Interview.

Seit dem 8. Januar steht fest, wer den Posten der Geschäftsführung bei den SGSH Dragons besetzt und damit die Nachfolge von Mathias Perey antritt. Mit Rick Behnke-Schoos übernimmt nun ein junger Mann die Führung der Handballer aus Schalksmühle und Halver. Im Interview mit LokalDirekt stellt sich der 29-Jährige selbst, seine Aufgaben im Verein sowie die Ziele für die Zukunft vor.

LokalDirekt: Du warst vier Jahre beim HSV Hamburg im Bereich Digital und Medien aktiv. Was hat dich motiviert, die Aufgabe bei der SGSH zu übernehmen?

Rick Behnke-Schoos: Ich bin im Sommer letzten Jahres beim HSV ausgeschieden. Danach hatte ich ein halbes Jahr lang nichts Konkretes und habe mir Gedanken darüber gemacht, wie es für mich weitergehen soll. Eigentlich war mein Plan, mich im Medienbereich selbstständig zu machen. Ich habe auch einige Freelance-Angebote bekommen, die mich gereizt haben. Dafür brauchte ich allerdings einen Steuerberater – und da ist mir Mirco Schmale eingefallen, der sportliche Leiter der SGSH, der auch eine Steuerkanzlei hat. Ich kannte ihn noch von früher und habe ihn einfach angerufen. In diesem Gespräch kam dann von ihm die Idee und die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, wieder etwas für die SGSH zu machen.

Zu dem Zeitpunkt war auch schon klar, dass Mathias Perey aufhört, richtig?

Genau, zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass er bei den Dragons aufhören würde. Ich habe Mirco Schmale dann gesagt, dass ich mir die Aufgabe bei der SGSH grundsätzlich vorstellen kann. Es gab allerdings eine Sache, die ich von der ersten Sekunde an betont habe: Aufgrund familiärer Gründe kann ich nicht komplett nach Halver ziehen.

Deine Lebensgefährtin wohnt ebenfalls in Hamburg?

Ja, meine Freundin wohnt auch in Hamburg. Ich bin dort sehr verwurzelt. Da ich bei der SGSH nur 30 Stunden pro Woche angestellt bin, kann ich auch noch einige andere Aufgaben von Hamburg aus erledigen. Das passt ganz gut.

Im Januar war ich in Halver fast drei Wochen vor Ort, im nächsten Monat wird das etwas weniger sein. Dann werde ich voraussichtlich etwa anderthalb Wochen rund um die Heimspiele hier sein. Bei den Auswärtsspielen bin ich in Hamburg und schaue die Spiele von zu Hause aus — so ist auch die Absprache. Meine Termine in Halver und Schalksmühle nehme ich dann alle wahr, wenn ich hier bin.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

In den ersten drei Wochen hing ich eigentlich nur am Telefon und in Meetings. Ich habe mich natürlich zunächst bei allen vorgestellt und mit sehr vielen Leuten gesprochen — darüber, was in der Vergangenheit passiert ist und was in Zukunft passieren soll. Relativ schnell bin ich dann auch in sportliche Themen reingerutscht, habe mich mit unseren Spielern beschäftigt und Gespräche geführt, insbesondere im Hinblick auf die neue Saison.

Gerade aufgrund der sportlichen Situation müssen wir sowohl für die dritte als auch für die vierte Liga planen. Parallel dazu sind wir im Hintergrund dabei, die Struktur des Vereins neu aufzusetzen, weil wir einige Dinge verändern und weiter professionalisieren wollen.

Welche Dinge haben sich seit deinem Amtsantritt denn bereits verändert?

Ich habe mir zuerst, da das auch mein Fachgebiet ist, die Social-Media-Kanäle unter die Nägel gerissen. Wir haben jetzt zwei Accounts — einen für die Profis und einen weiteren für die anderen Teams. Das gehört für mich zu einem professionellen Auftritt dazu, und da wollte ich einfach eine Veränderung reinbringen. Unser Bufdi Claas Vollmer leitet den EV-Account, und ich betreue den Account der ersten Mannschaft. Das macht mir am allermeisten Spaß, und das habe ich in den vergangenen vier Jahren auch mit großer Leidenschaft gemacht.

Und welche Veränderungen sollen in Zukunft noch folgen?

Ich möchte den Verein in seiner gesamten Organisation und Arbeitsweise professioneller aufstellen. Auch im Sponsoring wollen wir Veränderungen anstoßen, uns breiter aufstellen und weitere Unterstützung gewinnen. Vieles läuft hier über persönliche Kontakte, und genau dort möchten wir ansetzen und versuchen, Sponsoren auch über Schalksmühle und Halver hinaus zu gewinnen. So etwas passiert aber nicht von heute auf morgen — das braucht Zeit und ist ein längerer Prozess. Aktuell haben die sportlichen Themen aber die höchste Priorität.

Die Dragons sind sieben Punkte von einem Nicht-Abstiegsplatz entfernt. Du kannst zwar nicht direkt ins Geschehen eingreifen — wie willst du trotzdem dazu beitragen, den Abstieg zu verhindern?

Es ist eine wahnsinnig große Aufgabe, vor der wir gerade stehen. Ich kann das Geschehen zwar nicht auf dem Feld beeinflussen, aber ich versuche natürlich, meinen Teil abseits des Platzes beizutragen. Ich stehe für viele Gespräche zur Verfügung und habe jederzeit ein offenes Ohr für die Jungs. Mit dem Trainer bin ich fast täglich im Austausch. Wir haben jetzt außerdem einen neuen Co-Trainer gewonnen, der unser Trainerteam weiter unterstützen wird.

Über die gesamte Saison hinweg begleitet uns zudem eine Verletzungsmisere. Auch da schauen wir genau hin, woran es liegt, und versuchen, die Ursachen aufzuarbeiten. An so vielen Stellschrauben kann ich dann generell aber nicht drehen. Ich kann viel mit den Jungs sprechen, beim Training präsent sein und meine Unterstützung anbieten.

Inwiefern könnt ihr den Kader für die nächste Saison planen, wenn noch nicht klar ist, in welcher Liga die Mannschaft im kommenden Jahr spielt?

Es muss mit jedem Spieler gesprochen werden, da es natürlich einige gibt, die in der dritten Liga bleiben wollen. Mit anderen sind wir bereits in guten Gesprächen, sodass sie auch unabhängig von der Ligazugehörigkeit bei den Dragons bleiben würden. Wir hoffen, sehr bald die ersten Vertragsverlängerungen verkünden zu können.

Glaubst du noch an den Klassenerhalt?

Die Situation ist, wie sie ist, und wir müssen sie so annehmen. Ich habe weiterhin ein gutes Gefühl. Sieben Punkte Rückstand das ist eine Mammutaufgabe. Aber es gibt noch genügend Spiele. Die Zeit rennt, aber ich werde nicht den Kopf in den Sand stecken, das hilft nicht. Es ist noch alles möglich, und solange alles möglich ist, werde ich weiterhin an den Klassenerhalt glauben.

Über den Führungswechsel bei der SGSH berichtete LokalDirekt am 8. Januar 2026: