100 Jahre Ländlicher Reit- und Fahrverein Kierspe: Kurz vor dem großen Festakt hat sich LokalDirekt mit der Vorsitzenden Kristina Schatz getroffen und auf die Geschichte des größten Reitvereins im Volmetal zurückgeblickt.
Unterricht hat lange Tradition
Auf der vereinseigenen Reitanlage in Kierspe-Hohenholten stehen insgesamt 33 Pferde. Ein Großteil davon gehört den Vereinsmitgliedern, vier direkt dem Verein. "Was uns auszeichnet ist, dass wir eigene Schulpferde haben", sagt Kristina Schatz. Auf diesen lernen Anfänger nach den Grundreitaufgaben Springreiten, Dressur und Voltigieren.
Der Reitunterricht hat eine lange Tradition in dem am 18. Dezember 1926 gegründeten Verein. Der erste Vorsitzende war Hugo Vollmann, sein Stellvertreter Fritz Plate. Ernst Ackermann und Walter Vollmann komplettierten den Gründungsvorstand. Bereits wenige Wochen nach der Gründung erteilte Karl Düssel erstmals auf einem ehemaligen Sportplatz Reitunterricht im Namen des Vereins. Dieser zählte bei Gründung zwölf Mitglieder, überwiegend Landwirte aus der Region.
Unterbrechung während des Weltkrieges
1932 verstirbt der Vorsitzende Hugo Vollmann. Auf ihn folgt am 8. März 1932 Herbert Vollmann. Rund ein Jahr später, am 27. April 1933, findet die letzte Sitzung vor der längsten Unterbrechung der Vereinsgeschichte statt: Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird der Verein aufgelöst und als "Reitersturm 1/131 Kierspe/Meinerzhagen" in die Schutzabteilung der SS integriert. Von dieser Zeit erholt sich der Verein erst 1953 vollständig, als mit Robert Böllinghaus ein neuer Vorsitzender gewählt wurde.
1956 schlug der Verein ein neues Kapitel auf. "Wir waren die ersten im Kreisgebiet des ehemaligen Kreises Altena, die eine Reithalle gebaut haben", schildert Schatz mit Blick in die Vergangenheit. In Eigenleistung wurde in der Höherstraße eine Reithalle errichtet. Diese blieb mehr als 20 Jahre das Domizil des Vereins, der inzwischen auf rund 120 Mitglieder angewachsen war.
Der Standort Hohenholten
Das Vorstandsamt ging 1967 an Willi Rothstein, nachdem zwei Jahre lang Karl Winter die Geschicke des Vereins geleitet hat. In die beinahe 25-jährige Amtszeit von Rothstein fiel auch der Entschluss, am jetzigen Standort in Hohenholten eine neue Reithalle zu bauen. Am 1. April 1978 war Grundsteinlegung, bereits am 7. Juli des selben Jahres feierten die Vereinsmitglieder das Richtfest. Zu diesem Zeitpunkt hat der Verein bereits mehr als 100 Reitschüler.
Neue Reithalle mit moderner Umgebung
Die Halle misst heutzutage 60x20 Meter. An der Stirnwand befinden sich ein Casino und Sozialräume. In mehreren Nebengebäuden sind Stallungen und Lagerflächen untergebracht. Hinter der Reithalle schließt sich ein Spring- und Dressurplatz sowie zahlreiche Weiden und Paddocks an.
Die Stallungen wurden fortlaufend modernisiert. "Heute hat so gut wie jede Box ein Fenster", gibt Schatz Einblick in die ehrenamtliche Arbeit. Denn der Verein wird komplett ehrenamtlich getragen. Anders als bei manchen Vereinen ist kein Landwirt beteiligt. Doch dieses freiwillige Engagement zahlt sich aus: Mit Meike Diwald-Räbsch zum Beispiel kommt eine Teilnehmerin an den deutschen Meisterschaften aus der Raukstadt.
Aktuell 250 Mitglieder
Ab 1991 hatte mit Thomas Vollmann wieder die Familie des Gründervaters "den Hut auf", nachdem Willi Rothstein zurücktrat. Auch heute noch ist der Vorstand des Vereins gut durchmischt, erklärt Schatz: "Wir haben Vorstandsmitglieder, die viele Jahre auf ihrer Position sitzen und wir haben Vorstandmitglieder, die relativ neu dabei sind." Neben dem Vorstand gehören aktuell rund 250 Mitglieder zum Verein.
Gemeinsam mit geladenen Gästen möchte der Reit- und Fahrverein in einer Feierstunde auf die vergangenen 100 Jahre zurückblicken. Neben Vereinsmitgliedern sind auch befreundete Vereine und Vertreter aus Politik und Gewerbe zum Festakt eingeladen. Einen besonderen Dank richtet Schatz an die Volksbank Kierspe und die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen, die beide mit einer Spende den Abend möglich machen.








