Anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar würdigt Stadtarchivarin i. R. Martina Wittkopp-Beine die 20-jährige Tradition der Gedenkveranstaltungen in Plettenberg.
Am 27. Januar 2026 jährt sich zum 20. Mal der Tag, an dem in Plettenberg erstmals im Rahmen einer öffentlichen Gedenkveranstaltung den Opfern des Nationalsozialismus gedacht wurde. Die Initiative zu diesem Gedenken ging im Jahr 2006 aus der Bürgerschaft selbst hervor.
Mit dieser ersten Gedenkstunde schloss sich Plettenberg dem nationalen Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus an. Denn bereits seit 1996 wird in Deutschland jährlich am 27. Januar an die Opfer gedacht, nachdem der damalige Bundespräsident Roman Herzog diesen Tag als zentralen nationalen Gedenktag festgelegt hatte. Das Datum erinnert an den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Dieser Tag besitzt eine hohe symbolische Bedeutung, da in Auschwitz zuvor über Jahre hinweg barbarischste Menschheitsverbrechen verübt worden waren.
Die Gedenkstunde in Plettenberg findet auf dem jüdischen Friedhof an der Freiligrathstraße statt. Nach einer Ansprache des Bürgermeisters wird mit der Niederlegung eines Blumenbouquets an der Gedenkstele der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Seit vielen Jahren beteiligen sich zudem Schülerinnen und Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums mit eigenen Beiträgen an der inhaltlichen Gestaltung der Gedenkstunde.
Die Gedenkveranstaltung wird regelmäßig von vielen Bürgerinnen und Bürgern besucht. Dies zeigt, dass in Plettenberg eine lebendige und engagierte Erinnerungskultur besteht. Der 27. Januar ist daher fest im lokalen Gedenken verankert.
20 Jahre lokales Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – warum ist dieses Erinnern so wichtig?
Das Gedenken am 27. Januar erinnert daran, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus keine abstrakte oder gar fernliegende Geschichte sind. Die Verbrechen haben auch in Plettenberg ihre Spuren hinterlassen. Hier lebten Menschen, die entrechtet, verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Das lokale Erinnern macht deutlich, dass Verantwortung nicht allein auf nationaler Ebene verortet werden darf. Auch die Geschichte der eigenen Stadt ist und muss immer Teil der historischen Aufarbeitung sein.
Erinnern hat auch eine bedeutende gesellschaftliche Funktion. Es mahnt zur Wachsamkeit gegenüber Rassismus, Antisemitismus, Ausgrenzung oder menschenverachtenden Ideologien. Eine bewusste und engagierte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit stärkt unsere demokratischen Werte. Sie führt uns deutlich vor Augen, wie zerbrechlich Freiheit, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit sein können.
Eine besondere Bedeutung kommt der Einbindung der Schülerinnen und Schüler zu. Durch ihr aktives Mitwirken wird die Erinnerung lebendig gehalten und an kommende Generationen weitergegeben. Das Gedenken wird somit nicht zu einem bloßen ritualisierten Rückblick. Das Gedenken wird zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart.
Nach 20 Jahren ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Plettenberg ein fester Bestandteil der lokalen Erinnerungskultur geworden. Der Gedenktag steht für das gemeinsame Bekenntnis, die Opfer nicht zu vergessen. Er steht aber auch dafür, Verantwortung zu übernehmen und aus der Geschichte Lehren für die Zukunft zu ziehen.
Die diesjährige Gedenkfeier findet am heutigen Dienstag, 27. Januar, um 15 Uhr auf dem jüdischen Friedhof an der Freiligrathstraße statt. Im Ratssaal erinnern anschließend Schülerinnen und Schüler der Q1-Stufe des Albert-Schweitzer-Gymnasiums mit Texten und Bildern an Anne Frank.
Anne Frank (* 12. Juni 1929, † Februar oder Anfang März 1945) war eine deutsche Jüdin, die 1934 mit ihren Eltern und ihrer Schwester Margot aus Deutschland in die Niederlande auswanderte, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, und kurz vor dem Kriegsende dem Holocaust zum Opfer fiel. Von Juli 1942 bis August 1944 lebte sie mit ihrer Familie versteckt in einem Hinterhaus in Amsterdam. Dort hielt sie ihre Erlebnisse und Gedanken in einem Tagebuch fest, das nach dem Krieg als Tagebuch der Anne Frank von ihrem Vater Otto Frank veröffentlicht wurde. Das Tagebuch gilt als ein historisches Dokument aus der Zeit des Holocausts und die Autorin als Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus. (Quelle: Wikipedia)









