Im Behördendeutsch heißt das, was sich in Menden ereignete, "Verdacht der Kindswohlgefährdung". Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich im konkreten Fall die offensichtliche Vernachlässigung von sechs Kindern im Alter zwischen zwei und elf Jahren, die sich nach einem Hinweis eines aufmerksamen Autofahrers offenbarte.
Update (10. Januar): Laut einer gemeinsamen Erklärung der Staatsanwaltschaft Arnsberg und der Stadt Menden sind die sechs Kinder, die beim gestrigen Einsatz vom Jugendamt in Obhut genommen wurden, aus dem Krankenhaus entlassen worden. Laut der Pressemitteilung sind alle Kinder „altersgerecht entwickelt. Sie weisen keine Anzeichen für körperliche Misshandlungen auf.“
Weiter heißt es: „Aufgrund der Gesamtumstände des Antreffens wurden sie durch das Jugendamt altersgerecht gut untergebracht.“ Weitere Maßnahmen werden nun geprüft. Zeitgleich dauern die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft an. Es wird betont, dass aufgrund der gewichtigen Interessen des Jugendschutzes sowie des Persönlichkeitsrechts der minderjährigen Kinder bis auf Weiteres keine weiteren Auskünfte zu deren Zustand oder Verbleib erteilt werden.
Erstmeldung (9. Januar): Am Freitagnachmittag, 9. Januar, riefen Zeugen die Polizei zur Lendringser Hauptstraße in Menden. Dort war ihnen, barfuß und ein für die Witterungsverhältnisse viel zu leicht bekleidetes Kind aufgefallen, das über die Straße lief und in einem Haus verschwand.
Wie sich herausstellte, gehörte das Kind in die Wohnung des dortigen Mehrfamilienhauses. Die Beamten betraten die Wohnung und fanden dort fünf weitere Kinder im Alter zwischen zwei und elf Jahren. "Wir haben festgestellt, dass in der Wohnung noch weitere Kinder sind, denen es offensichtlich gesundheitlich nicht gut ging", berichtet Polizeisprechers Lukas Borowski.
Aufgrund des Gesundheitszustandes der sechs Kinder - drei Jungen und drei Mädchen - alarmierten die Polizisten umgehend den Rettungsdienst und die Stadt Menden. Weil zunächst eine Kohlenmonoxyd-Vergiftung befürchtet wurde, kam auch die Feuerwehr zum Einsatz, die aber Entwarnung geben konnte. Erziehungsberechtigte befanden sich zunächst nicht vor Ort. Im Verlauf des Einsatzes kehrte die Mutter zur Wohnung zurück.
Rettungsdienst brachte die Kinder ins Krankenhaus Arnsberg
Alle Kinder wurden durch den Rettungsdienst versorgt und in ein Arnsberger Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr bestand nach Einschätzung der Einsatzkräfte nicht.
Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung fanden die Beamten Betäubungsmittel und stellte diese sicher. Die Polizei hat Ermittlungsverfahren hinsichtlich des Verdachts der Kindeswohlgefährdung sowie des Besitzes von Betäubungsmitteln eingeleitet.
Tierschützer haben drei Hunde aus der Wohnung in ihre Betreuung genommen und versorgt. - Die von der Polizei eingeschaltete städtische Ordnungsbehörde und das Jugendamt kümmern sich weiter um die sechs Kinder; auch die Mendener Bürgermeisterin Manuela Schmidt nahm den Einsatzort in Lendringsen in Augenschein. Sie sagte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Wichtig ist mir vor allem, dass die Kinder wohlauf sind und zu keiner Zeit in Lebensgefahr schwebten.“
Jugendamt Menden bringt die Kinder unter
Das Jugendamt der Stadt Menden habe Berichten zufolge die Kinder begleitet und nach der ersten Versorgung im Krankenhaus in Obhut genommen sowie untergebracht.
Seitens der Kreispolizeibehörde heißt es, weitere Informationen würden "insbesondere vor dem Hintergrund des Jugendschutzes und der zu wahrenden Persönlichkeitsrechte der Kinder bis auf weiteres" nicht erteilt.









