Ein Pfarrer, eine Pfarrerin oder eine Gemeindepädagogin sind Fachkräfte. Und im Fall des neuen interprofessionellen Pastoralteams (IPT) der evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Mark richtig motiviert und offensichtlich auch gut. Sie wollen etwas bewegen. Die Ideen und neuen Projekte sprudeln nur so aus ihnen heraus. Verkündigung und Seelsorge haben wieder ein Gesicht bekommen. Aber: Pfarrer und Pfarrerin sowie Gemeindepädagoginnen sind keine Buchhalter, auch wenn das gewiss in Grundzügen Teil ihrer Ausbildung war. Sie haben ihren Beruf gewählt, um mit Menschen zu arbeiten, nicht mit Zahlen. Umso besser ist die Initiative eine Gemeindemanagerin zu beschäftigen. Der Grundgedanke, dass sich das IPT auf das konzentrieren kann, was es mit Leidenschaft macht, ist super. Es ist wichtig, dass gerade in dieser Zeit des Aufbaus alle verfügbare Kraft und Zeit in die Gemeindearbeit gesteckt wird. Nur so, kann es mit der neuen Gemeinde rein inhaltlich funktionieren – und letztlich ist es das, was die Menschen interessiert.
Natürlich müssen IPTler auch wissen, wie es um die Finanzen steht, müssen die Grundzüge verstehen und erklären können. Und auch der Bevollmächtigtenausschuss, der die neue Gemeinde gegründet hat und bis zur Presbyteriumswahl leiten wird, muss das wissen. Allerdings wurde im Rahmen der Informationsveranstaltung eines deutlich: Das ist nicht so. Auch in den Führungsreihen gibt es Fragen. Es bestand noch keine Zeit, die Zahlen eingehend zu studieren und zu verstehen. Der Haushalt kam zu spät. Die Entschuldigung, dass ein Mitarbeiter beim Kreiskirchenamt für die Haushalte von 18 Gemeinden zuständig ist, darf nicht gelten. Hier geht es um Existenzen, um Gemeinden, um unzählige Gemeindemitglieder. Gemeindemitglieder, die mit Aktionen wie der Doch-Nicht-Einstellung einer Kantorin noch mehr zweifeln.
Der Glaube an die evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde Mark steht auf einem äußerst wackeligen Fundament. Nicht wenige engagierte Gemeindemitglieder haben sich bereits abgewandt – eben weil im Fusionsprozess an vielen Stellen zu viel geschwiegen wurde. Jetzt wird wieder geschwiegen und wieder bleiben wichtige Gemeindemitglieder mit ihrem Vertrauen auf der Strecke. Zahlen zu erklären, dürfte kein Hexenwerk sein. Es ist an der Zeit, diese zu erläutern. Es müssen keine Gehälter offen gelegt werden oder Portokosten aufgezählt werden. Aber grundlegende Positionen sind erklärungsbedürftig. Fragen sind legitim, sie zeigen, dass den Menschen ihre Gemeinde nicht egal ist.
Aber auch die Gemeindemitglieder sind gefragt. Fragen müssen gestellt werden. Und wenn die Antwort nicht befriedigend ist, müssen sie erneut gestellt werden. Es gilt für die neue Gemeinde zu kämpfen. Gleichzeitig dürfen IPT und Bevollmächtigtenausschuss nicht müde werden, zu antworten. Und manchmal ist ein ehrliches: „Es tut mir leid, ich kann diese Frage wirklich nicht beantworten“ besser als keine Antwort. Und ein „das sind Interna, verstehen Sie bitte, dass wir darüber nicht sprechen können“, besser als eine Antwort, die weitere Fragen aufwirft. Das IPT ist überwiegend jung. Sie müssen die Chance bekommen, zu wachsen. Es werden gewiss Fehler gemacht. Eine neue Gemeinde, mit drei Standorten, unterschiedlichen Geschichten und Menschen ist eine riesige Herausforderung. Aber wenn die Gemeinde nicht aufhört zu fragen, und die Verantwortlichen nicht aufhören ehrlich und zu antworten, dann wird das Fundament im gemeinsamen – manchmal auch kontroversen – Dialog steinhart und unerschütterlich.
Und das Kreiskirchenamt? Das muss dringend seine Hausaufgaben machen. Diese Gemeinde wurde als Pilotprojekt auf die Beine gestellt. Sie darf nicht darunter leiden, dass sie sich auf diesen Prozess als erstes eingelassen hat. Diese Gemeinde braucht alle erdenkliche Unterstützung – eben auch im vertrauensvollen und direkten Dialog. Es ist nicht die Zeit für starre Sturkuren und fehlende personelle Ressourcen. Soll dieses Projekt ein Erfolg mit Strahlkraft werden, müssen jetzt die Ärmel hochgekrempelt werden. Werden die Verantwortlichen in der Schwebe gehalten, verlieren sie schlussendlich die Motivation. Zu viel Kritik und Unmut wird auf den jungen Schultern abgeladen. Das ist nicht nur unfair, sondern auch unnötig und schwächt die, die Gemeinde aktuell am meisten braucht – die Gesichter der Seelsorge und Verkündigung.
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