Wie kann der Märkische Kreis auch künftig ein starker Wirtschaftsstandort bleiben, wenn verfügbare Gewerbeflächen immer knapper werden? Diese Frage stand am Dienstag, 20. Januar, im Mittelpunkt einer Fachveranstaltung im Alten Casino am Sauerlandpark in Hemer.
Flächenknappheit als Standortfrage
Unter dem Titel „Wirtschaft braucht Raum“ diskutierten Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft über neue Wege der Gewerbeflächenentwicklung.
Schon zu Beginn machte Landrat Ralf Schwarzkopf deutlich, dass es beim Thema Gewerbeflächen längst um mehr geht als um freie Quadratmeter. Der Märkische Kreis sei stark industriell geprägt, gleichzeitig schrumpften die kommunalen Flächenreserven. Hinzu komme, dass ein Teil der in Statistiken geführten Flächen kurzfristig nicht nutzbar sei. Gerade der Mittelstand brauche jedoch Planungssicherheit für Investitionen und den notwendigen Wandel. „Verzicht auf Entwicklung ist keine Lösung“, betonte Schwarzkopf und warb für transparente Entscheidungen mit klaren Prioritäten.
Kooperation als Schlüssel
Einen weiteren Akzent setzte Daniel Sieveke, Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung. Er verwies auf die industrielle Stärke der Region und warb für mehr Selbstbewusstsein der Region, die „zu den industriestärksten Räumen Europas gehört“. Zugleich machte er deutlich, dass neue Lösungen nur gemeinsam entstehen könnten – durch Kooperationen zwischen Kommunen, Verwaltung, Unternehmen, Bezirksregierung und Land.
Zahlen, Zeit und Realität
Wie komplex die Situation ist, zeigte Dominik Geyer von der Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen: Der Bedarf an Gewerbeflächen stehe einer begrenzten Verfügbarkeit gegenüber, während Planungsprozesse oft mehr als zehn Jahre in Anspruch nähmen. Neben maßvollen Neuausweisungen rücke daher die Entwicklung bestehender Flächen stärker in den Fokus, etwa durch Nachverdichtung, Reaktivierung von Brachen und ein aktiveres Bodenmanagement der Kommunen.
Konkrete Zahlen lieferte Marcel Krings von der Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung (GWS) im Märkischen Kreis. Seit 2014 seien 132,2 Hektar verkauft worden, überwiegend an Industrie- und Gewerbebetriebe. Der kurzfristig verfügbare kommunale Flächenvorrat sei jedoch bis Ende 2025 auf 50,4 Hektar gesunken. Brachflächen böten zwar Potenzial, seien aber nicht automatisch schnell nutzbar: „Flächenrecycling ist sinnvoll, aber oft mit erheblichen Hürden verbunden“, sagte Krings.
Die Aktualisierung des Regionalplans Südwestfalen stand im Mittelpunkt des Vortrags von Frank Bendig von der SIHK zu Hagen. Er warb für ein Gesamtkonzept, das den Kommunen mehr Handlungsspielraum eröffnet und gleichzeitig die Bedarfe nachvollziehbar abbildet. Ziel müsse es sein, regionale Entwicklung strategisch zu steuern, ohne die Kommunen in zu enge Grenzen zu zwingen.
Gemeinsam entwickeln statt konkurrieren
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf interkommunalen Projekten. Vertreter der Städte Hemer und Iserlohn berichteten, dass beide Kommunen zunächst auf Optimierungen im Bestand setzen, langfristig aber auch neue Flächen benötigen. Ein Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit ist das Gewerbegebiet Landhausen, das Hemer und Iserlohn gemeinsam entwickeln möchten.
Dass Kooperation auch in größeren Strukturen funktionieren kann, zeigte Jochen Schröder (GWS) am Märkischen Gewerbepark Rosmart, getragen von den Städten Altena, Lüdenscheid und Werdohl, sowie dem Gewerbegebiet Grünewald von den Kommunen Kierspe und Meinerzhagen: „Die Erfahrungen aus der Entwicklung machen deutlich, wie wichtig abgestimmte Prozesse, klare Zuständigkeiten und ein langer Atem sind.“
Wachsende Konkurrenz um Flächen
In der abschließenden Podiumsdiskussion mit Ralf Geruschkat (Hauptgeschäftsführer SIHK zu Hagen), Christian Schweitzer (Bürgermeister Hemer), Michael Joithe (Bürgermeister Iserlohn), Engelbert Schulte (Geschäftsführender Gesellschafter Schulte Verpackungs Systeme, Hemer) und Dominik Geyer wurde klar, dass der Druck weiter zunimmt.
Unternehmer Engelbert Schulte machte deutlich, dass Wachstum und Transformation ohne zusätzliche Flächen kaum möglich seien. Er verwies darauf, dass er vor 20 Jahren nach Hemer gewechselt sei, da es dort geeignete Flächen gab - gleichzeitig skizzierte er den nächsten Schritt seines Unternehmens in Richtung Kreislaufwirtschaft: „Dafür wird erneut Raum benötigt.“
Ralf Geruschkat betonte, dass die Flächennachfrage längst nicht mehr nur aus der Industrie kommt, sondern auch aus den Bereichen Energieinfrastruktur, Rechenzentren und weiteren Standortbedarfen. Weil diese Nutzungen zunehmend konkurrieren, werde der Flächenbedarf eher wachsen als schrumpfen. „Deshalb führt kein Weg daran vorbei, jetzt gezielt neue Entwicklungsspielräume für geeignete Flächen zu identifizieren“, sagte Geruschkat.
Die Veranstaltung zeigte damit eindeutig, dass die Gewerbeflächenentwicklung im Märkischen Kreis längst zu einer strategischen Zukunftsfrage geworden ist. „Entscheidend wird sein, Bestandspotenziale konsequent zu nutzen, neue Entwicklungen realistisch vorzubereiten und interkommunale Lösungen weiter auszubauen, damit die Region auch künftig ein leistungsfähiger Wirtschaftsstandort bleibt“, waren sich alle Teilnehmenden einig.









