Rudolf Sparing ist tot. Er starb im Alter von 85 Jahren. Der ehemalige Leiter des Kulturhauses prägte mehr als zwei Jahrzehnte das kulturelle Leben der Stadt. Mit neuen Ideen, künstlerischem Gespür und großem Engagement machte er Lüdenscheid zu einem überregional beachteten Kulturstandort.
Als erster Leiter des Kulturhauses stand er von 1979 bis 2002 an der Spitze einer Einrichtung, die sich in dieser Zeit zu einem wichtigen Mittelpunkt des kulturellen Lebens in der Region entwickelte.
Sein Wirken beschränkte sich dabei keineswegs auf die Organisation eines abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramms. Sparing verstand Kultur als lebendigen Austausch zwischen Künstlern, Publikum und Stadtgesellschaft. Er wollte ein Haus schaffen, das unterschiedliche Interessen zusammenführt und Menschen aller Altersgruppen anspricht.
Rudolf Sparing wurde 1941 in Hannover geboren. Er studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften und sammelte berufliche Erfahrungen als Dramaturg und Regisseur. Vor seinem Wechsel nach Lüdenscheid war er an den Wuppertaler Bühnen tätig.
Mitte 1979 übernahm er die künstlerische und kaufmännische Leitung des damals noch im Bau befindlichen Kulturhauses. Damit erhielt er die Möglichkeit, die programmatische Ausrichtung der neuen Kultureinrichtung bereits vor ihrer Eröffnung entscheidend mitzugestalten.
Zu den bekanntesten Projekten, die mit Rudolf Sparings Namen verbunden sind, gehören die Lüdenscheider Kleinkunsttage.
Kleinkunstfestival etabliert
1980 setzte er seine Idee eines Kleinkunstfestivals erstmals um. Da das Kulturhaus noch nicht fertiggestellt war, fanden die ersten Veranstaltungen im damaligen City-Center statt. Ein Jahr später wurde das Rathaus zum Veranstaltungsort, bevor die Kleinkunsttage 1982 endgültig im Kulturhaus ihre Heimat fanden.
1985 wurde erstmals der Lüdenscheider Kleinkunstpreis vergeben. Erste Preisträgerin war die Schweizer Clownin Gardi Hutter. 1999 erhielt der Publikumspreis seinen bis heute bekannten Namen: „Lüdenscheider Lüsterklemme“.
Die Kleinkunsttage entwickelten sich zu einer festen kulturellen Institution. Dass das Festival auch Jahrzehnte später noch existiert, gehört zu den bleibenden Ergebnissen seiner Arbeit.
Besonders deutlich wurde Sparings Verbundenheit mit der Stadt bei der 1993 entstandenen stadtgeschichtlichen Revue „Lünsche paletti – woll?“.
Mit dieser Produktion brachte er die Geschichte und Eigenheiten Lüdenscheids auf die Bühne. Lokale Bezüge, Humor und die Identifikation der Menschen mit ihrer Heimatstadt standen im Mittelpunkt.
Eine besondere Idee war die Besetzung der Napoleon-Rolle mit dem damaligen Bürgermeister Jürgen Dietrich, dem späteren Ehrenbürger Lüdenscheids. Die Revue wurde zu einem viel beachteten Beispiel dafür, wie sich Stadtgeschichte unterhaltsam und künstlerisch anspruchsvoll vermitteln lässt.
Im Jahr 2002 ging Rudolf Sparing in den Ruhestand. Nach 23 Jahren als Kulturhausleiter übergab er die Verantwortung an seinen Nachfolger Stefan Weippert.
Eigene Revuen mit dem Ensemble K
Doch Sparing blieb der Stadt und ihrem Kulturleben weiterhin verbunden. Er trat auch nach seiner offiziellen Amtszeit als Regisseur, Conférencier und künstlerischer Gestalter in Erscheinung.
Ein Beispiel dafür war das von ihm geleitete Ensemble K, das mit eigenen Revuen und Caféhauskonzerten das Publikum unterhielt. Ende 2018 verabschiedete sich das Ensemble mit einem letzten Konzert im Kulturhaus. Im gleichen Jahr stellte sich Sparing mit einer Benefizveranstaltung in den Dienst des Fördervereins der Suchtberatungsstelle. Zusammen mit Ruth Schimanski spielten und lasen beide nach dem Dialogroman „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder.
Dass Rudolf Sparings Wirken weit über seine berufliche Tätigkeit hinaus Anerkennung gefunden hat, zeigt eine besondere Auszeichnung: Im Mai 2022 verlieh ihm die Stadt Lüdenscheid den Ehrenring für besondere Verdienste.
Aktiv im Geschichts- und Heimatverein
Auch nach seiner Zeit als Kulturhausleiter blieb Sparing kulturell und gesellschaftlich aktiv. Eine weitere wichtige Aufgabe fand er im Geschichts- und Heimatverein Lüdenscheid.
Dort engagierte er sich als Organisator und Begleiter kunst- und kulturhistorischer Exkursionen. Seine Reisen führten die Teilnehmer unter anderem zu bedeutenden historischen Bauwerken, Städten und kulturellen Sehenswürdigkeiten.
Im Juni 2026 wurde bekannt, dass Sparing seine langjährige Tätigkeit als Reiseleiter des Geschichts- und Heimatvereins beenden wird. In den zurückliegenden Jahren hatte er zwölf Ausflüge, darunter auch mehrtägige Reisen, vorbereitet und begleitet. Die Vereinsvorsitzende Dr. Arnhild Scholten würdigte ihn mit den Worten, dass er Geschichte und Kultur zusammengebracht habe.









