Die Stadt Halver soll auf die Erschließung der Baugebiete Schillerstein und Herksiepe verzichten. Mit finanziellem Engagement aus der Bürgerschaft und der Schaffung von Ökopunkten lasse sich ein geldwerter Vorteil von rund 700.000 Euro erzielen, so der Vorschlag von Klaus Brunsmeier, Geschäfsführer des Vereins Heesfelder Mühle und Funktionsträger des BUND.
Im Gespräch ist die Überlegung seit einem Treffen Brunsmeiers mit der SPD-Fraktionsspitze und Bürgermeister Armin Kibbert. Die Information der weiteren Fraktionen dazu erfolgte mit Schreiben des für Stadtplanung verantwortlichen Ersten Beigordneten, Simon Thienel, der zu dem Treffen nicht geladen war.
Die Diskussion um die etwa vier Hektar (40.000 Quadratmeter) große Fläche am Ende von Linger Weg und Falkenstraße wird mit dem Vorstoß um eine weitere Facette reicher. Die Positionen und Darstellungen zum Thema liegen unverändert weit auseinander. Brunsmeier hatte sich zuletzt auch im Umweltbeirat des Märkischen Kreises als Vertreter des BUND gegen das Vorhaben ausgesprochen. Die Stadt Halver hält unbeirrt am Ziel fest, im Westen der Stadt ein ökologisch hochwertiges Baugebiet zu realisieren.
„Er kauft alles für 700.000 Euro“
Die konkrete Information der Stadt in die Politik hinein im Wortlaut: „Herr Brunsmeier hat sich mit der Fraktionsspitze der SPD und dem BM getroffen. Dabei bot er alternativ an (von uns fachlich und inhaltlich unkommentiert hier einfach nur zitiert): 1.Er kauft alles für 700.000 Euro (z.T. finanziert von den Anwohnern des Vogelviertels) und wir bauen nichts. Gleichzeitig bietet die Stadt Wohnraum durch Vermittlung leerstehender Einfamilienhäuser mit Förderung für Umbau- und Renovierungsmaßnahmen in Höhe von 50.000 Euro an. 2. Wir lassen den „Gürtel“ weg und er „lässt von uns ab“.
„Das braucht kein Mensch mehr“
Brunsmeiers Überlegungen zu seinem Vorstoß: „Ein derartiges Baugebiet braucht kein Mensch mehr.“ Und lasse sich durch die Umwandlung in Magergrünland ein solcher finanzieller Vorteil über sogenannte Ökopunkte realisieren, solle dieses Geld „nicht im allgemeinen Haushalt verfrühstückt werden“, sondern könne gezielt zur Förderung von Wohnraum im Bestand beziehungsweise in der Nachverdichtung eingesetzt werden. Weitere Risiken sieht Brunsmeier mit der Erschließung auf den städtischen Haushalt zukommen mit Kosten von 100 bis 150 Euro pro Quadratmeter.
Kleinere Wohneinheiten möglich
Völlig anders bewertet dies aus stadtplanerischer Sicht Simon Thienel, zugleich Kämmerer der Stadt, der das Problem-Projekt von seinem Vorgänger Markus Tempelmann geerbt hatte. Laut jüngsten Aussagen werde Halver durch Kreis und Bezirksregierung als einziger Stadt im Kreis ein zusätzlicher Bedarf an Wohnraum bescheinigt. Günstiger Wohnraum entstehe zurzeit an mehreren Stellen. In Schillerstein und Herksiepe werde es damit möglich, sich auf kleinere Wohneinheiten zu beschränken, die mit weniger Versiegelung „wesentlich konfliktfreier umsetzbar“ seien, wie er an die Fraktionen schreibt.
Nächster Beschluss im November
Offiziell auf der Tagesordnung der Kommunalpolitik steht das Thema in diesem Monat nicht mehr. Der vorletzte Schritt im Verfahren ist der Entwurfsbeschluss zum Bebauungsplan, der im November gefasst werden könnte. Der Satzungsbeschluss, der Baurecht schaffen würde, wäre zum Anfang des kommenden Jahres zu erwarten.








