In 35 Metern Höhe bewegen sich derzeit die Arbeiter der Firma powerlines. Ihr Blick von dort oben fällt auf die ausgetrocknete Waldlandschaft zwischen Halver und Schalksmühle. Gut zu erkennen ist zudem die Brandfläche, die vor rund drei Wochen im Oedenthal in Flammen stand. Hinter ihnen liegt Halverscheid, vor ihnen das Hälvertal. Ihr Arbeitsplatz: Ein Hochspannungsmast der 110.000 Volt-Leitung des Versorgers Enervie.
Vor rund zwei Wochen begannen die umfangreichen Seilzugarbeiten an der 110-kV-Hochspannungsfreileitungstrasse „Halver 2/3/6“ von Schalksmühle-Stephansohl bis zum Ortsteil Siepen in Halver – LokalDirekt berichtete. Im Auftrage der Enervie Vernetzt GmbH sind die Profis von powerlines am Zuge, Isolatoren und Armaturen auf insgesamt 13 Masten der 1970 gebauten Hochspannungstrasse zu erneuern. Die Arbeiten in luftiger Höhe erstrecken sich auf einer Gesamtlänge von über 4,6 Kilometern.
„Die Austauscharbeiten finden präventiv statt“, erklärt Werner Wasmuth, Projektleiter Hochspannung bei der Enervie. Witterungseinflüsse und die Gebrauchsdauer seit nunmehr 50 Jahren hätten nun eine Erneuerung zur Folge. „Wir lassen den Zustand der Seile in einem Labor in Frankfurt regelmäßig untersuchen.“

Die umfangreichen Arbeiten an der Trasse in Halver stellen die Firma powerlines vor topografische Herausforderungen: Auf den zum Teil steilen Hängen muss nicht nur die Arbeitsbühne, auf der die Arbeiter an den Trassen arbeiten, gesichert und mit festem Stand abzustellen sein, auch das Material muss jeden Morgen auf den Berg hinaufgeschafft werden. Das Baulager befindet sich während der Arbeiten im Gewerbegebiet Oeckinghausen.
Und auch wenn die Arbeiten an einer Hochspannungsfreileitungstrasse für den Laien fast schon gefährlich aussehen: Die powerlines-Mitarbeiter wissen, was sie tun. „Die sind extra geschult; hochspezialisierte Monteure“, weiß Wasmuth. Wichtigste Voraussetzung für die Arbeiten: „Man muss schwindelfrei und stark sein“, sagt powerlines-Bauleiter Markus Granitza. „Und auch schon mal einen Regenschauer in Kauf nehmen können.“ Denn: Gearbeitet wird bei nahezu jedem Wetter; ob 30 Grad und Sonne – wie in den vergangenen Tagen – oder Regen.
Nur bei einer Wetterlage werden die Arbeiten an einer Trasse sofort unterbrochen: Gewitter. Minutiös werden die Wetterdaten im Großraum überwacht. „Sollte sich im Einzugsbereich der Trasse ein Gewitter abzeichnen, werden wir schnell“, sagt Ibis Ceyhan, Projektleiter bei powerlines.

Video: Kämper/LokalDirekt
Enervie Vernetzt investiert nach eigenen Angaben rund 2,1 Millionen Euro „zur Sicherung und Aufrechterhaltung einer zuverlässigen Stromversorgung in der Region“ in diese Maßnahme. Die Erneuerungsmaßnahme soll bis Mitte Dezember 2022 abgeschlossen sein. Insgesamt installiert Enervie Vernetzt hierbei rund 27,5 Kilometer neue Leiterseile.
Das Projekt „Beseilung Trasse Halver 2/3/6“ im Überblick:
- Baubeginn: Ende August 2022
- Bauende: Dezember 2022
- Investitionsvolumen: circa 2,1 Millionen
- 13 beseilte Masten (Baujahr 1970)
- geplante Seilerneuerung: 4,65 Kilometer
- aufgelegte Seillänge: circa 27,5 Kilometer
Hintergrund: Das Hoch- und Mittelspannungsnetz der Enervie Vernetzt
Die Enervie Vernetzt GmbH versorgt in ihrem etwa 1.000 km2 umfassenden Netzgebiet in Hagen, Herdecke und der Märkischen Region über 500.000 Einwohner in insgesamt 19 Städten und Gemeinden mit Strom. 27 Umspannwerke dienen als zentrale Einspeiseknotenpunkte im rund 200 Kilometer langen Hochspannungs-Freileitungsnetz auf der 110-Kilovolt (kV) und 220-kV-Ebene.
Die hier installierten Transformatoren sorgen dafür, dass die Spannung von der Hoch- auf die Mittelspannungsebene von 110 kV (=110.000 Volt) auf 10 kV (= 10.000 Volt) heruntergespannt wird. Über ein engmaschiges Kabelnetz von rund 7.700 Kilometern Länge und zahlreiche 10-kV-Stationen gelangt der Strom schließlich auf Niederspannungsebene von 400 Volt beziehungsweise 230 Volt zum Endverbraucher.










