Eine Meldung dominierte in den letzten Tagen die Nachrichten: Knapp 50.000 Haushalte in Berlin waren fast eine Woche ohne Strom. Aber wie würden die Folgen eines vergleichbaren Vorfalls in Schalksmühle und Breckerfeld aussehen? LokalDirekt hat nachgefragt.

Die gute Nachricht vorab: Seit Mittwoch, 7. Januar, ist der Blackout in der Bundeshauptstadt vorbei und die betroffenen Haushalte im Südwesten Berlins konnten nach und nach wieder ans Stromnetz angeschlossen werden. Hinter den Einwohnern liegen Tage und Nächte in Kälte und Dunkelheit.

"Die Anlagen im Kreis sind redundant ausgelegt" 

Der Netzbetreiber Enervie, so erklärt Pressesprecher Andreas Köster auf Nachfrage, versorgt in seinem Gebiet - Hagen und dem Märkischen Kreis - über 500.000 Einwohner mit Strom.

Die Anlagen innerhalb des Netzes, so Köster weiter, sind redundant ausgelegt. Bedeutet: für einen großflächigen oder länger dauernden Ausfall wurde bereits entsprechend vorgebeugt. Außerdem überwacht die Netzführung der Enervie rund um die Uhr das Stromnetz. Bei einer Störung wird umgehend der Entstördienst informiert. Darüber hinaus sind die Monteure der Enervie in einem Bereitschaftsdienst organisiert, sodass der Netzbetreiber zu jeder Tages- und Nachtzeit Fachkräfte einsetzen kann - und das im gesamten Versorgungsbereich.

Ein Restrisiko, so Andreas Köster, verbleibt jedoch: "Eine hundertprozentige Sicherheit vor Angriffen auf die Stromversorgung kann es generell und damit auch bei Enervie nicht geben", stellt er klar.

Ebenso wenig sei die Frage, wie lange die Behebung eines Blackouts dauern würde, seriös zu beantworten - diese hängt laut Köster von den Witterungsbedingungen und dem Umfang des Schadens ab. "Besonders sensible" Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen verfügen in der Regel über Möglichkeiten, sich im Notfall mit Strom zu versorgen - beispielsweise über Aggregate.

Breckerfeld: ähnliche Einschätzung des Energieversorgers

Auch der für Breckerfeld zuständige Energieversorger AVU schätzt die Lage ähnlich ein. Sollte es - wie zuletzt in Berlin - nur in einzelnen Ortsteilen zu einem Stromausfall kommen, wären entsprechend weniger Haushalte betroffen. Eine Störung auf einer höheren Spannungsebene jedoch, so teilt Pressesprecher Jörg Prostka auf Anfrage von LokalDirekt mit, könnte dazu führen, "dass ganz Breckerfeld zeitweise ohne Strom wäre."

Wie lange es in einem solchen Fall dauern würde, die vollständige Versorgung wiederherzustellen, lasse sich nicht pauschal sagen. Entscheidend hierfür seien unter anderem die Art des Schadens, die betroffene Spannungsebene sowie äußere Faktoren wie Witterung und Materialverfügbarkeit. Die Netze seien jedoch so aufgebaut, dass der Ausfall einzelner Komponenten im Normalbetrieb nicht zu großflächigen Störungen führe.

Notunterkünfte und Anlaufstellen in der Hansestadt Breckerfeld

Auch auf Kreisebene ist der Bevölkerungsschutz im Ennepe-Ruhr-Kreis eine etablierte Aufgabe: Die Kreisverwaltung organisiert zusammen mit den Städten, Feuerwehren und Hilfsorganisationen den Katastrophenschutz im gesamten Kreisgebiet.

Spezielle Einheiten, wie eine Energieeinheit zur Unterstützung bei Energieengpässen, sind Teil dieser Strukturen. Vorplanungen und gemeinsame Strukturen sind also vorhanden, um im Ernstfall koordinierte Hilfe zu leisten - mit Einsatzkräften, Ausrüstung und Räumen, wie der Ennepe-Ruhr-Kreis auf seiner Internetseite zum Bevölkerungsschutz mitteilt.

Außerdem beteiligt sich der Ennepe-Ruhr-Kreis an der Kampagne "#besserbereit" des Regionalverbands Ruhr, die sich mit einem möglichen Ausfall von Energiequellen wie Gas und Strom beschäftigt. Auf der Webseite der Kampagne sind vielerlei Tipps zu finden, darunter auch ein Rechner für Vorräte, die jeder Haushalt für den Fall eines Blackouts anlegen sollte.

Städte und Kommunen verfügen über Notfallpläne

"Wir hoffen, diese Pläne nie im Ernstfall umsetzen zu müssen", betont Silvia González Algaba, Fachbereichsleiterin bei der Gemeinde Schalksmühle. Dennoch liegen für einen flächenhaften Stromausfall entsprechende Notfallpläne bei der Volmegemeinde vor, wie sie weiter betont. Diese sehen auch Notunterkünfte und Anlaufstellen auf dem Gemeindegebiet vor, die auch für einen gewissen Zeitraum über Notstromaggregate beheizt werden können.

Außerdem nimmt die Volmegemeinde, gemeinsam mit dem Märkischen Kreis, an dem Konzept "Kiez" teil. Dieses wurde aufgrund der letzten Krisenlagen vom Kreis gemeinsam mit den Kommunen erarbeitet. "Kiez" steht für "Kriseninformations- und Ersthilfezentrum", einer Einrichtung, die in mehreren Stufen für Bürger zur Verfügung steht, wenn diese aus unterschiedlichen Gründen nicht in ihrer Wohnung verbleiben können.

Notfallkonzept "Kiez"

Das Konzept umfasst mehrere Standorte in jeder Kommune, um eine wohnortnahe Unterbringung der Bürger zu ermöglichen, heißt es auf der Homepage. Die einzelnen Standorte sind an leuchtend roten Schildern zu erkennen und jeweils den einzelnen Stufen des Konzepts zugeordnet.

So ist es an den Standorten der Stufe 1 möglich, Erste-Hilfe-Leistungen anzufordern oder einen Notruf abzusetzen, falls das Telefonnetz zusammengebrochen ist. Diese Standorte befinden sich in der Regel in unmittelbarer Nähe der Rathäuser und der Feuerwehrgerätehäusern - und sind in einem solchen Notfall rund um die Uhr besetzt.

An Standorten der Stufe 2 erhalten die Bürger Informationen zur aktuellen Situation sowie kleinere Hilfe- und Versorgungsleistungen. Ebenso können sie sich hier aufwärmen, es gibt Lademöglichkeiten für Elektrokleingeräte wie Mobiltelefone und, bei Bedarf, erweiterte Erste-Hilfe-Leistungen. Die Standorte dieser Stufe können Sport- oder Schützenhallen sowie große Schulen sein.

Diese Anlaufstellen, so erklärt Sylvia González Algaba, sind auch in Schalksmühle im gesamten Gemeindegebiet verteilt. Außerdem wird die Bevölkerung im Krisenfall über die vorhandenen Anlaufstellen informiert, um den kürzesten Weg zur nächsten Wärmeinsel aufzuzeigen.

So sind auch in Schalksmühle die entsprechenden Anlaufstellen  über das Gemeindegebiet verteilt, um in einer Krisensituation für die Bevölkerung eine  Anlaufstelle mit Wärmeinseln bereitzustellen.

Vorbereitung schafft Kapazitäten

"Jede Person, die sich für eine kurze Zeit selbst versorgen kann, schafft Kapazitäten beim Rettungsdienst und der Feuerwehr, damit diese die Prioritäten bei den sehr kritischen Stellen bündeln und entsprechend helfen kann", betont Sylvia González Algaba. Daher rät sie, sich für eventuelle Krisen und Notfälle vorzubereiten - Tipps gibt es dazu auf der Seite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Dieses rät jedem Haushalt dazu, sich zehn Tage selbst versorgen zu können. Sprich: Entsprechende Mengen Wasser, Lebensmittel und Hygieneartikel zu bevorraten. Hierbei sollten zwei Liter pro Person und Tag - davon ein halber Liter zum Kochen - und haltbare Lebensmittel im Haus sein, die bestenfalls rasch über einem Campingkocher erhitzt werden können.

Aber nicht nur das: auch Medikamente, Schlafsäcke, Decken, geladene Powerbanks, Batterien und Taschenlampen sollten vorhanden sein.

Einen ausführlichen Ratgeber und eine Checkliste gibt es auf der Internetseite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.