Die Schüler der neunten und zehnten Klassen der Humboldtschule trafen sich im Rahmen des Leselust-Festivals in der Aula zum Karaoke-Lesen.

Ein Speed-Dating mit Büchern nennt Schauspieler Frank Sommer die Aktion Leselust, die vom Rotary-Club Meinerzhagen finanziert wird. Schüler der Humboldtschule bekamen über die Veranstaltung die Möglichkeit, sich mit verschiedensten Büchern aktiv auseinanderzusetzen, die sie im Anschluss auch käuflich erwerben konnten.

"Wir wollen sie auf die neuesten Bücher aus dem Genre Young-Adult oder New-Adult aufmerksam machen", nennt Lehrerin Jenny Schmolz eine Intention für die Aktion, die in diesem Jahr zum dritten Mal an der Schule stattfand.

"Wie ist es, wenn man die Worte in den Mund nimmt", verbildlicht Sommer die Idee, die hinter dem lauten Lesen steht. "Ruft das Lesen dann bei Euch Lust hervor?", fragt der Schauspieler.

Den Anfang machte er mit dem Text eines Buches, aus dem er einige Stellen so vorbereitet hat, dass sie, je nach farblicher Darstellung, einzeln oder gemeinsam gelesen werden sollten.

Dieser erste Versuch endete allerdings damit, dass Frank Sommer fast doch zum alleinigen Vorleser wurde. Nur einige wenige schüchterne Stimmen der Schüler trauten sich, ihren Part zu lesen. "Das war ein Anfangsversuch. Aber ich habe ja gesehen, dass ihr wenigstens mitgelesen habt", machte er den Schülern Mut. Ein wenig überzeugendes "Ja" aus dem Publikum sollte seine Auffassung bestätigen.

Tatsächlich meldeten sich zwei der 150 anwesenden Schüler, als Sommer zwei Vorleser suchte, die sich trauten, auf der Bühne einen Vorlesepart zu übernehmen. Ausgesucht hatten sie sich das Buch "Bodyguard" von Chris Bradford. Angesprochen vom Cover des "schönen Mannes mit der Brille" wollten sie dort gerne einmal reinschnuppern. Mit Hilfe von Frank Sommer, der ihnen mit fett gedruckten Verben Hinweise auf die richtige Betonung der Schlüsselstellen gab, lasen sie einen Ausschnitt der actionreichen Geschichte vor und ließen sich auch nicht durch die Unruhe im Auditorium stören.

Damit sich für den nächsten Lesedurchgang weitere Vorleser fanden, durften die beiden ersten Schüler die nächsten Kandidaten vorschlagen. Nach einigem Zögern fanden sich dann auch zwei Mutige, die sich auf die Bühne trauten.

Sie suchten sich "22 Bahnen" von Caroline Wahl als Vorleseobjekt aus. "Obwohl ich Bodyguard auch geil gefunden hätte", relativierte einer der Protagonisten seine Wahl. Dennoch lasen sich beide tapfer durch die Textpassagen. Sie trauten sich immerhin, lauter zu lesen als die Gesamtzahl der Schüler, deren Rolle der "Ida" ziemlich stumm ausfiel.

Nach den ersten dreißig Minuten der Veranstaltung stieg die Unruhe unter den Schülern merklich und auch die Vorleser waren noch nicht von den Vorteilen des Lesens überzeugt. Die Frage Sommers, ob sie das Buch auch kaufen würden, verneinten beide ganz klar. "Es hat mir schon gefallen, aber ich bin halt kein Leser, auch wenn es spannend zu sein scheint", hieß es.

Kleine Koordinationsprobleme gab es, als beim Ausschnitt aus "Was wir dachten, was wir taten" von Lea-Lina Oppermann gleich vier Schüler gemeinsam vorlesen wollten. Einige Teile des Textes sollten auch von der Gesamtheit der Schüler gelesen werden, was anfangs gar nicht und zum Schluss hin nur von den ersten Reihen verstanden und gemacht wurde. Das nahm der an sich dramatischen Geschichte einiges der Spannung.

Grölender Applaus begleitete Sarah und Melek, die sich als nächste Leser nach vorne trauten. "Vergissmeinnicht" lautete der Titel von Kerstin Giers Buch, auf das ihre Wahl fiel. Ihnen half Sommer mit dem Hinweis, dass langsames und betontes Lesen sie tiefer in die Geschichte hineinfühlen lässt. Mit großen Gesten wies er sie auf die zu betonenden Stellen hin.

Zum Schluss des Karaoke-Lesens wurde auch in das Buch von Fußball-Weltmeister Christoph Kramer hineingelesen. Die vorgetragene Liebesgeschichte "Das Leben fing im Sommer an" konnte die Schüler dann aber gar nicht mehr fesseln. Die Unruhe in der Aula, die von Sommer zwar wahrgenommen, aber als nicht destruktiv beschrieben wurde, stieg stetig an.

Mit einem Applaus-Barometer versuchte der Schauspieler zum Schluss der Veranstaltung noch zu eruieren, ob der Vormittag dazu beigetragen habe, das Interesse am Lesen zu stärken oder sogar überhaupt zu wecken. Der verhaltene Beifall und die Tatsache, dass keines der vorgestellten Bücher verkauft werden konnte, lassen erahnen, dass der Erfolg nur als mäßig bezeichnet werden kann.

Wie Frank Sommer die Veranstaltung beurteilte, berichtet er LokalDirekt in einem kurzen Interview:

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