In der Polizeiwache Halver-Schalksmühle gibt es Kartoffelsalat und Würstchen – zumindest, wenn es die Einsatzlage zulässt. „Ein passendes Gericht, das auch nach einem Einsatz kalt gegessen werden kann“, schmunzelt Wachleiter Nils Haböck. Die Einsätze haben immer Vorrang, selbst wenn eine weihnachtliche Atmosphäre herrscht. Bleibt denn überhaupt noch Zeit, ein wenig Zeit zu feiern? „Wir zelebrieren schon gemeinsam. Natürlich steht jedoch die Arbeit im Vordergrund“, erklärt Dienstgruppenleiter Sebastian Schaffer.
Um die Vorweihnachtszeit in der Wache angenehm zu gestalten, gibt es einen festlich geschmückten Weihnachtsbaum und einen Adventskranz. „Viele Kollegen verbringen hier mehr Zeit als zu Hause. Daher ist es wichtig, dass sich alle wohlfühlen können“, betont Haböck. Auch die Tradition des Wichtelns wird unter den Kollegen gepflegt.
Wenn die Familie alleine feiert
Für viele ist es ein Albtraum, an Weihnachten zu arbeiten. Die Diensteinteilung bei der Polizei ist jedoch anders, sagt Haböck, der bereits viele Weihnachtstage auf der Polizeiwache verbracht hat: „Es ist eine freiwillige Sache, die zu 100 Prozent aufgeht“. Rücksicht wird auf Kollegen mit Kindern genommen, aber in der Regel sei ein Dienst an Feiertagen unvermeidbar.
Weihnachten, das Fest der Familie – wie lässt sich Arbeit und Familie vereinbaren? Naja, zu Familienfeiern erscheine man dann eben zu spät – oder auch mal gar nicht. Heiligabend sei zum normalen Arbeitstag geworden. „Jeder Polizist, der anfängt, weiß aber, auf was man sich in diesem Beruf einlässt“, betont Polizist Mischa Pränger. Dass Weihnachten am Schreibtisch in der Wache oder auf Streife verbracht wird, gehöre eben dazu, und Familien der Polizisten hätten sich damit mittlerweile arrangiert.
Warum Bürger die 110 wählen
Die weihnachtliche Stimmung verfliegt schnell, wenn die Realität zuschlägt. Die Gründe, warum die Notrufnummer 110 an Weihnachten gewählt wird, sind vielfältig. Manche versinken in Depressionen, Suizide treffen vor allem Alleinstehende und gehören mittlerweile zum Alltag der Polizisten. „Andere rufen an, um jemanden zum Reden zu haben. Wir leisten ihnen quasi Gesellschaft – eben nur über das Telefon. Das bedeutet ihnen viel“, erklärt Haböck. Auch bei Familienstreitigkeiten wird die Polizei an den Weihnachtstagen oft hinzugezogen. Die Notrufe häufen sich gegen Abend – darauf können sich die Polizisten mittlerweile einstellen.
Eigentlich ist Heiligabend ein Anlass zur Freude und Fröhlichkeit. Doch viele Einsätze sind nicht so. Als Polizist sei es wichtig, mit solchen Situationen umzugehen und sie nicht emotional mit nach Hause zu nehmen. „Man zieht seine Eindrücke nicht mit der Uniform aus“, fasst Schaffer zusammen. Wenn es dennoch Redebedarf gibt, wird es im Team besprochen. „Wenn uns etwas belastet, dann reden wir mit unseren Kollegen darüber“, betont Haböck. Pränger hat auch festgestellt: „Wenn man sieht, dass andere Familien es nicht so gut haben, schätzt man seine eigene Situation viel mehr Wert.“
Der Wunsch einer ruhigen Weihnacht
Trotz allem hat Wachleiter Haböck einen Weihnachtswunsch: eine friedliche Weihnachtszeit. „Es wäre wünschenswert, wenn alle Kollegen gesund und munter bleiben. Wenn wir in den Dienst gehen, wissen wir nicht, ob wir heile wieder nach Hause kommen“.









