangenen Jahr gab es einen Hitzeaktionsplan, der verschiedene Maßnahmen zum Schutz vor Hitze beinhaltete.

Um diese Maßnahmen weiter zu verbreiten und so die Bürger vor schlimmen Folgen wie zum Beispiel einem Hitzschlag zu schützen, veranstaltete die Stadt nicht nur diesen Aktionstag, sondern verteilte auch das „Handbuch Hitze“ oder alternativ für Kinder das Kinderbuch „Onkel Willi & Felix ist heiß“.

Zwei Frauen stehen vor einer Infostelle mit Plakaten und Broschüren zum Thema Hitzeschutz. Die Frau links hält ein Handbuch, die rechte ein Kinderbuch.
Lea Schnippering und Lisa Fendler vom Klimaschutz der Stadt Lüdencheid mit dem „Handbuch Hitze“ und dem Kinderbuch „Onkel Willi & Felix ist heiß“.
Foto: Warmuth

In den Büchern finden sich nicht nur Informationen über Hitzegrundlagen, sie klären auch darüber auf, wie Hitzewarnungen des Wetterdienstes zu verstehen sind und wie sich Überhitzung erkennen lässt. Außerdem betonen sie die Wichtigkeit des Sonnenschutzes, enthalten Verhaltenstipps bei Hitze, sowohl zuhause als auch auf der Arbeit, und nennen wichtige Adressen für die verschiedensten „Hitzesituationen“.

Leckere Getränke und Glücksradspiele zur Aufklärung

Besonders wichtig an heißen Tagen: ausreichend Wasser trinken. Wie dieses schmackhafter gemacht werden kann, zeigten Susanne Löffler und Anja Weber von der Sozialplanung der Stadt Lüdenscheid an ihrem Stand.
Ob Mango-Basilikum, Himbeer-Rosmarin, Apfel-Zimt, Heidelbeer-Zitrone oder andere Variationen: Die Bürger nahmen das kostenlose Wasser dankend an und probierten sich freudig durch die verschiedenen Sorten. „Wir möchten erreichen, dass die Leute gerne mehr trinken“, erklärte Anja Weber.

Und auch am Nachbarstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen freuten sich interessierte Bürger, denn hier gab es nicht nur Tipps zum effektiven Hitzeschutz, sondern auch ein Glücksrad, an dem es unterschiedliche Preise zu gewinnen gab.

Als eine ältere Dame freudig daran drehte, stoppte es bei der Frage: „Ist es effektiver, einen Sonnenschutz von innen oder außen anzubringen?“ — „Ja, von außen“, antwortete die Dame und beantwortete daraufhin noch weitere Fragen richtig. Helge Pfingst, Energieberater der Verbraucherzentrale, zückte bereitwillig seine Geschenkkiste. Der Preis: ein Fächer und Traubenzucker.

Ein Mann steht lächelnd hinter einem gelben Tisch mit einem Glücksrad und hält einen roten Fächer in der Hand. Im Hintergrund sind Gebäude und ein roter Feuerwehrauto zu sehen.
Helge Pfingst von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gab an seinem Glücksrad wichtige Tipps, um kühl zu bleiben.
Foto: Warmuth

Auch für neugierige kleine Kinder gab es, zwar ohne Befragung, Geschenke: Ein Luftballon brachte einen kleinen Jungen am Mittwochmorgen zum Strahlen. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie interessiert die Bürger sind. Einige sind bereits gut informiert, die kennen die besten Tipps zum Kühlbleiben schon“, berichtet der Energieberater.

Unachtsamkeit führt zu Waldbränden

Doch Hitzeperioden bringen nicht nur Gefahren für den menschlichen Körper mit sich, auch Waldbrände werden dann zu einem großen Thema. Der Boden trocknet aus und selbst ein aufgerauchter, nur noch leicht glühender Zigarettenstümmel reicht aus, um ein großflächiges Feuer auszulösen.

„90 bis 95 Prozent der Waldbrandursachen sind tatsächlich Menschen geschuldet“, Berichtet Sven Dunkel von der Feuerwehr Lüdenscheid. „In den meisten Fällen geschieden das zwar nicht absichtlich, es ist jedoch trotzdem meistens einfach zu vermeiden“, ergänzt er. So könne beispielsweise auch das Parken eines Autos auf der Wiese zu einem Brand führen, wenn heiße Katalysatoren oder Auspuffanlagen das trockene Gras entzünden. Glasflaschen, die liegen gelassen oder vergessen werden, bergen ein ebenso großes Risiko, da das Glas wie eine Linse wirken und so trockenes Material entzünden kann.

Infografik zur Waldbrandprävention zeigt die häufigsten Ursachen und deren prozentuale Verteilung, darunter menschliche Ursachen wie Zigaretten und offenes Feuer sowie natürliche Ursachen wie Blitzeinschlag.
Waldbrandprävention: Die Feuerwehr appeliert an Vorsicht.
Foto: Warmuth

Dunkel appelliert an mehr Vorsicht in diesen heißen beziehungsweise trockenen Zeiten: „Besonders wichtig ist es auch, Zugänge für Rettungsfahrzeuge frei zu halten, damit wir, wenn doch mal etwas passiert, zügig durchkommen.“ Während der letzten Hitzewelle hätten sich die Brände glücklicherweise in Grenzen gehalten. Städte wie beispielsweise Werdohl mussten allerdings öfter angefahren werden.

Anders sieht es in Bundesländern aus. Sean Micke von dem internationalen Katastrophenschutz „@fire“ berichtet: „In NRW war nicht allzu viel los. Brandenburg war dagegen schon eine andere Hausnummer.“

Sean Micke vom internationalen Katastrophenschutz steht vor einem roten Feuerwehrauto und hält ein Plakat mit der Aufschrift „Waldbrand verhindern!“ in die Kamera.
Sean Micke vom internationalen Katastrophenschutz „@fire“.
Foto: Warmuth

Weiter erläutert Micke die Wichtigkeit zur Sensibilisierung und Bekämpfung solcher vermeidbarer Fehler — selbst wenn es weniger heiß draußen ist: „Der Dreck unter meinen Fingernägeln ist noch von einem Waldbrand gestern.“

Nachdem um 14 Uhr die Informationsstände schlossen, begann um 17 Uhr im Rathaus der Informationsabend mit Vorträgen und einem Austausch über Hitze und Klimafolgen.

Der Aktionstag am Mittwoch soll nicht der letzte gewesen sein: Laut Lea Schnippering, der Klimaschutzbeauftragten der Stadt Lüdenscheid, sind weitere Hitzeaktionstage im Gespräch, die voraussichtlich regelmäßig, das heißt jährlich oder eventuell auch alle zwei Jahre, zum Sommer wiederholt werden.

„Bei den Temperaturen der letzten Tage haben wir gemerkt, dass das Ausmaße sind, unter denen auch wir als eigentlich Nichtgefährdete leiden“, ergänzt Lisa Flendler, ebenfalls vom Klimaschutz der Stadt Lüdenscheid. „Und diese Zustände werden in den nächsten Jahren sicher nicht weniger werden“, unterstreicht Schnippering die Wichtigkeit einer solchen Aufklärungsaktion.