Wie bereits mehrfach berichtet, hat die neue Kirchengemeinde große finanzielle Sorgen. „Die Trinitatis Mark Kirchengemeinde hat in ihrer Sitzung am Mittwoch, 14. Februar, über die Finanzlage berichtet und in diesem Zusammenhang eine Sparkommission gegründet. Diese Sparkommission soll daran arbeiten, dass die Kirchengemeinde mittelfristig in den nächsten zwei bis fünf Jahren ein ausgeglichenes Haushaltsergebnis erreichen kann“, erklärt Tim Haacke auf Anfrage. Von dieser Sparkommission war bereits auf der Versammlug berichtet worden. Die Verantwortlichen sollen Einspar- und Einnahme-Potenziale finden und analysieren. Erste Ergebnisse sollen schon nach den Osterferien präsentiert werden, dann nämlich findet die nächste Informationsveranstaltung für die Gemeindemitglieder statt. Einen genauen Termin gibt es noch nicht.
Die Sparkommission treffe sich von nun an monatlich, „um über den Verkauf von Gebäuden nachzudenken und / oder neue Nutzungskonzepte zu gestalten“. Ein Satz, der viele Gemeindemitglieder vermutlich stutzen lässt, war doch noch am Abend erklärt worden, dass die drei Standorte erhalten bleiben sollen. „Das ist auch so“, betonte Pfarrerin Mara Schwäbe am Freitagmorgen auf Anfrage. Vielmehr gehe es um Flächen und Gebäude, die nicht mehr genutzt werden und dennoch Kosten produzieren. So gebe es beispielsweise eine Brachfläche in der Rahmede. Diese stamme noch aus der Zeit der Paul-Gerhardt-Gemeinde. „Das ist direkt an der Straße und ein Gemisch aus Wiese und Sträuchen. Also eine Fläche, die wir zwar teuer pflegen müssen, sie aber absolut gar nicht nutzen können“, erklärte die Pfarrerin.
Auch in Wiblingwerde gibt es zwei Häuser, die zur Diskussion stehen werden: Das Pfarr- und das Küsterhaus sind baufällig und stehen seit Jahren leer. Eine Sanierung wäre unwirtschaftlich. Schon 2020 standen sie im Mittelpunkt von Entwicklungsprozess-Überlegungen. Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt, die die Wiblingwerder Gemeinde damals gemeinsam mit dem Kirchenkreis initiierte wurde dort beispielsweise ein Kindergartenneubau angedacht sowie ein kleines Neubaugebiet zwischen Häusern und Friedhof. Die Ideen sind bekanntlich derzeit vom Tisch. Der Kindergarten wurde an seinem jetzigen Standort erweitert.

Und das Gemeindezentrum Mühlendorf? Ja, auch das stehe auf der Agenda. Es wird verhältnismäßig wenig genutz. Die Kirche allerdings für Beerdigungen aufgrund der Nähe zum Friedhof Mühlendorf benötigt. Außerdem ist dort die Betreuung der Grundschule Mühlendorf untergebracht. „Es geht nicht nur darum, die Gebäude zu verkaufen. Eine andere Idee kann es ja auch sein, zu überlegen, wie man mit den vorhandenen Strukturen Einnahmen generieren kann“, erklärte Mara Schwäbe. Das sei beispielsweise in Wiblingwerde interessant. Der Saal des Gemeindehauses ist aktuell der einzige große Raum in Nachrodt-Wiblingwerde, in dem Veranstaltungen stattfinden könnten. Die SPD nutzt den Saal beispielsweise für ihre Kabarett-Veranstaltungen.
Laut Tim Haacke müssten „ebenso personelle Kooperationen intensiv bedacht werden“. Dabei gehe es nach Auskunft von Gemeindepädagogin Nina Wetzstein unter anderem um regionale Kooperationen über die Gemeindegrenzen hinaus. Haacke: „Man muss ein Sparvolumen von 150.000 Euro für die Kirchengemeinde erarbeiten, um diese wieder in eine gute Zukunft zu führen.“
Tim Haacke, Nina Wetzstein und Mara Schwäbe betonten jedoch alle drei: „Die Standorte an sich stehen nicht zur Debatte.“ Es müsse sich folglich derzeit kein Gemeindemitglied Sorgen um die Kirchen und Gemeindehäuser in Nachrodt-Wiblingwerde machen. „Ich denke, diese Krise deckt auf, was über Jahre schief gelaufen ist“, sagt Gemeindepädagogin Nina Wetzstein. So könne man die Probleme nun gemeinsam angehen und die Krise biete so auch die Möglichkeit, gemeinsam Wege zu finden, die in eine hoffnungsvolle Zukunft führen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir als Gemeinde und als Team das auch schaffen werden“, betont Nina Wetzstein.
Die Antworten des Kirchenkreises auf die konkreten Finanz-Fragen im Wortlaut:
Warum steigen die Erträge aus kirchlicher und diakonischer Arbeit?
Kirchenkreis: „Die Erträge aus kirchlicher und diakonischer Arbeit enthalten verschiedene Positionen, die entweder einer beständigen Anpassung gemäß Gebührensatzung unterliegen oder aber sogar ausgebaut werden konnten, wie z.B. die Ausweitung der Vermietung von Gebäudeflächen im Sinne einer bereits begonnen Haushaltssanierung.“
Diese Zuwendungen, wie funktioniert das genau und wie kommt genau dieser riesen Betrag
zustande?
„Die Zuweisungen, nicht Zuwendungen, bilden den geschätzten Nettofluss der Kirchensteuererträge ab, die gemäß landes- und kreiskirchlicher Satzung im laufenden Jahr an die Kirchengemeinde fließen werden.“
Warum rechnen Sie mit 13.000 Euro Zuwachs bei Zuschuss von Dritten?
„Die Zuschusszahlungen, die hierunter abgebildet werden, entsprechen der Entwicklung des stetig steigenden Trägeranteils für Kindertagesstätten.“
Warum rechnen Sie mit 2000 Euro Zuwachs bei Kollekte und Spende bei der deutlich schlechteren
Wirtschaftssituation?
„Die Gemeinde arbeitet an Maßnahmen, um mehr Spenden generieren zu können. In der ersten Planung wurde hier konkret die Spendenhöhe aufgrund der besonderen Güte der jährlichen Gemeindesammlung zum Jahresende in Höhe der letzten Jahre angepasst.“
Warum rechnen Sie mit 26.000 Euro Erträgen aus der Auflösung von Sonderkosten? Wird irgendetwas verkauft?
„Die Auflösung von Sonderposten dient dem Ausgleich des Aufwands bei der Erfüllung der diakonischen Aufgaben. Sie werden dann aufgelöst, wenn der Aufwand für diesen Zweck dies erfordert und somit Aufwand und Ertrag wieder ausgeglichen werden können.“
Letztlich sinken die Erlöse um 60.000 Euro, das ist in Anbetracht der Gesamterlöse von 935.000 Euro nicht wirklich signifikant. Das ist ein Umsatzrückgang von sechs Prozent. Ist das nicht eher eine normale wirtschaftliche Schwankung?
„Der finanzielle Spielraum einer Kirchengemeinde ist von Natur aus sehr gering, denn es handelt sich grundsätzlich um non-profit-Körperschaften. Daher führen jegliche negative Entwicklungen von Erträgen und Aufwänden direkt zu starken Abweichungen im Bilanzergebnis.“
Die Kosten steigen um 77.500 Euro, während gleichzeitig 60.000 bei den Einnahmen fehlen. Dann
beträgt der Unterschied zu 2023 137.500 Euro. Sind dann nicht eher die gestiegenen Kosten das
Problem? Woher kommen die Kosten?
„Eine Kirchengemeinde kann im Gegensatz zu einem wirtschaftlichen Unternehmen nicht flexibel auf wirtschaftliche Schwankungen reagieren, da es keine direkten Markteinflussfaktoren wie z. B. die Variation von Preisen gibt. Daher müssen Aufwand und Ertrag gemeinsam zur Beurteilung betrachtet werden. Die Spielräume sind hier sehr eng; wenn geringere Erträge einem hohen höheren Aufwand gegenüberstehen, kommt es schnell zu einem Fehlbetrag.“
Personal ist da natürlich ein Thema. Es geht da deutlich hoch. Warum? Es sind doch gar nicht mehr Menschen? 37.500 Euro steigen die Kosten obwohl ja eigentlich sogar Personal abgebaut wurde. Das ist ja mehr als die Hälfte der Kostensteigerung.
„Ursächlich hierfür sind die in Stufen stark gestiegenen Gehaltserhöhungen gemäß dem kirchlichen
Tarifvertrag.“
14.000 Euro Steigerung bei Sach- und Dienstaufwendungen: Vom einfachen Denken her, würde man doch davon ausgehen, dass Synergien gerade in diesem Punkt eher sparend wirken. Wo kommt das her?
„Der Zusammenschluss der drei Gemeinden zur neuen Trinitatis-Kirchengemeinde Mark war der richtige Schritt – aber es war eben nur ein erster Schritt. Wie andere Kirchengemeinden auch steht die Gemeinde vor großen Herausforderungen, für die man gemeinsam aber besser gewappnet ist. Wie die Synergieeffekte erzielt werden können, wo effektiv gespart werden kann, das muss nun gemeinsam nachhaltig erarbeitet werden.“
Abschreibungen: es gibt eine Steigerung von 35.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Was ist das denn? Eine Sonderabschreibung? Wird irgendetwas aufgelöst? Die Summe ist ja ziemlich hoch und damit auch wieder klar den gestiegenen Kosten zuzuordnen. Die Abschreibungen, die dieses Jahr on top kommen, sind also 60 Prozent von den gesamten Abschreibungen aus 2023?
„Es handelt sich um die erste Haushaltsplanung unter den neuen Bedingungen der Finanz- und Wirtschaftsverordnung nach den erfolgten Jahresabschlüssen, die eine differenzierte Darstellung der einzelnen Abschreibungsarten erforderten. Hierbei wurden alle Baumaßnahmen auch der letzten Jahre inkludiert.“
304.000 Euro werden der Gemeinde dieses Jahr wohl fehlen. Der Betrag hat sich also fast verdoppelt. Richtig?
„Der bislang vorgestellte Bilanzergebnis befindet sich in einem hohen defizitären Bereich. Es laufen bereits intern Beratungen, wie kurzfristig eine erste Absenkung möglich werden kann. Wir gehen davon aus, dass das Ergebnis grundsätzlich defizitär bleiben wird, doch ist der Kirchengemeinde daran gelegen, nachhaltig den Haushalt zu sanieren und sich in den nächsten Jahren wieder ausgeglichen aufzustellen.“










