„Ja, wir bekommen Mittel aus aus dem zweiten NRW-Unterstützungspaket“, freute sich Bürgermeisterin Birgit Tupat. Damit werde die Gemeinde finanziell entlastet. Mit dem Geld soll die Kommune – LokalDirekt berichtete – bei der Schaffung, Unterhaltung und Herrichtung von Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete unterstützt werden. „Wir haben unsere Quote noch nicht in allen Bereichen voll erfüllt. Bekommen wir weitere Zuweisungen wären die Kosten nicht gedeckt. Erst einmal kommen wir damit aber aus“, erklärte die Bürgermeisterin.
Neben der wirtschaftlichen Lage sei vor allem die Unterbringung ein großes Thema. Wie bereits mehrfach berichtet, fehlt es an Wohnraum. Nach mehreren Aufrufen und Aktionen haben sich jedoch inzwischen einige Wohnungseigentümer bei der Gemeinde gemeldet. „Ja, es gab Angebote. Allerdings passten nicht alle. Wir sind jedoch einen Schritt weiter und brauchen erst einmal keine weiteren Angebote“, sagte Sabrina Lippert von der Verwaltung. So seien unter anderem Flüchtlinge in zwei Wohnungen der LEG in der Werkssiedlung vermittelt worden. Eine dritte Wohnung stehe dort zu Verfügung. Doch das ganze Prozedere gestaltet sich kompliziert.
Die Wohnungen, die gesucht werden, werden nämlich nicht von der Gemeinde angemietet, sondern von den Flüchtlingen selbst. Es geht nämlich um die, die in die Zuständigkeit des Jobcenters fällen. Diesen würde das Jobcenter eine Wohnung finanzieren, allerdings muss sie von der Größe und vom Preis gewisse Kriterien erfüllen. „Besonders schwer ist es, unsere Männer-Wohngemeinschaften unterzubekommen. WGs an sich sind bei vielen Mietern schon nicht beliebt“, erklärt Sabrina Lippert. Viele Vermieter täten sich schwer damit. Es gibt aber auch Fälle, die bürokratisch quasi unmöglich zu lösen sind. Sabrina Lippert berichtet beispielsweise von einer jungen afghanischen Frau. „Sie ist total bemüht, möchte sich integrieren und setzt alles daran, sich hier einzubringen, mitzuarbeiten und sich ein Leben aufzubauen“, beschreibt Lippert die Frau, die in Nachrodt eine neue Heimat finden möchte.
Sie hat allerdings noch einen Mann und Kinder, die in der Türkei sind. Gerne würde die Familie gemeinsam hier leben. „Es wäre kein Problem für eine Familie eine Wohnung zu finden. Ein Problem ist jedoch die Bürokratie“, erklärt die Sachbearbeiterin. Die Familie dürfe nur dann kommen, wenn die Wohnsituation geklärt ist und für die Familie eine passende Wohnsituation gesichert sei. Das gehe aber nicht, weil das Jobcenter der jungen Frau keine größere Wohnung gestattet, weil sie alleine in Nachrodt ist. „Es fehlen also nicht nur Wohnungen, es gibt auch so allerhand Probleme bei der Vermittlung“, erklärt Lippert.
Es hätten sich auch einige Eigentümer gemeldet, die eine Wohnung in Wiblingwerde hätten. Lippert: „Das haben wir natürlich geprüft. Aber letztlich ist das nicht praktikabel. Die Flüchtlinge sind ja nicht mobil und die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ist schon eher schlecht.“










