Seit Samstag, 28. Dezember, sind sie wieder im Handel erhältlich: Feuerwerkskörper, Raketen und Batterien. Die Schlangen vor den Discountern, Supermärkten und Baumärkten waren bereits am frühen Morgen lang. Traditionell wird mit dem Feuerwerk um Mitternacht in der Silvesternacht der Jahreswechsel gefeiert. Das laute Knallen und die bunten Lichter sollen Glück für das kommende Jahr bringen. Wild-, Haus- und Nutztiere können durch die Geräusche und das grelle Licht jedoch stark gestresst werden.
Kauhölzer zur Ablenkung für die Tierheim-Hunde
„Wir rechnen in den nächsten Tagen mit vielen Fundtieren“, erklärt Lina Schuliers, stellvertretende Leiterin des Tierheims Dornbusch. „Die Knallerei beginnt ja schon einige Tage vor Silvester, sodass viele Katzen entlaufen oder Hunde sich vom Halsband losreißen.“ In der Silvesternacht selbst sei vom Personal niemand vor Ort. Das Tierheim liege recht abgelegen und die Geräuschkulisse daher überschaubar. Dennoch: „Unsere Hunde bekommen zur Ablenkung Kauhölzer, damit sie beschäftigt sind.“
„Meinen Hund kann ich daheim beschützen, mein Pferd nicht“
Tanja Göbel, erste Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Halver, wünscht sich einen „sensitiveren Umgang der Menschen mit dem Thema.“ So sei es am vergangenen Wochenende bereits vorgekommen, dass Jugendliche gezielt Böller in Richtung der Pferdekoppeln warfen. „Wahrscheinlich aus Gedankenlosigkeit und weil sie keinen Zugang zu Tieren haben“, sagt Tanja Göbel.

Pferde seien Fluchttiere und gerieten deshalb bei lauten Geräuschen besonders schnell in Panik. Daher bereite der Verein sich auf die Neujahrsnacht entsprechend vor: „Es wird sowohl tagsüber als auch um Mitternacht jemand von uns im Stall sein, um die Pferde zu beruhigen.“ Von den Anwohnern rund um den Hof wünscht sie sich, dass sie „an die Lebewesen denken, die sich vor dem Lärm erschrecken.“ Und dabei, so betont sie, auch einen Blick auf die Tiere in ihrem persönlichem Umfeld haben: „Viele Katzen laufen von daheim weg und lassen sich tagelang nicht blicken, auch hier wäre ein sensibler Umgang schön. Meinen Hund kann ich daheim beschützen, mein Pferd nicht.“
„Feuerwerk an Waldwegen grenzwertig“
Auch Timm Lösenbeck vom Hegering Schalksmühle schaut besorgt auf die Silvesternacht: „Die Rückzugsmöglichkeiten von Wildtieren werden sowieso schon immer weniger.“ Deshalb hält der Jäger das Zünden von Böllern an Waldrandgebieten nicht nur für grenzwertig, sondern sogar für gefährlich: „Durch Feuerwerk aufgeschreckte Tiere können auf die Straße rennen und dort Unfälle verursachen.“
Tipps für Haustierhalter
Der Deutsche Tierschutzbund warnt ebenfalls vor den Folgen der Silvesternacht für Haus-, Wild- und Nutztiere. Und hat auf seiner Homepage einige Tipps für Haustierhalter zusammengestellt, um Angst und Panik zu minimieren. So sollten Haustiere bestenfalls gechippt und registriert sein, damit ihre Besitzer notfalls rasch ermittelt werden können. Außerdem wird empfohlen, Hunde an den Tagen um den Jahreswechsel herum an der Leine zu lassen und durch Halsband und Geschirr doppelt abzusichern.

Katzen sollen laut dem Deutschen Tierschutzbund am besten im Haus bleiben – bei geschlossenen Fenstern und heruntergelassenen Jalousien. Hintergrundgeräusche wie Musik oder ein laufender Fernseher könnten der Ablenkung dienen, außerdem sollten sich die Tierhalter möglichst in der Nähe aufhalten und sich dabei möglichst souverän verhalten, um keine Unsicherheit zu vermitteln – übermäßiges Streicheln beunruhige die Tiere eher.









