Mehr als 100 Fahrzeuge und weit über 2.000 ‚Püppchen‘ besitzt Jörg Jansen, dazu ungezählte Kleinteile wie Werkzeuge, Kopfbedeckungen, Zäune und andere Accessoires, mit denen sich seine „Playmobil“-Sammlung realistischer zu einem Szenario aufbauen lässt.
Nicht nur für die Vitrine
Das Besondere an seiner Sammlung: Alles steht im Zusammenhang mit dem Thema Feuerwehr. Und das nicht nur, weil Jansen selbst bis vor einigen Jahren aktiv im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Iserlohn tätig war und daher eine Vorliebe für Leiterwagen & Co. hat. Er setzt seine Spielzeuge nämlich zudem auch im Rahmen der Brandschutzerziehung in Schulen oder Kindergärten und auch bei Planspielen der ‚richtigen‘ Feuerwehr ein.

Umbau Marke „Eigenerfahrung“
Im Jahr 2006 habe er hobbymäßig angefangen, speziell die „Playmobil“-Feuerwehrsachen zu sammeln und sie schon kurz darauf eingesetzt, um Kindern damit zu erklären, was bei einem Einsatz passiert oder worauf sie in einer Notsituation achten müssen. „Dabei hatte ich allerdings öfters die Situation, dass das Spielzeug oder die Fahrzeuge nicht ganz an die Realität heran reichten oder der Hersteller bestimmte Fahrzeuge zum Beispiel gar nicht im Programm hatte“, erzählt Jansen.

Rücksprache mit dem Hersteller
Also habe er angefangen, andere „Playmobil“-Fahrzeuge so umzubauen, dass sie den realen Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr optisch und ausstattungsmäßig mehr entsprechen. „Natürlich darf man ein Markenprodukt nicht einfach so verändern“, betont Jansen.
Er habe daher Kontakt zum Hersteller aufgenommen und diesem erklärt wozu er das (umgestaltete) Spielzeug verwenden möchte: „Die Auflage von Playmobil war, dass alle Veränderungen weiterhin kindgerecht sein müssen.“ Sprich: Gewaltszenen oder grausame Szenarien dürfen mit der Marke „Playmobil“ nicht er- oder dargestellt werden.
Also machte sich Jansen daran, sein Feuerwehr-Fachwissen auf das Kinderspielzeug zu übertragen: „So wurde beispielsweise aus einem Campingbus ein Einsatzleitungswagen und aus einer Handtasche ein Defibrillator.“ Letzterer war ihm besonders wichtig, in sein „Playmobil“-Einsatzszenario einzubinden.
Eigene Erlebnisse eingebunden
Denn die dargestellte Situation, wie zwei Sanitäter einem am Boden liegenden Menschen das Leben retten, hat er selbst vor einigen Jahren erlebt: „Ich bin kurz vor einem Einsatz in der Wache mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen und habe nur dank des schnellen Handelns meiner Kameraden und der Sanitäter überlebt“, erzählt Jörg Jansen.
Auch das gehöre zur Brandschutzerziehung: „Den Kindern und Erwachsenen erklären, dass schnelles Reagieren wichtig und lebensrettend ist.“

Einsätze mit „Playmobil“ theoretisch durchspielen
Nicht ohne stolz berichtet Jörg Jansen, dass seine „Playmobil“-Feuerwehr auch bei der „echten“ Feuerwehr geschätzt und zu Lehrzwecken benutzt werde: „Aus dem ganzen Kreis und darüber hinaus erhalte ich Anfragen, ob ich meine Sammlung für Planspiele zur Verfügung stellen könne.“

Die Feuerwehr erarbeite sich nämlich für theoretische Übungen Einsatzsituationen, die Jörg Jansen dann mit seinen Fahrzeugen und Figuren nachstellt: „Anhand dieser Planspiele können die Kameraden dann mehrere Vorgehensweisen besprechen und durch Versetzen oder Verschieben der Teile beurteilen, welche Vor- und Nachteile diese Maßnahmen am tatsächlichen Einsatzort hätten.“
Innenminister angetan von Jansens Thematisierung
Auch sonst könne sich der Iserlohner nicht über mangelndes Interesse an seiner Sammlung beklagen. Er stelle übrigens auch nicht nur bei Feuerwehrfesten aus, auch bei den Hemeraner Sicherheitstagen Anfang Juni sei er mit seiner „Playmobil“-Landschaft gewesen: „Unser NRW-Innenminister Herbert Reul hat sich meine Ausstellung angesehen und war sehr angetan von den unterschiedlichen dargestellten Themen.“

Appell für mehr Respekt
Denn Jörg Jansen, der noch immer der Unterstützungseinheit der Iserlohner Wehr angehört, möchte mit seiner Sammlung nicht nur aufklären, sondern auch zu mehr Respekt gegenüber den – oft ehrenamtlichen – Einsatzkräften aufrufen.
Auf einer selbst gebastelten Drehscheibe hat er daher – ähnlich einem ‚Wetterhäuschen‘ – „Playmobil“-Figuren in Uniform und Zivil geklebt und appelliert mit einem kleinen Plakat: „Hinter jeder Uniform steckt auch ein Mensch.“
Mehr als ’nur‘ Spielzeug
Menschen aufklären und Wissenswertes rund ums Thema Feuerwehr teilen, das ist das Hauptanliegen, das Jörg Jansen mit seiner Sammlung verfolgt. Gut zwei Stunden benötige er, bis eine Ausstellung mittlerer Größe realistisch aufgebaut sei. „Auch wenn es für manche vielleicht ’nur‘ Spielzeug ist: Wenn dadurch auch nur ein Leben gerettet werden kann, weil anhand von ‚Playmobil‘-Püppchen erklärt wurde, was im Notfall zu tun ist, dann hat sich jeder Aufbau gelohnt.“









