„Die Sperrung der Rahmedetalbrücke hat dazu geführt, dass eine Hauptverkehrsader nicht mehr zur Verfügung steht. Hierdurch haben sich die Verkehrsströme deutlich verändert. Das regionale Straßennetz im Kreisgebiet ist nach polizeilicher Bewertung nicht geeignet, den Umleitungs- und Ausweichverkehr angemessen aufzunehmen“, so das Urteil der Polizei.
Bei der Entwicklung der Gesamtunfallzahlen sind die stärksten Veränderungen im Stadtgebiet Lüdenscheid notiert worden. „Das überrascht natürlich nicht“, hieß es bei der Präsentation der Zahlen in der Lüdenscheider Polizeiwache. In der Bergstadt wurde eine Zunahme von 31,11 Prozent festgestellt. Aber auch in Kierspe (+ 26,56 Prozent), Neuenrade (+25,44 Prozent) und Schalksmühle (+18,49 Prozent) hat es deutliche Steigerungen gegeben. Rückläufig waren die Zahlen lediglich in Plettenberg (-0,50 Prozent) und Herscheid (-13,8 Prozent).

Die Unfallhäufigkeitszahl (Anzahl der Verkehrsunfälle x 100.000/Einwohnerzahl) hat sich im Stadtgebiet Lüdenscheid am deutlichsten verändert. Aus der Polizeistatistik geht hervor, dass es im Jahr 2022 insgesamt 5111,61 mal gekracht hat (Vorjahr: 3861,72). Dies entspreche einer prozentualen Veränderung von 32,37 Prozent. Zum Vergleich: Die Belastung im Kreis liege bei 3655,42 (Vorjahr: 3178,42 – 477 oder 15,0 Prozent mehr).
Keine Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Brückensperrung stellte die Polizei bei den Unfällen mit Personenschaden fest. Hier gebe es insgesamt im Kreisgebiet, auch im nördlichen Bereich, deutliche Zuwächse. Ein leichter Rückgang wurde für Balve notiert. Bei der Anzahl der Verunglückten könne ebenfalls kein unmittelbarer Zusammenhang mit der Sperrung der Rahmedetalbrücke hergeleitet werden.
Ein ganz anderes Bild ergibt sich, schaut man sich die Statistik der Verkehrsunfälle mit Blick auf den Schwerlastverkehr (Lkw ab 3,5 Tonnen) an. „Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrzeugen des Schwerlastverkehrs hat in Teilbereichen deutliche zugenommen“, heißt es in der Polizeistatistik. Erwartungsgemäß sind auch in Lüdenscheid die deutlichsten Veränderungen festzustellen.
2021 hat es hier insgesamt 259 Verkehrsunfälle gegeben, bei denen Lkw mit einem Gesamtgewicht von mindestens 3,5 Tonnen beteiligt waren. Im vergangenen Jahr waren es 573. „Dies entspricht einer Steigerung von 121,24 Prozent“, so die Polizei. Auch in den Städten und Gemeinden an den Umleitungsstrecken stiegen die Zahlen – in Neuenrade von 14 auf 28, in Nachrodt-Wiblingwerde von 21 auf 39, in Schalksmühle von 36 auf 63 und in Kierspe von 44 sogar auf 76.
Auch bei den Verursachern der Unfälle ergibt sich ein klares Bild: „Wenn Verkehrsteilnehmer mit Lkw an Verkehrsunfällen beteiligt sind, liegt dort zu 80 Prozent die Unfallverursachung. Diese Verteilung ist im gesamten Kreisgebiet festzustellen“, so die Polizei.
Verschoben habe sich im Jahr 2022 auch die Belastung der einzelnen Kommunen durch Lkw-Unfälle. Eine erheblich höhere Belastung gebe es in Lüdenscheid, Nachrodt-Wiblingwerde, Schalksmühle und Kierspe – alles Städte und Gemeinden an der Umleitungsstrecke. Während 2021 Balve noch vorne lag, war es im vergangenen Jahr Lüdenscheid.
Blickt man allerdings nur auf die Lkw-Unfälle mit Getöteten, Schwer- oder Leichtverletzten, wurden die auffälligsten Veränderungen in Meinerzhagen (+24,35 Prozent), Nachrodt-Wiblingwerde (+15,53 Prozent) und Lüdenscheid (+12,73 Prozent).
Zusammenfassend kommt die Polizei in ihrer Statistik unter anderem zu folgendem Fazit: „Insbesondere im Bereich der Verkehrsunfälle unter Beteiligung des Schwerlastverkehrs können nach den vorliegenden Auswertungen Zusammenhänge zur Sperrung der Rahmedetalbrücke angenommen werden. Das betrifft in erster Linie die Stadt Lüdenscheid, aber auch die umliegenden Städte und Gemeinden.“

Auf der B236 in Altena sei kürzlich eine weitere Brücke für Lkw gesperrt worden. Das angeordnete Durchfahrtverbot sehe eine Umleitungsstrecke durch Iserlohn, Hemer und Altena vor. „Damit ist nunmehr auch das nördliche Kreisgebiet betroffen. Eine Prognose zur Unfallentwicklung in diesem Bereich ist derzeit noch nicht möglich“, schreibt die Polizei in ihrer Unfallstatistik.
Für Landrat Marco Voge als Leiter der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis und seine polizeiliche Führungsmannschaft steht fest: „Wir werden den Kontrolldruck hoch halten – falls möglich sogar noch ausbauen. Das stößt allerdings bei uns auch an personelle Grenzen.“ Bereits jetzt werde man durch Beamte anderer Polizeidienststellen unterstützt. Das Problem sei auch im NRW-Innenministerium bekannt.
Lesen Sie hier den Bericht zur Statistik im Märkischen Kreis.
Lesen Sie hier die vollständige Statistik.
Lesen Sie hier die Auswertung für Nachrodt-Wiblingwerde.










