Da ist es wieder, dieses unerklärliche Iserlohn-Syndrom, dieses Kirchturmdenken unter dem Danzturm. Seit der kommunalen Neuordnung im Jahre 1975 sitzen die Bösen für die Waldstädter in Lüdenscheid – beim Märkischen Kreis, um genau zu sein. Das gilt übrigens für die Verwaltung ebenso wie für die Politik. Ja, Iserlohn hat damals seinen Status als Kreisstadt verloren. Den Altkreis Iserlohn gibt es nun einmal nicht mehr. Das sollte jetzt endlich mal akzeptiert werden.
Iserlohn wird künftig also auch über seinen zugegeben stattlichen Kreisumlagen-Beitrag hinaus auch an der Finanzierung der Kosten für das Klinikum in Lüdenscheid mit herangezogen. Wobei man doch selbst (noch) zwei Krankenhäuser hat – das Elisabeth-Hospital und das Bethanien-Krankenhaus. Das Letmather Marienhospital ist leider seit 2019 nicht mehr – das hatte der Kreis per Kreistagsbeschluss bekanntlich dicht gemacht. Im Kreistag sind übrigens auch reichlich Vertreter der Stadt Iserlohn. Viele von denen hatten aus guten Gründen für die Schließung gestimmt.
Und ein Blick in die Vergangenheit sei erlaubt. War es nicht der Kreis, allen voran der damalige CDU-Kreisfraktionsvorsitzende Heinrich Bickmann aus Oestrich, der das Marienhospital vor dem Zugriff der Katholischen Kirche und des Elisabeth-Hospital-Rendanten Siepermann gerettet hat?
Nun kommen also die ewig gestrigen Kirchturmpolitiker wieder aus der Deckung. Sie wittern einmal mehr Ungemach aus Lüdenscheid. Die wissen natürlich selbst: Der Kreis hat eine Ausgleichsfunktion. Alle 15 kreisangehörigen Städte und Gemeinden tragen über die Kreisumlage dazu bei – übrigens nur zu einem Teil. Die Kreisumlage deckt bei weitem nicht den gesamten Kreisetat – auch wenn in der Öffentlichkeit von manchen Stadtkämmerern immer so getan wird. Der dickste Brocken sind die Sozialausgaben – von denen profitieren auch die Einwohnerinnen und Einwohner von Iserlohn.
Nur mal so: Der Kreis ist Träger des Berufskollegs an der Hansaallee in Iserlohn – die wohl größte Schule im Kreis – der Carl-Sonnenschein-Schule in Sümmern. In Sümmern investiert er gerade 2,7 Millionen Euro. An dieser Summe sind über die Kreisumlage auch Meinerzhagen, Kierspe, Plettenberg, Werdohl etc. beteiligt.
Die massiven Verluste der MVG werden auch von allen abgedeckt. Die „roten Zahlen“ werden auch in Iserlohn-Hennen, Iserlohn-Drüpplingsen und sogar in Iserlohn-Letmathe eingefahren, obwohl die Linie 1 als „Schokoladenlinie“ der MVG gilt. Lebensmittelkontrolle, Kreisgesundheitsamt, Veterinärwesen und, und, und – deren Mitarbeitende des Kreises werden auch in Iserlohn aktiv.
Und noch etwas: Einer der größten Gewerbesteuerzahler Iserlohns ist die Abfallentsorgungsgesellschaft des Kreises. Deren Müllheizkraftwerk hatte der Kreis übrigens mit der Kommunalen Neuordnung übernommen. Die MVA ist quasi ein Teil der Aussteuer für die kommunale Hochzeit gewesen. Um die Anlage umweltfreundlich zu machen, wurden über die Jahrzehnte mehrere Hundert Millionen DM investiert.
Davon profitiert haben die Menschen in Iserlohn – speziell in der Iserlohner Heide und in Windrichtung der Abgasfahne auch in Menden. Man erinnere sich mal an die Schlagzeilen, in denen die Vergiftung der Menschen mit Dioxinen beklagt wurden. Mit bezahlt haben die Optimierung auch Lüdenscheid, Kierspe, Meinerzhagen, Plettenberg, Neuenrade – alle 15 eben.
Fazit: Wer mit ausgestrecktem Zeigefinger auf andere weist, auf den weisen mindestens drei Finger auf ihn selbst.
Der Kommentar bezieht sich auf diesen Artikel, der am 10. März bei LokalDirekt erschienen ist.









