Vom gehänselten Schüler Jürgen Udo Bockelmann zum internationalen Star. Zwei Stunden lang hangelten sich Dario Weberg (Gesang) und Martin Brödemann (Piano) durch die Biografie von Udo Jürgens. Zum Konzertabend „Merci, Udo Jürgens“ hatten der KuK-Verein und der Lions Club Meinerzhagen-Kierspe eingeladen.
Der nachfolgende Beitrag spiegelt die persönliche Einschätzung des Autors wider.
Das Ambiente in der Aula des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen (EGM): stilvoll. Dezente Beleuchtung, schwarzer Flügel, Akteure in noblem Schwarz und im Hintergrund ein großes Porträt eines wirklich großen Künstlers. Statt eines Songs gab es aber erstmal ein biografisches Intro.
Der Lebenslauf des Musikers, Texters, Komponisten, Sängers, Pianisten und Gewinners des Grand Prix Eurovision de la Chanson (1966) war für Dario Weberg der rote Faden. Dieser Chronologie folgend, streute er die Songs ein. Über „Merci Chérie“, das Siegerlied zum Auftakt, ging es über „17 Jahr, blondes Haar“ zu „Der Teufel hat den Schnaps“ gemacht, mit dem Udo Jürgens offenbar autobiografische Aspekte verarbeitet haben soll.
Angeblich, erfuhren die 200 Besucher im EGM, habe der Künstler zeitweise zwei Flaschen Wodka pro Tag konsumiert. Ein Beleg dafür findet sich bei einer Internet-Recherche allerdings nicht. Weiter ging es mit sozialkritischen Liedern wie „Ehrenwertes Haus“, „Griechischer Wein“ oder „Liebe ohne Leiden“, das Jürgens im Duett mit seiner Tochter Jenny als späte Wiedergutmachung für versäumte Vaterpflichten gesungen hatte.
Von „Ich war noch niemals in New York“, über „Mit 66 Jahren“ bis „Bitte mit Sahne“, das in Bayern zeitweise nicht im Rundfunk gespielt werden durfte, ließ das Duo auf der Bühne keinen Hit aus. Weberg animierte das Publikum erfolgreich zum Mitsingen der Klassiker der deutschen Schlager- und Pop-Szene. Aber: Es kam kein Udo-Jürgens-Feeling auf. Wirkliche Klasse war nicht erkennbar.
"Sentimental Journey" für Senioren
Dario Weberg war stimmlich und musikalisch weit weg vom Original. Der Künstler des Theaters an der Volme in Hagen mag als Regisseur, Dramaturg, Schauspieler oder Texter ein Motor für die Kulturszene im unteren Volmetal sein. Als Jürgens-Interpret bot er allenfalls einen dünnen Aufguss der Songs eines großen Denkmals. Daran änderten auch die edel wirkenden Lackschuhe nichts — sie waren an diesem Abend mehr als eine Nummer zu groß.
Dem Publikum, mehrheitlich Ü60, gefiel es sichtlich. Songs, die sie Jahrzehnte begleitet haben, nostalgische Gefühle — eine "Sentimental Journey", die ohne Zugabe nicht enden durfte. Das Double kam dazu, ganz wie das Original, mit weißem Bademantel auf die Bühne.
Jürgens Lieder könne man nur mit Ehrfurcht singen oder mit Zwangsjacke hatte Dario Weberg eingangs gesagt und befand: „Wir haben uns für Ehrfurcht entschieden“. Aber dieses Ende mutete eher peinlich statt ehrfürchtig an.
Erlös für den guten Zweck
Immerhin: der Erlös des Abends kommt dem Hilfswerk des Lions Clubs zugute. Der Club fördert damit Projekte in der Region und hilft weltweit bei Notlagen. Dass das Konzert nicht ausverkauft war, dürfte nicht nur am Wetter gelegen haben. Etliche Jürgens-Fans haben wohl geahnt, dass ihrem Idol kaum jemand gerecht werden kann.









