Seit 22. Januar sind in der Villa Wippermann die Werke eines Pfälzer Künstlers zu sehen. Der erste Gedanke beim Besuch der Ausstellung: Das kommt mir bekannt vor. Klar, Picasso! Nein. Es sind Bilder von Johann Georg Müller.
Detlev Kümmel, Galerist aus Brügge, stellt einen Teil seiner Müller-Sammlung aus. Die Bilder, Radierungen, Holzschnitte, Collagen erinnern an die Großen der Kunstszene. Neben Picasso an Georges Braque, Otto Dix oder Max Beckmann. Bei Kümmels Führung durch die Ausstellung wurde am Sonntag, 25. Januar, aber deutlich: der Maler, Grafiker und Autodidakt Müller orientierte sich an Stilen und Motiven, formte aus diesen Impressionen aber einen eigenen Stil. „Müller hat es etwas einfacher gemacht“, beschreibt Kümmel den Unterschied etwa zu Picasso. So hat er dunkle Töne eingesetzt, um andere Bereiche hervorzuheben oder Stimmungen betont.
Der 1913 in Ludwigshafen geborene Künstler galt als rastloser Arbeiter, aber auch als „grober Klotz“, hatte während der Nazi-Zeit Berufs- und Ausstellungsverbot. Lange war er eher unbekannt. Bis zu seinem Tod 1986 entstanden mehr als 3000 Werke. Sie thematisieren immer wieder dieselben Motive, umreißt Museumsleiterin Jana Eilhardt Müllers Œuvre. Dazu zählen Köpfe, Stilleben, Landschaften, Harlekins, Maschinen. — Motive, die er in unterschiedlichen Techniken variiert. Entdeckt hatte sie den Künstler im Sommer 2023 in der Ausstellung „Looking for Modern Art“ in der Städtischen Galerie Lüdenscheid — und war sofort begeistert. Eine Begeisterung, die die Besucher gleich an den ersten Ausstellungstagen teilten.
Künstler mehrfach ausgezeichnet
Mehr als 130 nutzen in den ersten drei Tagen die Gelegenheit, den eher unbekannten Künstler kennenzulernen, der mit seinem „Stilpluralismus“ in Fachkreisen als „einer der bedeutendsten Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst“ gilt. Die Preise der Bilder, ein Indikator für deren Stellenwert, gehen bis in den mittleren fünfstelligen Bereich.
Neben einem Überblick über die Arbeiten Johanns Georgs Müllers sind auch Werkzeuge und Materialien ausgestellt — bis zur Druckerpresse. Sie geben einen Einblick, wie filigran er gearbeitet hat und welches handwerkliche Know-how nötig war. Neben alten Techniken nutzte der Pfälzer ab 1960 auch Filzstifte, die, aus Japan kommend, in Europa gerade „in“ waren. Für seine Arbeiten wurde Müller mehrfach ausgezeichnet, unter anderem in den 70-er Jahren mit der Picasso-Medaille.
Gut 70 Werke hängen in der Villa Wippermann, weitere Bögen liegen in Schubladen und warten darauf, entdeckt zu werden. Einige werden erstmals ausgestellt.
Fotogalerie
Die Ausstellung geht bis zum 7. Juni. Zur Halbzeit, Mitte April, sollen nochmals Bilder ausgetauscht werden, um einen bereiteren Überblick über Müllers Schaffen zu bieten, so Detlev Kümmel. Angedacht ist dabei auch ein Gewinnspiel. Der Galerist räumte ein, Müller selbst lange nicht gekannt zu haben. Nach dem Tod seines Mäzens erstand der Kunstexperte aus dem Volmetal große Teile der Sammlung und setzt sich dafür ein, dass das vielseitige Werk präsent bleibt. Mit der Ausstellung hat das kleine Regionalmuseum erneut ein großes Ausrufezeichen gesetzt.
Adresse:
Villa Wippermann
Frankfurter Straße 45, Halver
Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch 15 – 17 Uhr
Donnerstag 15 – 19 Uhr
Sonntag 11-16 Uhr
Eintritt: 2 Euro
Link:
https://www.villa-wippermann.de/portfolio-item/johann-georg-mueller/











