Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. Zwei Stunden nonstop drehte sich am Mittwochabend, 28. Januar, alles ums „Happy End“. Autor Florian Schroeder stellte, im Gespräch mit Matthias Bongard, sein gleichnamiges Buch vor, um zu zeigen: „Warum du ohne Glück glücklicher bist“.
Zum Auftakt ein kurzer Blick auf die Biografie des Autors, der eine Kindheit hatte, in der es „auch mal glückliche Momente“ gab, der früh eine Bühnenkarriere startete, weil er mit seinem komischen Talent eine Chance sah, seiner Außenseiterrolle zu entfliehen. Er wollte „mit Unterhaltung möglichst viele Leute“ erreichen. Und hatte schnell Erfolg. Schroeder (46), spitzzüngig, filigraner Sprach-Jongleur, machte Karriere als Satiriker, Stimmen-Imitator, Autor, Kabarettist. – Glück gehabt.
Ein Beispiel für Glück – aber auch für dessen Ambivalenz. Glück kann man haben, als Rubbellos-Gewinn oder wenn einem kein Eiszapfen auf den Kopf fällt. Glück ist aber auch ein Gefühl. Im Englischen „happiness“ oder nur „luck“ wie beim Lotteriegewinn. Glück hat viele Facetten.
„Glück und Politik – enge Verwandtschaft“
Auf das Thema war Schroeder in einer Bahnhofsbuchhandlung gestoßen – glückverheißende Magazine en masse. Dem Thema wollte er nachgehen, den „Glücksirrsinn mal beleuchten“. Von einer Esoterik-Messe („Eine Welt, die man gesehen haben muss!“) nahm Schroeder mit, „dass die Karten so aussagekräftig wie ein Auto-Quartett sind“. Beim Live-Coaching (5000 € für drei Tage) entdeckte er sektenhafte Züge. Klienten würden bei dem „Konglomerat aus seriösen Teilen und Spiritualismus“ für ihre Probleme selbst verantwortlich gemacht. Beim Kuschelkurs war ihm schnell klar, dass das nicht sein Glücksmoment sein würde. Und bei den Finnen, statistisch in der Top-Liga der glücklichsten Menschen, werde die Zufriedenheit gemessen, nicht das Glück. Aber: Eine top Infrastruktur, geringes Wohlstandsgefälle und kaum Neid, lernte er, sind eine gute Ausgangslage, um Glück zu finden. Schroeders Fazit nach seiner Recherche-Reise zu den vermeintlichen „Glück-Hotspots“: „Die, die Glück versprechen, leben ja davon, dass die Kunden es nicht finden.“
Glück, ein vermeintlich privates Thema, sei hochpolitisch. Die Mechanismen, Kunden oder Wähler zu finden und zu binden, sind die gleichen. Mal ist es das Glücks-Versprechen, mal das von Freiheit und Wohlstand. Aber: Verantwortlich sind immer die anderen. Für Matthias Bongard, top vorbereiteter Moderator, ein „Glücks-Versprechen durch Angst machen“: Und Freiheit „gibt es am Ende nur für die, die sich unterwerfen“, schlägt Schroeder den Bogen zur „fundamentalistischen Religiosität“. Mit Apps wie „Hallow“ zeigten amerikanische Katholiken, wie man „mit Beten noch Geld verdienen kann“. Zugleich sei eine Armee von Christen dabei, „die USA zu einem Gottesstaat zu machen“. Trump und seine Hintermänner, wie Vizepräsident JD Vance und die Millionenspender aus der Tec-Branche, inszenierten sich dabei erfolgreich als Glücksbringer, gut vernetzt mit den Populisten hierzulande.
Überraschendes Format
Ein politischer Schluss, ein ernstes Thema. Am Ende werde es lustig, hatte Bongard eingangs versprochen. Und da zeigte Florian Schroeder noch mal seine komische Klasse. Auf Zuruf imitierte er aus dem Stand Promis wie die Linken-Chefin Heidi Reichinnek, Moderator Markus Lanz, Bayern-König Markus Söder und Ex-Minister Peer Steinbrück – großes Kino, großer Applaus.
Mal fragend, mal mit eigenen Statements, immer ernsthaft am Thema, auch mal hintergründig und kalauernd hatten sich Bongard und Schroeder die Stichworte zugespielt, Glücksmomente beleuchtet. Die 130 Besucher in der Aula des Evangelischen Gymnasiums überraschte das kongeniale Duo mit einem neuen Format. Die Mischung aus Gespräch, Talk-Show-Elementen, kleinen Spitzen, Lese-Passagen und Zettel-Lotterie, bei der Schroeder Zitate ziehen und sich dazu positionieren musste, war neu, überraschend. Mit dem Thema „Glück“ und den beiden Akteuren ist der Buchhandlung Schmitz und der Stadtbücherei ein Glücksgriff gelungen. Dass Florian Schroeder schon bald erneut zu Gast sein könnte, dürfte viele Besucher beglücken.









