In der vergangenen Sitzung des Stadrates am Dienstag, 10. Februar, wurde es auf einmal voll, die Stühle im Besucherbereich reichten nicht aus für die Zahl der Gäste. Grund hierfür waren die Eltern der Bismarck-Schule, die einem Anliegen Nachdruck verleihen wollten. LokalDirekt traf sich im Nachgang mit Vertretern der Elternschaft, um deren Standpunkt ausführlich zu beleuchten.

Überregionale Nachrichten

Mit einem offenen Brief, unterschrieben von fünf Familien, wendeten sich die Eltern im Rahmen der Ratssitzung direkt an die Kiersper Politiker — "um unsere Sichtweise zur Betreuungssituation an der Bismarck-Schule in Kierspe darzulegen", heißt es in dem Brief. Die Familien nennen darin gleich mehrere Gründe, weshalb sie die Betreuung in der Grundschule, kurz BGS, der offenen Ganztagsschule (OGS) vorziehen.

Kosten und Aufenthaltsdauer zu hoch

Ein zentraler Punkt sei die tägliche Aufenthaltsdauer in der OGS, die den Eltern deutlich zu lang sind: "Sie führen zu einem sehr langen Schultag, der für Grundschulkinder oft belastend ist. Nach dem Unterricht benötigen unsere Kinder Zeit zur Erholung, für Familie, Freizeit oder freies Spielen", so die Elternschaft. Auch die Kosten der BGS, die "deutlich unter denen der OGS" liegen, sind für sie ein Argument gegen den offenen Ganztag. Für viele Familien sei zudem die Betreuung bis 13 Uhr ausreichend, in der OGS müssen Kinder jedoch deutlich länger bleiben. Laut Erlass des NRW-Schulministeriums "von spätestens 8 Uhr bis 16 Uhr, bei Bedarf auch länger. Die Teilnahme ist dabei in der Regel bis mindestens 15 Uhr verbindlich", wird bei einem Blick in den Gesetzestext klar.

Marius Schriever brachte im Namen zahlreicher im Rat anwesender Eltern die Probleme mit dem Thema OGS und BGS zur Sprache.
Foto: Maximowitz

In ihrem Brief stellen die Eltern fest, dass "die BGS für unsere Familien eine bedarfsgerechte, kindorientierte und finanzierbare Betreuungsform darstellt", weshalb sich die Eltern für den Erhalt sowie "die verlässliche Fortführung der BGS an der Bismarck-Schule" einsetzen. "Die BGS ist etwas, das für uns wichtig ist, was in unser Familienmodell herein passt, das trifft auf die OGS jedoch nicht zu", erklärte Marius Schriever als einer der Elternvertreter bereits in der Ratssitzung.

Pressegespräch im Nachgang

Wenige Tage später trifft sich Schriever gemeinsam mit zwei anderen Eltern mit LokalDirekt zum Gespräch. Er erklärt: „Wir waren im Rat um zu zeigen, wie wichtig die BGS für uns ist.“ Weiter führt er aus: „Es wäre schön, zumindest ein Wahlmodell zu haben.“ Genau wie Schriever ist auch Nadine Pech der Meinung: „Es ist ein sehr familienfreundliches Modell.“

Marius Schriever rechnet die Kosten vor: Aktuell zahle er für sein Kind in der Betreuenden Grundschule 60 Euro pro Monat. Hinzu kommen in den Ferien 20 Euro pro Ferientag, an dem das Kind an den Angeboten teilnimmt. Sollte sein nächstes Kind in die OGS kommen werden 220 Euro je Monat fällig — zuzüglich 85 Euro pro Monat für Mittagessen. Rund der fünffache Betrag für ein Angebot, dass den Alltag für Familie Schriever nicht nur teurer, sondern auch komplizierter machen würde: Das erste Kind wird dann um 13 Uhr aus der BGS abgeholt, um 15 Uhr muss ein Elternteil jedoch noch einmal los, das andere Kind holen, das bis mindestens 15 Uhr in der OGS bleiben muss.

Nadine Pech wirft ein: „Es ist nicht mehr lukrativ, das überhaupt zu nutzen.“ Sie sieht die Gefahr, dass Eltern lieber weniger Stunden arbeiten gehen, als das teure OGS-Angebot zu nutzen. Aktuell, so berichten die beiden, stehen sie mit rund 40 betroffenen Eltern in Kontakt. Wenn sie über die OGS reden, sind sich die Eltern einig: „Damit wird nicht auf die aktuellen Bedürfnisse eingegangen.“

Lob für OGS-Leiterin

Jedoch machen sie im Gespräch auch ganz klar deutlich: Kirsten Brünjes, die Leiterin der OGS an der Bismarck-Schule, und ihr Team "machen einen super Job." Es ist ihnen wichtig zu betonen, dass sie das OGS-Modell nicht ablehnen, sondern es nur nicht als Ersatz für die BGS wünschen. Eine Kombination aus beiden, so ist sich Schriever sicher, würde für alle Eltern das passende Angebot liefern.

Aus diesem Grund haben sie Anfang März ein Gespräch mit der Stadtverwaltung organisiert, um über möglich Lösungen zu sprechen. „Wir wollen keinen Stress machen“, verdeutlichen die Eltern. Auch über den Besuch des Rates hatten sie die Verwaltung und die Politik im Vorfeld informiert. Wichtig sei ihnen, so betonen sie, eine verlässliche Lösung für ihre Kinder zu finden.