Laute Partys auf der einen, stilles Gedenken auf der anderen Seite: Zum Monatswechsel vom Oktober zum November treffen im Bistum Essen und damit auch in der Region des Märkischern Kreises und des Ennepe-Ruhr-Kreises sehr unterschiedliche Feste aufeinander. Fast alle kreisen um Verstorbene und den Tod. Doch was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen? Und was hat es mit dem Reformationstag und Halloween auf sich? Das Bistum bringt ein wenig Übersicht in den Festkalender des kommenden Wochenendes.
Zwei Feste, ein Thema: Allerheiligen und Allerseelen
Für katholische Christinnen und Christen steht das Doppelfest im Zentrum: Allerheiligen fällt auf Sonntag, 1. November, Allerseelen auf Montag, 2. November. Der Unterschied liegt im Gedenken. „An Allerheiligen erinnert die Kirche nicht nur an die offiziell Heiliggesprochenen, sondern an alle Menschen, die ihr Christsein besonders konsequent gelebt haben“, erklärt das Bistum Essen. An Allerseelen rückt dagegen die Erinnerung an alle Verstorbenen in den Mittelpunkt.
Viele Gemeinden laden an beiden Tagen zu besonderen Gottesdiensten ein. An Allerheiligen gestalten sie die Messen besonders festlich, an Allerseelen feiern sie oft ruhige Gedenkfeiern, in denen insbesondere an die Verstorbenen des vergangenen Jahres erinnert wird.
Gräbersegnung und Gespräche auf dem Friedhof
Viele Gemeinden segnen an Allerheiligen auch die Gräber auf den Friedhöfen, entweder direkt nach der Messe oder am Nachmittag. Auch in vielen Familien hat der Friedhofsbesuch an diesen Tagen Tradition. Mancherorts sind haupt- und ehrenamtliche Seelsorgeteams zwischen den Gräbern unterwegs und nehmen sich Zeit für Gespräche. Doch es gibt auch andere besondere Veranstaltungen: Im Märkischen Kreis beispielsweise erwartet das mobile Kirchencafé der Pfarrei St. Matthäus in Altena Besucherinnen und Besucher an Allerheiligen von 11 bis 16 Uhr mit Waffeln und Kaffee auf dem Friedhof am Breitenhagen.
Lichtermeer und Gedächtnisgarten
Bereits an Allerheiligen werden vielerorts die Gräber der Verstorbenen mit Blumen und grünen Zweigen als Zeichen der Hoffnung geschmückt. Abends verwandeln sich viele Friedhöfe dann in wahre Lichtermeere. „Die Kerzen auf den Gräbern sollen an die Gegenwart Gottes und an die christliche Hoffnung auf die Auferstehung erinnern“, erklärt das Bistum.
Dazu passt die Lichtinstallation „Gedächtnisgarten“ der Hattinger Pfarrei St. Peter und Paul. Sie eröffnet am Montag, 2. November, nach dem Abendgottesdienst um 18.30 Uhr im Pfarrgarten hinter der Kirche an der Bahnhofstraße. Bis Freitag, 6. November, zeigt sie Fotos von Menschen, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Angehörige haben der Pfarrei die Bilder zur Verfügung gestellt. Der Garten öffnet täglich von 16 bis 19 Uhr. Spezielle Lichteffekte, Heißgetränke und ein Lagerfeuer schaffen einen Ort, an dem Menschen gemeinsam ihrer Verstorbenen gedenken.
Auftakt für den Gedenkmonat November
Allerheiligen und Allerseelen bilden den Auftakt zu weiteren Gedenktagen im November. Dazu zählen der staatliche Volkstrauertag am Sonntag, 15. November, und der evangelische Totensonntag am 22. November. In Nordrhein-Westfalen unterstreichen zudem besondere gesetzliche Regelungen den stillen Charakter von Allerheiligen.
Halloween: Vom keltischen Fest zur Kostümparty
Mit den beiden Festen verbindet sich Halloween, das in diesem Jahr auf Samstag, 31. Oktober, fällt. Der Name leitet sich vom englischen „All Hallows’ Eve“ ab, dem Vorabend von Allerheiligen. In vorchristlicher Zeit feierten Menschen in Teilen des keltisch geprägten Europas, etwa in Irland, um diese Jahreszeit Samhain. Das Fest markierte den Übergang in die dunkle Jahreshälfte. „In späteren Überlieferungen ist Samhain auch mit Vorstellungen von einer besonderen Nähe zwischen der Welt der Lebenden und der Toten verbunden“, erklärt das Bistum Essen.
Ob und in welchem Umfang das heutige Halloween auf diese Bräuche zurückgeht, bleibe umstritten: „Das christliche Allerheiligenfest wurde ab dem 8. Jahrhundert in Rom am 1. November gefeiert. Eine direkte Verbindung zu Samhain ist für diese Zeit nicht belegt.“ Denkbar sei jedoch, dass sich in Irland im Laufe der Jahrhunderte christliche und vorchristliche Traditionen vermischten.
Irische Einwanderer brachten ihre Halloween-Bräuche im 19. Jahrhundert in die USA. Mit der Zeit entwickelte sich daraus das heutige Halloween — mit Kostümen, Partys und „Süßes oder Saures?“, und auch dort steht das Thema Tod weiter im Fokus. In dieser Form kehrte das Fest nach Europa zurück und erreichte etwa ab den 1990er Jahren zunehmend auch Deutschland.
Día de los Muertos in Bochum
Die Vorstellung einer besonderen Verbindung zwischen Lebenden und Verstorbenen kennen auch andere christlich geprägte Traditionen. Ein Beispiel ist der „Día de los Muertos“ (spanisch für „Tag der Toten“), den Menschen in Mexiko rund um Allerheiligen und Allerseelen feiern. „Auch in Bochum pflegt die spanischsprachige katholische Gemeinde diese Tradition, in diesem Jahr allerdings einige Tage später“, berichtet das Bistum. Die Gemeinde feiere am Sonntag, 8. November, um 12 Uhr zunächst eine Messe in der Kirche St. Joseph. Anschließend lade sie zum „Día de los Muertos“ mit Totenaltar, mexikanischem Essen, passender Dekoration und Aktivitäten für Kinder ein.
Evangelische Gemeinden feiern Reformationstag
Evangelische Gemeinden feiern am Allerheiligen-Vorabend ein Fest mit einer ganz eigenen Prägung: den Reformationstag. Der Überlieferung nach schlug der Augustinermönch Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen zur Reform der Kirche an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg und gab damit einen wichtigen Anstoß zur Reformation. In Gottesdiensten und Veranstaltungen erinnern evangelische Christinnen und Christen an diesem Tag an den Reformator und seine Ideen.








