Wie schnell ein Mensch aus dem Blickfeld eines Fahrzeugführers verschwinden kann, haben die Drittklässler der Grundschule an der Spormecke am Dienstag, 16. September, selbst erlebt. Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche stand für die Schüler eine praktische Übung zum Thema „Toter Winkel“ auf dem Programm.

Mitten auf dem Schulhof wird es unsichtbar

Die Europäische Mobilitätswoche ist eine Kampagne der Europäischen Kommission, die seit 2002 Kommunen in ganz Europa dazu einlädt, nachhaltige Mobilität vor Ort erlebbar zu machen. Auch die Grundschule an der Spormecke beteiligte sich wieder an der Aktion.

„Wir machen bei der Europäischen Mobilitätswoche eine Visualisierung des toten Winkels, um den Kindern zu zeigen, wie gefährlich es im Straßenverkehr sein kann und wie viele Personen tatsächlich im toten Winkel verschwinden“, erklärt Silvia Gonzales, Fachbereichsleiterin Bürgerdienst und Soziales, der Stadt Schalksmühle.

Dafür kamen die Schüler der Klassen 3a und 3b in drei kleineren Gruppen nacheinander auf den Schulhof zwischen Schule und Feuerwehrgerätehaus. Dort wartete bereits ein Feuerwehrauto der Löschgruppe Hülscheid an der Spormecke.

Schritt für Schritt aus dem Blickfeld

Die Übung war für die Kinder schnell verständlich: Die markierten Bereiche rund um das Feuerwehrauto zeigten den toten Winkel. Während sich ein Kind auf den Fahrersitz setzte, näherten sich die anderen Schüler dem Fahrzeug Schritt für Schritt. So konnten sie selbst beobachten, ab welchem Punkt ihre Klassenkameraden für den Fahrer nicht mehr zu sehen waren.

„Wir machen diese Aktion seit vier Jahren“, erzählt Gonzales. Im vergangenen Jahr habe die Veranstaltung aufgrund der Wahl pausiert. In diesem Jahr wurde das Konzept angepasst: Statt mit der gesamten Klasse wurde in kleineren Gruppen gearbeitet. „So sind es nicht zu viele Kinder und wir können besser auf sie eingehen“, sagt Gonzales.

Sicherheit im Straßenverkehr

Im Mittelpunkt steht die Sicherheit der Kinder – sowohl auf dem Schulweg als auch im Alltag. Gerade an der Spormecke ist das Thema präsent: Die Schule liegt unmittelbar an der Heedfelder Straße, über die täglich viel Verkehr zwischen Lüdenscheid und Schalksmühle fließt.

Besonders gefährlich könne der tote Winkel beim Abbiegen größerer Fahrzeuge sein: „Was wirklich schlimm ist, ist, wenn Lkw links abbiegen wollen“, erklärt sie. Auch technische Hilfsmittel könnten nicht jedes Risiko ausschließen. Rückfahrkameras seien beispielsweise längst nicht in allen Fahrzeugen vorhanden.

Für Gonzales ist deshalb auch das Verhalten der Kinder entscheidend. „Wichtig ist es auch, dass man zu Hause immer wieder mit den Kindern übt“, sagt sie. Dazu gehöre etwa, beim Überqueren einer Straße nicht sofort loszugehen, sondern zunächst aufmerksam zu beobachten.

Vorbereitung auf die Fahrradausbildung

Auch für den Unterricht ist die praktische Erfahrung hilfreich: „Das ist zur Vorbereitung auf die Fahrradausbildung schon gut“, sagt Janik Ilsen, Klassenlehrer der 3a. Besonders wertvoll sei dabei, dass die Kinder nicht nur theoretisch über den toten Winkel sprechen, sondern ihn tatsächlich selbst erleben können.

„Für die Kinder ist es toll, wenn sie etwas zum Anfassen haben“, sagt Ilsen. „In einem Wagen zu sitzen und das zu erleben, ist für die Kinder auch mal etwas anderes“, ergänzt Anja Borchardt aus dem Mobilitätsbereich der Schule.