Stimmt meine Heizkostenabrechnung? Hat der Energieversorger die Abschläge für Strom und Gas korrekt berechnet? Was kann ich unternehmen, wenn ich eine hohe Nachzahlung nicht begleichen kann? Fragen und Probleme rund um die Energiekrise prägten 2023 die Arbeit der Verbraucherzentrale im Ennepe-Ruhr-Kreis.
„Ob zu Abrechnungen, Preisbremsen oder rechtlichen Fallstricken: Anfragen erreichten uns aus allen Bevölkerungsschichten“, berichtet Nadine Schröer, Leiterin der Beratungsstelle, bei der Vorstellung der Jahresbilanz.
Energie war 2023 „das“ Thema
Ein Viertel der 3456 Anfragen entfiel auf den Bereich Energie. Zwar sanken im Jahresverlauf die Preise für Strom, Erdgas und Heizöl wieder, doch die wechselnden Regelungen zu den Energiehilfen hätten häufig individuell erklärt werden müssen. Zudem seien viele Menschen mit hohen Nachzahlungen konfrontiert gewesen. „Zeitnahe Reaktion und Hilfe – auch im Verbund mit kommunalen Partnern – war bei akuten finanziellen Notlagen gefragt“, so Schröer.
Daneben habe es aber auch die ganze Bandbreite weiterer Anliegen gegeben, wie beispielsweise Probleme mit untergeschobenen Verträgen, neue Betrugsmaschen, Fragen rund um Telefon und Internet oder auch Ärger mit Onlinekäufen.
Namensähnlichkeit sorgt für Irritation
So hätten im vergangenen Jahr unter anderem Werbebriefe des Düsseldorfer Telekommunikationsanbieters 1N Telecom für Irritation gesorgt: „Aufgrund der Namensähnlichkeit stimmten viele Verbraucher ungewollt einem Vertragswechsel von der Deutschen Telekom zu 1N Telecom zu und wurden anschließend sogar mit Schadensersatzforderungen konfrontiert“, erklärt die Beratungsstellenleiterin. Die Verbraucherzentrale habe den Ratsuchenden dann mit Informationen über Widerrufsmöglichkeiten und Zahlungspflichten geholfen.
Im Freizeitbereich seien es erneut Verträge mit Fitnessstudios gewesen, die bei den Verbrauchern zu Nachfragen führten. Beispielsweise weil manche Betreiber die Mitgliedschaftsbeiträge zum Teil deutlich verteuerten und dies mit gestiegenen Betriebskosten oder der Lohnentwicklung begründet hätten. Hier klärten die Beratungskräfte darüber auf, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Umfang Preise in laufenden Verträgen überhaupt angehoben werden dürfen und gaben Tipps rund um Kündigungsrechte.
IT-Umstellung sorgt für verzweifelte Bankkunden
„Viele und zum Teil verzweifelte Beschwerden erreichten die Beratungsstelle von Kunden der Postbank beziehungsweise der DSL Bank online“, so Nadine Schröer. „IT-Umstellungen machten hier zum Beispiel den Online-Zugang zu Girokonten und das Ausführen von Überweisungen unmöglich, was in einigen Fällen zu unberechtigten Sperrungen von Pfändungsschutzkonten führte und auch für Schwierigkeiten bei der Abwicklung von Nachlässen und bei Immobilienfinanzierungen sorgte.“ Ein Tipp der Verbraucherzentrale NRW lautete hier, bei den Pfändungsschutzkonten auf die Auszahlung der Guthaben zu klagen, an vielen anderen Stellen hätten die Mitarbeiter den Ratsuchenden mit Formulierungshilfen für Schreiben einfach und direkt weiterhelfen können.
„Die Verbraucherberatung spart den Betroffenen Nerven, Kosten und Zeit. Es ist gut, dass die Bürger mittlerweile schon im zehnten Jahr kurze Wege zu Fachleuten haben, die unabhängig informieren und verlässlich rechtliche Ratschläge geben können. Und das für eine sehr breite Palette von Themen und für Probleme, die ihnen tagtäglich unter den Nägeln brennen“, bewertet Landrat Olaf Schade den Anteil des Kreises an den Kosten des Angebotes als sehr gut investiertes Geld.
Auch wenn die Rückerstattung des Kaufpreises bei Retouren nicht klappte, bedrohlich klingende Schreiben von Inkassounternehmen im Briefkasten landeten oder mit obskuren Mails Daten „abgefischt“ und missbräuchlich verwendet wurden, war die Beratungsstelle ebenfalls mit Rat und Tat zur Stelle: „Schadensbegrenzung ist dann oft das Gebot der Stunde. Aber ganz wichtig ist uns auch die präventive Arbeit“, erläutert Schröer. Beispielsweise habe die Beratungsstelle im Rahmen des Weltverbrauchertags unter dem Motto „Vorsicht Kreditfallen“ über riskante Kleinkredite informiert oder die Tücken von „Buy now, pay later“-Modellen im Internethandel in den Blickpunkt gerückt.
Das Jahr 2023 in Zahlen
In die Vor-Ort-Beratungsbilanz der Verbraucherzentrale des Ennepe-Ruhr-Kreises fließen zudem auch noch 1076 Kontaktaufnahmen über das landesweite Servicetelefon und das zentrale Kontaktformular ein. Präsent und im Gespräch mit den Bürgern waren die Beratungskräfte außerdem bei 65 Veranstaltungen und Aktionen.
Nicht zu vergessen seien die Online-Vorträge, Sprechstunden, Videochat-Beratungen sowie den laufend aktualisierten Informationen, Rechentools und interaktiven Musterbriefe auf der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW, von der auch die Bürger des Ennepe-Ruhr-Kreises profitiert hätten.
Alle Informationen über die Angebote der Verbraucherzentrale NRW im Ennepe-Ruhr-Kreis finden sich im Internet unter www.verbraucherzentrale.nrw/witten.









