Bei uns allen wurde die Erwartungshaltung geweckt, dass wir wie im Jahr 2017 wieder in den Petersdom einmarschieren werden und dort auch ein – über mehrere Monate hinweg – einstudiertes Stück spielen werden (LokalDirekt berichtete). Doch spätestens am Freitagmittag war auch für das Organisationsteam um Hans-Peter Moch klar, dass wir enttäuscht werden. Bereits am Montag, 6. Mai, wussten die Hauptorganisatoren aus Bayern, dass wir nicht im Petersdom auftreten können. Doch dies teilten sie den Musikvereinen erst am Freitag mit – vermutlich damit die Motivation wenigstens bis zum Freitag bei allen hoch blieb. Aus meiner Sicht eine fatale Fehlentscheidung, denn die frustrierten Gesichter der Musiker sprachen Bände.
Auch Bürgermeister Michael Brosch möchte sich nun in einem Brief an den Papst wenden und sich stark vor allem für das Fanfarencorps, aber auch die weiteren Vereine, machen. Aber beginnen wir am Anfang:
Meine Geschichte mit dem Fanfarencorps Landsknechte Halver begann im vergangenen Jahr mit dem letzten Auftritt des Jahres in Bremen (LokalDirekt berichtete). Mit großer Euphorie unterzeichnete ich nur einige Tage nach dem Auftritt meinen Mitgliedsantrag, nachdem die Vereinsvorsitzende noch auf der Rückfahrt feststellte: „Du passt super zu uns“. Mit offenen Armen wurde ich von allen empfangen.
Schnell zeichneten sich die ersten Auftritte für das Jahr 2024 ab. Nach einigen Wochen war klar: wir fahren nach mehr als sieben Jahren wieder nach Rom und bekommen die sehr seltene Chance, im Petersdom in einer Heiligen Messe zu spielen und an den folgenden Tagen weitere Auftritte in der Nähe des Vatikans mitgestalten zu dürfen.
So machten wir uns nach Jahren des Wartens mit großen Erwartungen am vergangenen Mittwoch, 8. Mai, ab 17 Uhr vom Vereinsheim mit dem Bus auf in Richtung Süden. Nach mehr als 22 Stunden waren wir endlich in unserem Hotel angekommen und hatten einen Augenblick Zeit, um anzukommen und die Koffer auszupacken.
Eine im Anschluss stattfindende Generalprobe im Freien musste unser Dirigent David Schwarz nach nur 15 Minuten, wegen eines aufgetretenen Regenschauers, beenden. Am Abend machten wir uns auf zu einem Restaurant in der Nähe, verbrachten ein paar schöne Stunden und empfingen Bürgermeister Michael Brosch und seine Tochter Anna. Zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins hatten wir die Ehre, dass uns sogar das städtische Oberhaupt begleitete.

„Erwartungen in nur einer Minute begraben“
Am kommenden Morgen stärkten wir uns bei einem – aus meiner Sicht – zu süßen Frühstück mit Kuchen und Croissants. Fleisch und Wurst scheinen die Italiener wohl am Morgen für zu gesund zu halten. Nach einer kurzen letzten Probe machte sich eine erste kleine Gruppe, die sich um die Organisation der Fahrt kümmerte, gegen 11 Uhr auf den Weg zur Vorbesprechung der Heiligen Messe. Durch einen Zufall durfte ich direkt dabei sein und bekam die nun so entscheidenden Informationen aus erster Hand. Nicht mehr und nicht weniger als unsere gesamten Erwartungen wurden innerhalb von nur einer Minute begraben. Gremien der Vatikanstadt hätten entschieden, dass wir und auch die weiteren neun Musikvereine nicht wie gewöhnlich mit „Pauken und Trompeten“ in den Petersdom einziehen dürfen. 2017 war das fester Bestandteil und noch heute erzählen Vereinsmitglieder von diesem Erlebnis. Auch das einstudierte Stück – die „Karl Heinz Auel-Fanfare“ – solle nicht während der Heiligen Messe gespielt werden dürfen. Stattdessen sollten wir die Ehre bekommen durch die vatikanischen Gärten zu marschieren und dort unser Stück zu spielen.

Nur ein Verein darf spielen
Nach der Sicherheitskontrolle und dem Weg durch den „Hintereingang“ des Petersdom erlebten wir die Messe, die von Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst zelebriert wurde. Obwohl noch am Mittag in kleinerer Runde unter den Musikvereinen abgestimmt wurde, wer welches Stück während des Gottesdienst spielen darf, war es am Ende ein einziger Musikverein, der zum Zug kam. Und so zogen wir enttäuscht aus dem Petersdom aus. Ein Foto vor dem Altar wurde uns ebenso verwehrt. Die Besucher des Doms schauten ebenfalls etwas verwirrt in unsere Richtung.
Im Freien setzten unsere Trommler dann an, damit wir in Richtung vatikanische Gärten marschieren konnten. Auch hier: Nach kurzer Zeit der Abbruch. Immerhin durften wir dann doch die Karl-Heinz-Auel-Fanfare als Standspiel auf dem Weg zur Lourdesgrotte spielen. Der Wind machte uns zu schaffen und verwehte die Noten, die wir nur bei diesem Stück aufgrund der Komplexität zur Sicherheit mitgenommen hatten; die Unterstützung weiterer Musiker, die die Noten festhielten, kam wie ein Segen.
Polizei untersagt Konzert
Nach dem folgenden Marsch durch die Gärten, wo wir einige weitere Stücke dann doch spielen durften, kamen wir nach einiger Zeit wieder am Petersplatz an, wo wir erneut ein Stück zu unserem Besten gaben. Die Polizei wurde auf uns aufmerksam und untersagte uns ein „Konzert“. Unser obligatorisches Foto vor dem Petersdom durfte dann aber selbstverständlich nicht fehlen, bevor wir auch dann den Abend ausklingen ließen.

Spätestens am Ende des Tages war die Motivation der Gruppe aber – aufgrund der durchwachsenen Organisation und dem häufigen „Hin und Her“ zwischen Frustration und Erschöpfung – hin und her gerissen.
Neuer Tag, neues Glück
Neuer Tag, neues Glück. Kopf hoch. So starteten wir in den Samstag, der eine Parade am Petersplatz vorsah. Am Vormittag und Mittag hatten wir in Gruppen eingeteilt Zeit, um uns Rom anzuschauen. Schnell wurde ich zum „Navi“ meiner Gruppe, weil ich bereits am Vormittag zur Marathonvorbereitung rund 18 Kilometer durch die Innenstadt lief. Am Nachmittag trafen wir uns am Hotel, damit uns unser Bus zur Tiefgarage am Petersplatz bringen konnte. Aus der Tiefgarage marschierten wir direkt auf die Straße zum Petersplatz heraus. Wir durften, wie am vergangenen Tag, als erster Verein voraus marschieren. Doch auch hier gab es eine Änderung, denn aufgrund einer Baustelle war die Parade diesmal deutlich kürzer. Damit die Musikvereine nicht gegeneinander spielten, wenn man sich entgegenkam, weil man im Kreis lief, stoppten wir teilweise. Auch hier war nie wirklich klar, wann wer zu spielen hat und ob es gerade „gewünscht“ war.

Unvergesslich bleibt aber bestimmt der Marsch mit Blick auf den Petersdom und das Stück in der Tiefgarage vor der Abfahrt zur gemeinsamen Pastaparty. Die Ordner in der Tiefgarage forderten uns auf, direkt in den Bus zu gehen, aber unsere mitgereiste Dolmetscherin überzeugte sie mit einem kleinen Trick. Die Akustik und unser – zum Teil – aufgestaute Frust der vergangenen zwei Tage, machten diesen „kleinen Auftritt“ für einige zu einem Highlight, mindestens des Samstags.
Den Samstagabend ließen wir gemeinsam mit den Musikvereinen aus Bayern und Österreich ausklingen. Unsere Instrumente nahmen wir aus dem Bus direkt mit, weil auch hier gespielt werden sollte. Doch erneut erteilten uns die Organisatoren eine Absage: „Wir spielen hier nicht, weil die Nachbarn nicht gestört werden sollen“. Während des Essens, das für uns kostenfrei war, wurde nun über die vergangenen zwei Tage diskutiert und auch über den Auftritt am morgigen Sonntag. „Morgen könnt ihr auf jeden Fall nochmal auf dem Petersplatz spielen“, versicherte uns eine Organisatorin zum Trost. Doch zu groß war der Frust über die vergangenen Tage, das immer wieder aufkommende Gefühl, dass das Spielen unerwünscht ist und die durchwachsene Organisation. Noch am Abend entschied die Gruppe, in großen Teilen am Sonntag früher aufzubrechen und auf den Auftritt zu verzichten.
Wenn ich also nun nach einem Resümee gefragt werde, bleibt mir nur Folgendes zu sagen: Aus dem großen Highlight der Vereinsgeschichte wurden einzelne Highlights vor Ort, doch die immer wieder erfahrenen Enttäuschungen geben der Reise einen bitteren Beigeschmack, der auch im Nachgang leider nicht zu ignorieren ist.
Ein erstes Video zu den Auftritten findet sich auf der Facebookseite.
Fotogalerie zur Reise mit einigen Eindrucken aus Rom:





















































