Mit der Präsentation von Arbeiten des 1895 in Frankfurt geborenen Malers Ernst Geitlinger widmet sich die Städtische Galerie Lüdenscheid einer Position des künstlerischen Aufbruchs der Nachkriegszeit. Im Dialog mit Werken der Städtischen Galerie und der Kunststiftung Lüdenscheid wird der individuelle Weg Ernst Geitlingers deutlich.

Die Ausstellung mit dem Titel „Ernst Geitlinger – Form und Farbe“ wird am Freitag, 10. Juli, um 19 Uhr in den Museen der Stadt Lüdenscheid eröffnet. Anschließend ist sie bis zum 11. Oktober zu sehen. Sie entstand in Kooperation mit Kümmel Gallery als Hauptleihgeber und dem Edwin Scharff Museum/Städtische Sammlungen Neu-Ulm. Hier liegt der Nachlass des Malers, den seine Frau Marianne der Kultureinrichtung überlassen hat.

Vertreter der klassischen Moderne

Ernst Geitlinger (1895–1972) zählt zu den bedeutenden Vertretern der klassischen Moderne in Deutschland. Sein künstlerisches Schaffen war geprägt von einer konsequenten Auseinandersetzung mit Farbe, Licht und Komposition sowie von der Suche nach einer eigenständigen Bildsprache, die sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion bewegte.

Geboren in München, erhielt Geitlinger seine Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste und entwickelte früh ein Interesse an den avantgardistischen Strömungen seiner Zeit. Begegnungen mit den Werken des Expressionismus, des Kubismus und der französischen Moderne hinterließen deutliche Spuren in seinem Werk, ohne dass er sich einer bestimmten Stilrichtung dauerhaft unterordnete. Stattdessen verfolgte er konsequent seinen eigenen künstlerischen Weg.

Kulturellen Neuanfang mitgestaltet

Die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts beeinflussten Geitlingers Lebensweg nachhaltig. Während der Zeit des Nationalsozialismus gerieten moderne Kunstauffassungen zunehmend unter Druck. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Geitlinger zu jener Generation von Künstlern, die den kulturellen Neuanfang in Deutschland aktiv mitgestalteten. Sein Werk gewann in den Nachkriegsjahren zunehmend an Anerkennung und wurde in zahlreichen Ausstellungen präsentiert.

Farbe war bei Ernst Geitlinger ein eigenständiges Ausdrucksmittel.
Foto: Wolfgang Teipel / LokalDirekt

Charakteristisch für Geitlingers Malerei ist der sensible Umgang mit Farbe als eigenständigem Ausdrucksmittel. Landschaften, Stillleben und Figuren dienten ihm häufig als Ausgangspunkt für eine zunehmend freie, von rhythmischen Farbflächen und ausgewogenen Kompositionen bestimmte Bildgestaltung. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre aus, in der Naturbeobachtung und formale Reduktion eine harmonische Verbindung eingehen.

Nachfolgende Künstlergenerationen geprägt

Neben seiner Tätigkeit als Maler wirkte Geitlinger auch als Lehrer und prägte damit nachfolgende Künstlergenerationen. Sein Einfluss reichte über das eigene Werk hinaus und machte ihn zu einer wichtigen Persönlichkeit der deutschen Kunstlandschaft des 20. Jahrhunderts.

Heute gilt Ernst Geitlinger als eigenständiger Vertreter der Moderne, dessen Œuvre den Übergang von der klassischen gegenständlichen Malerei zu einer zunehmend abstrakten Bildauffassung eindrucksvoll dokumentiert.

Neben seinen Werken sind in der Ausstellung Arbeiten von Bernd Damke, Walter Dexel, Axel Dick, Werner Glöfeld, Hannes Grosse, Georg Karl Pfahler, Lothar Quinte, Jürgen Reipka, Heinrich Siepmann, Jesús Rafael Soto und Helmut Sundhaußen zu sehen. Sie zählen zu den Vertretern der konstruktiv-abstrakten Strömungen, die seit den 1960er Jahren mit Farbe, Fläche und klar abgegrenzten Bildzonen arbeiteten.