Südwestfalen ist wirtschaftlich für Karl-Josef Laumann eine besondere Region. Er muss es wissen, schließlich ist er Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen.

„Südwestfalen hat ein landesweites Alleinstellungsmerkmal – 50 Prozent der Arbeitsplätze sind hier in der Industrie. Der Durchschnitt im Land liegt bei 25 Prozent“, so Laumann im Lüdenscheider Kreishaus. Hier schlage das industrielle Herz Nordrhein-Westfalens. In der Bergstadt fand die fünfte von insgesamt sechs landesweiten Arbeitsmarktkonferenzen statt. Dazu waren 22 Unternehmer, Vertreter von Sozialpartnern, der Wirtschaftsförderung, Verbänden, Politik und weiterer Arbeitsmarktakteurinnen und -akteure gekommen. Organisiert worden war sie von der Regionalagentur Märkische Region.

Strukturwandel im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Zusammenkunft standen die Auswirkungen des industriellen Strukturwandels auf Beschäftigung und Fachkräftebedarf. „Südwestfalen ist eine starke Industrieregion mit vielen mittelständischen Unternehmen, die seit Generationen für gute Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stärke stehen. Gleichzeitig stehen gerade die Automobilzulieferindustrie, der Maschinenbau und die Metallverarbeitung unter erheblichem Veränderungsdruck. Digitalisierung, neue Technologien und die Transformation der Automobilindustrie verändern die Anforderungen an die Beschäftigten. Unser Ziel muss sein, die Menschen bei diesem Wandel mitzunehmen, ihre beruflichen Perspektiven zu sichern und Fachkräfte möglichst in der Region zu halten. Dafür müssen wir frühzeitig wissen, welche Qualifikationen künftig gebraucht werden und wie wir Unternehmen und Beschäftigte im Wandel unterstützen können“, so Arbeitsminister Karl-Josef Laumann.

Gute Berufschancen

Südwestfalen gehöre zu den am stärksten industriell geprägten Regionen Nordrhein-Westfalens, betonte der Minister anschließend noch einmal vor den Medienvertretern. Der Anteil der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe liege mit rund 36 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt, Automobilzulieferindustrie, Metall- und Maschinenbau sowie Elektrotechnik dominieren die regionale Wirtschaft. „Es ist wichtig, dass die Eltern ihren Kindern bei deren Berufswunsch auch die Metall- und Elektronindustrie empfehlen“, so Laumann. Dort gebe es sehr innovativ aufgestellte Unternehmen. Die Nachrichten aus der Branche seien nun einmal so wie sie sind. Dennoch ist Laumann sicher: „Es gibt gute Berufschancen. Maschinenführer werden noch lange gebraucht.“

Fachkräfte weiter gefragt

In einigen Kreisen der Region nehme die Arbeitslosigkeit zu und der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sinke, gleichzeitig gebe es Nachfrage nach Fachkräften, sodass die Sicherung qualifizierter Arbeitskräfte und die Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen zentrale Herausforderungen bleibe, auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Alterung in der Beschäftigungsstruktur. „Wir erleben, dass auf der einen Seite industrielle Arbeitsplätze unter Druck geraten, während Unternehmen auf der anderen Seite weiterhin qualifizierte Fachkräfte benötigen. Deshalb müssen wir stärker darauf schauen, wie Beschäftigte durch Weiterbildung neue Perspektiven erhalten können – möglichst, bevor Arbeitslosigkeit entsteht. Dafür brauchen wir einen engen Austausch zwischen Unternehmen, Arbeitsverwaltung und den regionalen Partnern“, so Laumann weiter.

Es gibt viel Zuversicht

Dirk Strangfeld, Geschäftsführer der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit, spürte „viel Zuversicht“ bei der Konferenz.  „Südwestfalen ist gleichzeitig stark vom Wandel der Arbeitswelt geprägt. Unternehmen entwickeln daher ihre Geschäftsmodelle neu und passen Prozesse und Strukturen an. Für die Beschäftigten ergeben sich somit neue Kompetenzanforderungen.“ Fachkräfte, da ist sich Strangsfeld sicher, werden auch in Zukunft gesucht. „76.000 von ihnen verlassen in den nächsten fünf Jahren den Arbeitsmarkt. Grund ist die Demografie“, so der Agentur-Chef. Die Unternehmen erwarten von ihren Mitarbeitenden, dass sie ihre Kompetenzen erweitern und so Veränderungen aktiv mitgestalten. Durch die unternehmens- und beschäftigtenbezogene Transformation gewinne das lebenslange Lernen und damit die berufliche Aus- und Weiterbildung noch mehr an Bedeutung. Jetzt sei eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Betrieben, Schule und Arbeitsagentur erforderlich.

Ausbildung breiter anlegen

Ziel müsse eine breit angelegte Ausbildung der angehenden Fachkräfte sein, so Minister Karl-Werner Laumann. „Das Durchschnittsalter der Auszubildenden im ersten Lehrjahr beträgt heute 21 Jahre. Es gibt 300 verschiedene Ausbildungsberufe.“ Es dürfe nicht mehr sein, dass sie nur auf einen Arbeitgeber speziell ausgerichtet werde. Laumann: „Qualifizierung und eine gute Bildungslandschaft sind wichtig.“ Südwestfalen sei hier gut aufgestellt, machte er den lokalen Akteuren Hoffnung. „Wir müssen über alle Themen reden, die wir selber beeinflussen können“, so der Minister. Dazu gehöre auch der Bürokratieabbau und dass die überbordenden Berichtspflichten in der Landesregierung abgeschafft gehören. „Wenn man sie will, muss das künftig gut begründet sein“, so Laumann. Weiterer wichtiger Punkt: „Die Stromsteuer gehört abgeschafft. Wir müssen alles tun, damit der Strompreis runter geht.“

Arbeitslosigkeit vermeiden

„Als Arbeitsagentur können wir Unternehmen, Beschäftigte, Arbeitsuchende sowie die jungen Menschen bei ihrem Eintritt in das Berufsleben gezielt beraten und unterstützen. Der heutige Austausch mit den Arbeitgebenden lieferte uns weitere wertvolle Informationen darüber, wie Ausbildungs- und Qualifizierungsinhalte in der Zukunft aussehen könnten und wie wir gemeinsam die Angebote in der Region noch besser an den Bedürfnissen der Unternehmen und der Menschen in Südwestfalen ausrichten können. Am besten ist, Arbeitslosigkeit entsteht gar nicht erst“, erklärte Dirk Strangfeld.

Turbo für digitale Strategie

„Die starke Metall- und Elektroindustrie in der Märkischen Region ist von der aktuellen Wirtschaftskrise getroffen, insbesondere die Automobilzulieferindustrie. Gleichzeitig steht der demografische Wandel in den Betrieben erst am Anfang. Wir brauchen daher jetzt Innovationen und einen Turbo für digitale Strategien“, meinen Özgür Gökce und Christian Lepping, Geschäftsführer Arbeitgeberverbände in der Märkischen Region. Die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte sei eine zentrale Voraussetzung für die digitale Transformation.

Region für die Zukunft fit machen

Fabian Ferber, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis: „Unsere Industrieregion befindet sich in einem Wandel. Einerseits stellen wir fest, dass mehrere Tausend Industriearbeitsplätze verloren gegangen sind. Andererseits melden viele Betriebe offene Stellen, insbesondere im Fachkräftebereich. Wenn wir hier die Lücke nicht geschlossen bekommen, drohen weitere Verlagerungen und Stellenabbau. Wir müssen unsere Industrieregion für die Zukunft fit machen. Dazu gehört es, jede Möglichkeit für Aufstieg und Qualifikation zu nutzen und Chance zu bieten.“

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