Die Situation ist unbefriedigend für alle Seiten. Die einen würden gerne transparent und offen erklären, die anderen hätten gerne Antworten auf ihre Fragen. Fest steht zumindest schon, dass das Minus nicht ganz so groß ist, wie ursprünglich in der Präsentation angegeben. Dort war die Rede von einem Minus von 304.180 Euro. Das Defizit beläuft sich nach jetzigem Stand 2024 jedoch „nur“ auf 262.570 Euro und ist damit immer noch deutlich höher als 2023 (166.530 Euro).
Wie undurchsichtig das Ganze war, wurde beispielsweise am Punkt Personalkosten deutlich. Vorab: Gemeindepädagogen und Pfarrer werden nicht aus diesem angegebenen Topf bezahlt. Bleiben Küster, Hausmeister und Gemeindesekretärinnen. Allerdings sind es 2024 schon weniger Angestellte als noch 2023, und noch dazu langjährige, also vermutlich teurere Mitarbeiter weniger. Unter anderem fällt mit Angelika Kilsch eine Küsterin weg und auch die Kantorenstelle ist nicht besetzt. Die Kosten in diesem Bereich steigen allerdings trotzdem um 37.500 Euro. „Zum Bereich Personalkosten kann ich schon einmal sagen, dass die Steigerung vor allem durch eine Tariferhöhung kommt“, erklärt Gemeindepädagogin Nina Wetzstein. Um zehn Prozent werden die Gehälter in diesem Jahr steigen. Klingt für den Außenstehenden trotzdem noch nach zu viel Geld. „Das sind alle Personalkosten, die irgendwie anfallen, die man vielleicht im ersten Moment nicht sieht: Gärtner, Gartendienste und Co. fallen alle darunter“, sagt Nina Wetzstein und verweist bei der Rückfrage, dass Gartendienste keine Personalkosten, sondern eher Sach- und Dienstleistungen sind, noch einmal auf Olivia Steinhelfer, Gemeindemanagerin vom Kreiskirchenamt, die für die Zahlen verantwortlich ist.
Olivia Steinhelfer hatte sich im Gespräch mit LokalDirekt bereits entschuldigt, dass es ihr nicht gelungen sei, die Zahlen transparent und verständlich zu präsentieren. Allerdings sei sie auch erst seit Januar diesen Jahres in der Gemeinde aktiv – und nicht wie in ihrer Präsentation beim Informationsabend geschrieben seit 2023. Ihr fehlen also noch einige Zusammenhänge. Sie habe aber bereits die Antworten auf die LokalDirekt-Anfragen erstellt, benötige jedoch noch die Freigabe, erklärte sie bereits am Donnerstag, 15. Februar.
Folgende Fragen wurden gestellt:
- Warum steigen die Erträge aus kirchlicher und diakonischer Arbeit?
- Diese Zuwendungen, wie funktioniert das genau und wie kommt genau dieser riesen Betrag zu stande?
- Warum rechnen Sie mit 13.000 Euro Zuwachs bei Zuschuss von Dritten?
- Warum rechnen Sie mit 2000 Euro Zuwachs bei Kollekte und Spende bei der deutlich schlechteren Wirtschaftssituation?
- Warum rechnen Sie mit 26.000 Euro Erträge aus der Auflösung von Sonderkosten? Wird irgendetwas verkauft?
- Letztlich sinken die Erlöse um 60.000 Euro, das ist in Anbetracht der Gesamterlöse von 935.000 Euro nicht wirklich signifikant. Das ist ein Umsatzrückgang von sechs Prozent. Ist das nicht eher eine normale wirtschaftliche Schwankung?
- Die Kosten steigen um 77.500 Euro, während gleichzeitig 60.000 bei den Einnahmen fehlen. Dann beträgt der Unterschied zu 2023 137.500 Euro. Sind dann nicht eher die gestiegenen Kosten das Problem? Woher kommen die Kosten?
- Personal ist da natürlich ein Thema. Es geht da deutlich hoch. Warum? Es sind doch gar nicht mehr Menschen? 37.500 Euro steigen die Kosten obwohl ja eigentlich sogar Personal abgebaut wurde. Das ist ja mehr als die Hälfte der Kostensteigerung.
- 14.000 Euro Steigerung bei Sach- und Dienstaufwendungen: Vom einfachen Denken her, würde man doch davon ausgehen, dass Synergien gerade in diesem Punkt eher sparend wirken. Wo kommt das her?
- Abschreibungen: es gibt eine Steigerung von 35.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Was ist das denn? Eine Sonderabschreibung? Wird irgendetwas aufgelöst? Die Summe ist ja ziemlich hoch und damit auch wieder klar den gestiegenen Kosten zuzuordnen. Die Abschreibungen, die dieses Jahr on top kommen, sind also 60 Prozent von den gesamten Abschreibungen aus 2023?
- 304.000 Euro werden der Gemeinde dieses Jahr wohl fehlen. Der Betrag hat sich also fast verdoppelt. Richtig?
Am Samstag, 17. Februar, kam um 21 Uhr die Nachricht: „Vielen Dank für Ihre konstruktive Kritik. Wir nehmen sie sehr ernst und haben beschlossen, die entsprechenden Zahlen sowie die dazugehörigen Erklärungen eigenständig zu veröffentlichen, um volle Transparenz zu gewährleisten.“ Auf die heutige Nachfrage, wann diese Veröffentlichung kommt und was damit gemeint ist, erklärt Nina Wetzstein: „Wir werden das für alle zugänglich und verständlich auf unserer Internetseite machen. Wann, kann ich nicht sagen.“ Das Problem liege beim Kreiskirchenamt. Man warte weiterhin auf Rückmeldungen.
Update, 21. Februar, 17 Uhr:
Nina Wetzstein berichtet, dass die Erklärungen am morgigen Donnerstag oder Freitag veröffentlich werden sollen.
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