Es herrschte eine lockere Atmosphäre in der Lüdenscheider Phänomenta. Dabei ging es um nichts weniger als die Zukunft der Arbeit in der Bergstadt. „In diesem Raum entsteht heute Zukunft“, sagte Holger Moeser, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) am Donnerstag bei der Eröffnung des zweiten zweitägigen GRIND-Event in Lüdenscheid.

GRIND ist die Abkürzung von Gründung, Innovation, Du. Grind bedeutet übersetzt aber auch hart schuften, sich plagen oder mühselige Arbeit leisten. Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter gestandene Unternehmer, Vertreter erfolgreicher Startups und Menschen, die noch ihr eigenes Unternehmen gründen wollen, kamen am Donnerstag und Freitag zum Austausch von Ideen und Erfahrungen in der Phänomenta zusammen.

Kerstin Escher und Felek Lacroix, die Damen vom SEG-Empfangskomitee.
Foto: Wolfgang Teipel

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer sprach in seinem Grußwort von einer „extrem schwierigen Zeit“, in der GRIND „ein starkes Zeichen für den Wirtschaftsstandort Lüdenscheid“ setze. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit Angst keine Zukunft gestalten können.“ Daher brauche es mutige und zuversichtliche Gründer. Das neue Veranstaltungsformat sei eine ideale Plattform zum Netzwerken. Das hätten die Reaktionen auf die Veranstaltung im vergangenen Jahr gezeigt.

Auch Jörg Marré,  Geschäftsführer des Entwicklungs- und Gründerzentrums (EGC) an der Lutherstraße ist von der GRIND-Idee überzeugt. Das EGC sei zudem ein wichtiger Ansprechpartner für alle, die eine Unternehmer-Laufbahn starten wollen.

Wie schwierig sein kann, berichtete am Donnerstag Hans Christian Hoffmeister. Der 36-Jährige Lüdenscheid stieg 2024 in das Traditionsunternehmen Schrauben Betzer ein. Die Übernahme fiel in eine herausfordernde Phase. Das Unternehmen befand sich kurz nach seinem Einstieg in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung aus dem es gestärkt hervorgegangen ist. Er sagte: „Wir können Krise und in der Krise steckt immer auch eine Chance.“

Hans Christian Hoffmeister von Schrauben Betzer: „Wir können Krise und in der Krise steckt immer auch eine Chance.“
Foto: Wolfgang Teipel / LokalDirekt

Unternehmertum bedeute vor allem, Verantwortung für die die Mitarbeiter und ihre Familien zu übernehmen.  „Tradition ist zwar das Fundament, aber keine Strategie.“ Authentizität und Transparenz seien wichtige Faktoren für den Erfolg. Seit Anfang 2026 ist er Geschäftsführer der Schrauben Betzer GmbH & Co. KG und treibt die technologische Modernisierung sowie die schrittweise Unternehmensnachfolge voran.

Technik Abi ist Millionen bekannt

Einen anderen Weg ins Unternehmertum schilderte Yusuf Kara alias „Technik Abi“. Als Technik Abi ist er einem Millionenpublikum auf Social-Media-Plattformen wie Tiktok oder YouTube bekannt. Dort teilt er einfache und unterhaltsame Tech-Tipps, Tricks und digitale Trends. Außerdem ist er Co-Founder der Giveaway-App Verloso. Im Interview mit Dirk Weiland berichtet er von seinem Weg in die Selbstständigkeit. Seinen Manager fand er, wie er schmunzelnd berichtet, auf ungewöhnliche Weise or einigen Jahren auf der Spielemesse GamesCom. Ein Kumpel habe ihn heimlich eingeschleust. „Manchmal führen eben auch ungewöhnliche Wege zum Erfolg“, sagte er. Inzwischen kommen Werbepartner auf ihn zu. So richtig zufrieden ist Technik Abi mit seinen Reels, wenn sie mindesten  500.000-mal angeklickt werden. Wie sieht der Job eines Content Creators wirklich aussieht, erläuterte Yusuf Kara später im Workshop. Hier zeigt5e er, wie seine Videos entstehen, was hinter Reichweite und viralen Videos steckt, wie man mit Social Media Geld verdienen kann und welche Seiten des Berufs man von außen oft nicht sieht. „Ich arbeite eigentlich den ganzen Tag“, zerstörte er die Illusion vom lässig-lockeren Influenzer-Leben.

Von der Erzieherin über die Journalistin zur Selbstständigkeit mit einem eigenen Podcast: Verena Bender im Gespräch mit Dirk Weiland.
Foto: Wolfgang Teipel / LokalDirekt

Die Podcasterin und Personal-Branding-Expertin Verena Bender, eine gebürtige Lüdenscheiderin, sprach im Interview mit Dirk Weiland über ihren beruflichen Weg von der Erzieherausbildung über Stationen in Medienhäusern und der PR-Branche bis zu ihrer heutigen Tätigkeit. Sie ist Host des Podcasts „Be your Brand“ .Nach dem Ende ihrer Elternzeit will sie sich im nächsten Jahr offiziell selbstständig machen. Für sie bot GRIND daher auch die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen.

130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich für die zweitägige Veranstaltung in der Phänomenta angemeldet.
Foto: Wolfgang Teipel / LokalDirekt

Weitere Themen am ersten Tag waren unter anderem Gründen im Handwerk,  Businessplan-Erstellung oder Frauen in Selbstständigkeit.

Auch der Freitag war gespickt mit Gründerstorys. Darüber hinaus ging es um Fördermöglichkeiten für Startups. Reiner Walter von der GWS erläuterte, was bei der Übernahme bestehender  Unternehmen zu beachten ist.

Jörg Günther vom Kunststoff-Institut Lüdenscheid sprach über drei Lektionen aus 30 Jahren Innovationspraxis, das Silicon Valley und die Suche nach den Talenten von morgen und lieferte einen ehrlichen Blick auf Chancen, Irrtümer und Erfolgsfaktoren aus 30 Jahren Innovationspraxis zwischen Mittelstand, Start-ups und globalen Tech-Konzernen.

 

 

 

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