Ein Spielgerät, das Barrieren abbaut: Dank einer Förderung der LEADER-Region Ennepe.Zukunft.Ruhr gibt es auf dem Spielplatz im Park am „Alten Friedhof“ in Breckerfeld jetzt ein inklusives Spielgerät. Am Dienstag, 15. September, wurde das neue Sitzkarussell nahe des Windmühlen-Centers offiziell eingeweiht. 

Ein Wunsch aus der Bürgerschaft

Den Anstoß für das Projekt gab Simone Schulz. Sie wandte sich vor einiger Zeit an die Stadtverwaltung und schilderte, wie schwierig es in der Region ist, geeignete Spielplätze für Kinder mit Behinderungen zu finden.

„Breckerfeld hat so viele tolle Spielplätze, aber eben nicht mit inklusiven Geräten, die zum Beispiel von Kindern im Rollstuhl oder mit Spastiken genutzt werden können“, sagt sie als Mutter der sechsjährigen Ella, die von Geburt an sowohl körperlich als auch geistig beeinträchtigt ist. „Es liegt uns am Herzen, dass unsere Kinder auch dort spielen können.“

Die Reaktion der Stadt habe sie positiv überrascht. Ihr Anliegen sei unkompliziert und unbürokratisch aufgenommen worden. „Das hätte ich so nicht erwartet“, sagt Schulz an Bürgermeister André Dahlhaus gewandt. Dieser erklärt, dass die Stadt verschiedene Möglichkeiten geprüft und schließlich einen LEADER-Förderantrag unter dem Titel „Aufwertung des Freizeitangebots der Hansestadt Breckerfeld“ gestellt habe. Auch Bauamtsleiter Sven Eric Schulze sieht das Projekt als Beispiel dafür, was aus einem konkreten Bürgeranliegen entstehen kann: „Man muss einfach miteinander reden, und wir versuchen dann unser Möglichstes.“

20.635 Euro für mehr Teilhabe

Das neue Spielgerät kostet insgesamt 20.635,17 Euro. Davon übernimmt die LEADER-Förderung 14.444,62 Euro. Den restlichen Betrag sowie die Kosten für Erdarbeiten und Aufbau trägt die Stadt Breckerfeld.

Das Besondere: Das Sitzkarussell ist ebenerdig und hat zwei breite Einstiege, die auch mit Kinder-Rollstühlen bewältigt werden können. Als Sicherung dienen an den Einstiegen zwei Bügel und erst wenn diese als Verriegelung umgeklappt sind, kann das Karussell Fahrt aufnehmen. Bewegt wird es entweder von außen per Hand oder mithilfe des Lenkrads in der Mitte. Dahlhaus betont, dass das neue Angebot damit nicht nur Kindern mit Behinderungen zugutekommt. „Es steht allen Kindern offen.“ Und sei somit ein Ort, an dem Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam spielen können. 

„Förderung des gesellschaftlichen Miteinanders“

Ann-Kathrin Heck vom LEADER-Regionalmanagement hat das Projekt von der Antragstellung bis zur Umsetzung begleitet. „Wir wollen gemeinsam unsere Region stärken“, erklärt sie. Auch wenn über jede Förderung der Projektausschuss des Vereins „Ennepe.Zukunft.Ruhr“ entscheide und letztlich die Bezirksregierung Arnsberg diese Entscheidung mittragen und den Förderbescheid erteilen müsse, findet Heck, dass das neue inklusive Spielgerät im Park besonders gut zum LEADER-Gedanken passe: „Es ist ein wirklich gutes Beispiel dafür, für was LEADER steht: die Förderung des gesellschaftlichen Miteinanders.“ Das Gerät könne dabei helfen, Barrieren abzubauen und Kontakte zwischen Kindern zu fördern.

Vier Personen stehen hinter einem roten, runden Spielgerät, während ein lächelndes Mädchen im Rollstuhl im Vordergrund sitzt.
Ella glücklich, alle glücklich: (v.l.n.r.) Simone Schulz, Bauamtsleiter Sven Eric Schulze, Bürgermeister André Dahlhaus und LEADER-Regionalmanagerin Ann-Kathrin Heck bei der offiziellen Einweihung des Spielgeräts.
Foto: Satur

Für manche Familien sind solche Orte besonders wichtig

Wie viel ein solcher Spielplatz für Familien bedeuten kann, wurde bei der Einweihung deutlich. Simone Schulz aus Breckerfeld und Anne Breitkopf aus Hagen haben sich über den Hospizdienst Sternentreppe kennengelernt. Beide wissen aus eigener Erfahrung, wie schwierig es sein kann, geeignete Freizeitangebote für Kinder mit schweren Beeinträchtigungen zu finden.

Ellas Mutter Simone spricht offen über die Herausforderungen, die sich daraus auch bei alltäglichen Unternehmungen ergeben: „Man muss schon lange fahren, bis man einen Spielplatz findet, auf dem Ella nicht nur zuschauen kann.“ Dabei seien gerade für Familien mit beeinträchtigten Kindern Orte wichtig, an denen Kinder ausgelassen sein und mit ihren Eltern, Geschwistern und auch anderen Kindern gemeinsam eine schöne Zeit verbringen können.

Auch Julius, sieben Jahre alt, lebt mit einer Behinderung und einer lebensverkürzenden Krebserkrankung. Seine Mutter Anne Breitkopf kam mit ihm extra aus Hagen-Garenfeld zur Eröffnung — und konnte beobachten, wie Julius auf dem sich drehenden Spielgerät unbeschwert lachte. Nicht nur für ihn, auch für seine Mutter sind solche Momente besonders wertvoll.

Anne Breitkopf und ihr Sohn Julius sitzen lächelnd auf einem roten Spielgerät auf einem Spielplatz.
Anne Breitkopf und ihr Sohn Julius aus Hagen finden das neue Spielgerät auf dem Spielplatz in Breckerfeld klasse.
Foto: Satur

Und zum Abschluss ein Eis

Für Ella, Julius und ihre Mütter war die Einweihung am Dienstagnachmittag jedenfalls mehr als ein offizieller Termin. Es war eine Pause vom Alltag, eine Stunde unbeschwertes Lachen und die Möglichkeit, gemeinsame Zeit zu genießen. Nach ausgiebigem Spielen entstand dann sogar noch spontan eine Idee: „Sollen wir noch ein Eis essen gehen?“, fragte Simone Schulz. Und hatte auf Anne Breitkopfs zunächst skeptischen Blick eine einfache Antwort: „Das ist kein Problem, wir kommen von hier aus gut zu Fuß zur Eisdiele.“

Ein Eis zum Abschluss eines für Ella und Julius schönen Nachmittags – und ein kleiner Vorgeschmack darauf, was der Spielplatz künftig möglich machen soll: gemeinsame, unbeschwerte Zeit. Für alle Kinder.

Der Spielplatz mit dem inklusiven Sitzkarussell befindet sich in der Nähe des Breckerfelder Einkaufszentrums "Windmühlen-Center" im Park "Alter Friedhof", Ecke Frankfurter Straße/Windmühlenstraße. Er ist barrierefrei sowohl vom Parkplatz des Edeka-Getränkemarktes als auch vom Parkplatz am Marktplatz aus zu erreichen.