Erst einmal Daumen hoch für die neue Projektseite. Sie ist gelungen, wirklich informativ und anschaulich. Wer möchte, kann sich umfassend über alle Themen rund um die Brücke informieren. Dort gibt es alles: von der Chronik der alten Lennebrücke über mögliche Formen des Neubaus bis hin zum aktuellen Stand der Planungen. Das Projekt wird deutlich transparenter. Es macht regelrecht Spaß, sich mit dem Neubau auseinander zusetzen.
Wer wieder vor der Brücke im Stau steht, wird unsanft geweckt. Eine ganze Region leidet unter dem Zustand. Betriebe und Einzelhändler haben zu kämpfen und über allen schwebt das Damoklesschwert „Ablastung“. Je länger die Brücke befahren wird, desto größer ist die Gefahr, dass es zu weiteren Schäden kommt, die zu einer Vollsperrung führen. 12.000 Autos sind es täglich. Seit der Sperrung der Rahmedetalbrücke wohl eher noch mehr.
Uwe Hell hat Recht, wenn er sagt, dass das langwierige Prozedere völlig unverständlich ist. Warum das Ganze so ist, ist inzwischen ein offenes Geheimnis: Es gibt Probleme mit einem Grundstückseigentümer, ohne den das ganze Verfahren überhaupt nicht erforderlich geworden wäre. Hätte er dem Verfahren zugestimmt, wäre die Lennebrücke ein „Fall unwesentlicher Bedeutung“ geworden und wie bei der Rahmedetalbrücke hätte kein Planfeststellungsverfahren sein müssen. Aber durch die vorgetragenen Bedenken, müssen die Bauherren für rechtliche Sicherheit sorgen. Dadurch erst wurde dieses lange Verfahren notwendig. Und es ist auch so, dass gegen den finalen Beschluss noch geklagt werden kann. Das würde wieder Monate – wenn nicht gar Jahre – dauern. Es bleibt die Frage des runden Tischs: Was wiegt mehr? Das Interesse eines Einzelnen oder das Interesse der gesamten Lenneregion?
Es gilt offenbar das bekannte Phänomen NIMBY: „Not in my backyard“ (nicht in meiner Nachbarschaft) – auch bekannt als das Sankt-Florians-Prinzip. Auf Wikipedia wird das Phänomen wie folgt beschrieben: „Der Ausdruck wird – meist in abwertender Weise – für Situationen oder Prinzipien verwendet, bei denen Teile der Bevölkerung bestimmte überregional bedeutsame Infrastruktur zwar grundsätzlich befürworten und oft auch selbst nutzen wollen, aber deren Errichtung in der Nähe des eigenen Wohnorts abgelehnt wird, weil die Personen selbst lokal Nachteile empfinden. Dabei wird nicht nach einer für die Bevölkerungsgesamtheit optimalen Lösung gestrebt, sondern lediglich einseitig versucht, die Nachteile für sich selbst zu verhindern und auf andere Bevölkerungsgruppen abzuwälzen.“
Es ist gewiss gut, dass es in Deutschland strenge Rechte gibt, das betonen auch immer wieder alle Projektbeteiligten. Aber: Alle regen sich über eine Haselmaus auf, die ihren Winterschlaf unter der Rahmedetalbrücke hält. Die Einwende für die Nachrodter Brücke sind nicht viel anders gelagert. Uwe Hell hat Recht, wenn er sagt, dass der Druck auf die Behörden erhöht werden muss. Aber es sind nicht nur die Mandatsträger gefragt, sondern alle, die eine neue Lennebrücke wollen und brauchen. Wenn nicht alle Akteure in der kleinen Gemeinde lauter werden, wird die Animation der neuen Brücke noch sehr lange eine virtuelle Träumerei bleiben.









