Standing Ovations für Martina Schnerr-Bille und ihr 20-köpfiges Ensemble. Mit der Premiere ihres neuen Theaterstücks „Die Sache mit dem Apfelbäumchen“ trafen sie den Nerv des Publikums im ausverkauften PZ der Gesamtschule.
Vorausgegangen waren gut zweieinhalb Stunden Alltag im Altenheim „Zur letzten Oase“. Martina Schnerr-Bille hatte ihrem Team Rollen und Szenen auf den Leib geschrieben, was auch die Länge des Stücks erklärt. Für das Publikum, überwiegend gesetzteren Alters, war der Abend wie eine Vorschau auf ihr künftiges Leben im Seniorenheim. Nur: so amüsant und kurzweilig wie das Stück am Samstagabend, 21. Februar, dürfte die Realität kaum werden.
Im Zentrum stehen die „fünf Freunde“, ein Bastler und Tüftler mit Bodenhaftung, ein etwas oberlehrerhaft wirkender Mitbewohner und zwei kulturell interessierte Damen nebst „Fiffi“. Die Nummer fünf: eine mit Fell gesäumte Handtasche einer der Damen. Das Team, angelehnt an Enid Blytons „Fünf Freunde“ betätigt sich gerne auch detektivisch. Zudem gibt es Tratsch, Eifersüchteleien zwischen den Bewohnern, Liebeleien zwischen Personal und unter Kindern der Bewohner, die zu Besuch kamen, Klagen über das Essen, fehlende Privatsphäre, drohenden Stellenabbau wegen neuer Sparmaßnahmen. Eine Tochter versucht, sich vorzeitig das Erbe zu sichern, scheitert aber an der Pfiffigkeit ihrer Mutter. Die beklagt öfters, dass ihr Sachen wegkommen, was andere ihrer Tüddeligkeit zuschreiben. Der naheliegende Verdacht: Anfänge von Demenz.
Witzig und skurril: Gebiss-Tausch
Da passt es, dass der „Zivi“ Gebisse eingesammelt, aber vergessen hat, die Besitzer zu kennzeichnen. Die wohl skurrilste Szene: die Bewohner tauschen auf offener Bühne reihum die Gebisse, bis alle wieder auf den eigenen Zähnen kauten. Die „etwas prätentiöse“ Tante der neuen Heimleiterin, die meinte als „Freifrau von Ahrensburg, geschiedene von Großstetten-Habach, verwitwete Valenthern, geborene Kornelius“ „was Besseres“ zu sein, setzt sich in Szene, wird aber von den Bewohnern generös eingenordet. Denn: „Jeder verdient eine zweite Chance.“ Und mit Hilfe des TV-Formats „Bitte melde dich!“ findet Bastler Manfred nach Jahrzehnten seine Tochter wieder.
Als der pflegerische Notstand droht, stehen alle zusammen, versuchen durch eine Fete Geld für den Förderverein zu generieren. Lebensweisheiten wie „Wenn wir wollen, dass es den Alten gut geht, müssen wir uns selbst kümmern“ oder „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ werden zu Handlungsanleitungen, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Mit Line-Dance-Auftritt, Erzählcafé, Repair-Station, Musical-Songs bringen sich alle ein, ziehen Alt und Jung an einem Strang, um die Lage zu verbessern. So wird in 150 Minuten aus der Einrichtung „Zur letzten Oase“ die „Residenz zum fidelen Apfelbaum“ getreu dem lutherschen Motto, nicht zu verzagen, selbst aktiv zu werden, die Hoffnung nicht aufzugeben.
Ein höchst unterhaltsamer Abend, den das Publikum wiederholt mit Szenenapplaus garniert. – Lohn für eine überzeugende schauspielerische Leistung der Laiengruppe, die bei kleinen Hängern professionell die Klippen umschifft, gekonnt, charmant und gänzlich „unprätentiös“ agiert. Ein extra Lob gab es für Luise (13), die als jüngste Teilnehmerin kurzfristig die Rolle einer Pflegerin einnehmen musste und das souverän meisterte. Der Schlussapplaus im Stehen: hochverdient. Ein Geschenk der Akteure für Martina Schneer-Bille, ein Zeichen der Wertschätzung für die Stückeschreiberin und Regisseurin, der, wie allen, die Erleichterung und Freunde nach der rundum gelungenen Premiere anzumerken war.
Weitere Termine:
- 4. März. Meinerzhagen, Ev. Gymnasium
- 9. März: Halver, Anne-Frank-Gymnasium
- 18. März: Schalksmühle, Kulturort 8Giebel
- 22. März: Historische Brennerei, Rönsahl.
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