Beßler zieht Jahresbilanz und erklärt Fernbleiben bei der Feuerwehr

Bürgernähe, Veränderungen im Rathaus und die knappen Finanzen prägen Ralf Beßlers Rückblick auf sein erstes Jahr als Plettenberger Bürgermeister. In einer Videoansprache wirbt er um Unterstützung für städtische Projekte. Zugleich nimmt er Stellung zur Kritik an seiner Abwesenheit bei der Verabschiedung der bisherigen Feuerwehrführung.
Ralf Beßler sieht die Stadtverwaltung auf dem richtigen Weg, vermisst aber den finanziellen Spielraum für notwendige Veränderungen. In einer gut 16 Minuten langen Facebook-Ansprache zieht der Bürgermeister Bilanz seines ersten Amtsjahres und blickt auf kommende Aufgaben. Aufgenommen hat er das Video nach eigener Angabe am 4. November – ein Jahr nach seinem ersten Arbeitstag im Rathaus.
„Ich habe dieses Amt lieben gelernt“, sagt Beßler. Besonders der unmittelbare Kontakt mit den Bürgern gebe ihm Kraft und Motivation. Er wolle ein offener Bürgermeister sein, der zuhöre und sich persönlich um Anliegen kümmere. Deshalb habe er seine direkten Kontaktdaten veröffentlicht und sei unter anderem per WhatsApp, SMS und E-Mail erreichbar. Probleme wolle er möglichst schnell und unbürokratisch angehen. Gesetze und Verordnungen setzten dabei allerdings Grenzen.
Rathaus soll personell verstärkt werden
Innerhalb der Verwaltung sieht Beßler Fortschritte. Bürger berichteten ihm von freundlichen Mitarbeitern und zügiger Hilfe. Er schätzt, dass die Beschwerden im vergangenen halben Jahr auf weniger als zehn, möglicherweise sogar weniger als fünf Prozent zurückgegangen seien. Eine Bezugsgröße für diese Angaben nennt er in der Ansprache nicht.
Zugleich beschreibt der Bürgermeister die Personaldecke im Rathaus als dünn. Er verweist auf personelle Veränderungen und hofft, die beiden Beigeordnetenstellen bald besetzen zu können. Mit dieser Verstärkung solle die Verwaltung im kommenden Jahr besser aufgestellt sein.
Beßler spricht auch über seine zwischenzeitliche Erkrankung. Nach einer Operation wegen Prostatakrebs am 10. September sei er zunächst ins Homeoffice und anschließend ins Rathaus zurückgekehrt. Inzwischen ist er nach eigener Aussage wieder vollständig gesund und einsatzfähig.
Bewusstes Fernbleiben bei der Feuerwehr
Ausführlich geht Beßler auf die Kritik an seiner Abwesenheit bei der Verabschiedung dreier verdienter Feuerwehrangehöriger ein. Er nennt dabei ausdrücklich den bisherigen Wehrleiter Markus Bauckhage. Sein Fernbleiben sei eine bewusste Entscheidung gewesen.
Im ersten Amtsjahr habe es Probleme mit der Feuerwehr gegeben, die er so nicht erwartet habe, erklärt Beßler. Hinzu seien organisatorische Schwierigkeiten gekommen. Welche konkreten Vorgänge er meint, erläutert er nicht. „Mit mir kann man nicht spielen“, sagt der Bürgermeister. Er habe einen offenen, vernünftigen und ehrlichen Umgang vermisst und deshalb für sich eine Grenze gezogen.
Gleichzeitig betont er seine Wertschätzung für die Feuerwehrangehörigen. Seine Entscheidung habe sich nicht gegen die Kameraden gerichtet. Deren täglichen Einsatz für die Sicherheit in Plettenberg hebt er ausdrücklich hervor. Bei einer Bürgerversammlung gegen Ende des ersten Halbjahres 2027 soll die Feuerwehr nach seiner Ankündigung ein wesentliches Thema sein.
Bürger sollen bei Projekten mitarbeiten
Als zentrales Hindernis für die Stadtentwicklung nennt Beßler die finanzielle Lage. Aus seiner Sicht stellen Bund und Land den Kommunen nicht die Mittel zur Verfügung, die diese für ihre Aufgaben benötigen. Die Verwaltung allein könne deshalb zahlreiche Vorhaben weder personell noch finanziell umsetzen.
Beßler erinnert an Unterstützungsangebote aus seinem Bürgermeisterwahlkampf und bittet die Bürger, sich nun bei ihm zu melden. Mitarbeit wünscht er sich unter anderem beim Sportvereinskonzept, bei der Innenstadtentwicklung, bei Kirchenprojekten, einer Spendengala, dem Wochenmarkt und Stiftungen. Nach seinen Angaben hat er dafür bereits Konzepte ausgearbeitet. Interessenten möchte er Anfang 2027 ansprechen, um die Ideen gemeinsam weiterzuentwickeln und möglichst umzusetzen.
Mit den begrenzten kommunalen Handlungsmöglichkeiten begründet Beßler auch die Gründung seiner Partei Bürgerauftrag Deutschland. „Die Entscheidungen fallen in Berlin und nicht in Plettenberg“, erklärt er. Er wolle deshalb auch auf Landes- und Bundesebene Veränderungen erreichen. Zunächst strebe seine Partei den Einzug in den nordrhein-westfälischen Landtag an. Für eine Bundestagswahl nennt er eine Mehrheit von mehr als 50 Prozent als Ziel. Zugleich kritisiert er die etablierten Parteien und warnt vor einem weiteren Erstarken von AfD und Linken.
Mehr Raum für Fragen und Anliegen
Für die nächste Bürgerversammlung in der Aula in Böddinghausen kündigt Beßler mehr Zeit für Fragen, Sorgen und Anregungen an. Bei der ersten Veranstaltung seien die Wortbeiträge der Bürger möglicherweise zu kurz gekommen. Das wolle er bei der zweiten Auflage ändern.
Zum Abschluss wirbt der Bürgermeister für eine stärkere Beteiligung an den örtlichen Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Nationalsozialismus. Er würdigt das Engagement von Rüdiger Drallmeyer und wünscht sich insbesondere mehr Schüler bei den Veranstaltungen an den Stolpersteinen. Drallmeyer hatte zuletzt am 31. Oktober an Jakob Kurth erinnert. Nach Beßlers Ankündigung soll am Montag, 9. November, an der Wilhelmstraße 24 an Alice Sternberg erinnert werden. Dort liegt ihr Stolperstein.
Quelle: Videoansprache von Ralf Beßler







