Ja, sie hat für die Wahlrechtsreform gestimmt. Nicht etwa, weil es der Gesetzentwurf der Regierungskoalition aus Bündnis 90/Die Grünen, FDP und eben ihrer SPD so verlangt hätte, „sondern aus Überzeugung“. Bettina Lugk, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Märkischer Kreis II (Iserlohn, Hemer, Menden, Balve, Nachrodt-Wiblingwerde, Neuenrade, Werdohl und Plettenberg) erklärte gegenüber der Redaktion auch, warum: „Mir war wichtig, dass wir das Parlament verkleinern, ohne die Wahlkreise zu vergrößern.“ „Die sind in manchen Gegenden Deutschlands jetzt schon so groß, da bekommen die Menschen ihre Abgeordneten kaum zu sehen“. Die 41-Jährige erinnert sich an die lebhafte Diskussion in der Ampel-Koalition und in ihrer Bundestagsfraktion. Lugk: „Das war eine spannende Debatte.“
Seit der Bundestagswahl im September 2021 vertritt die Sozialdemokratin ihren Wahlkreis in Berlin. Bei der Wahl unterlag die Newcomerin Paul Ziemiak von der CDU. Der Christdemokrat hatte bei den Direktmandaten nur einen knappen Vorsprung von 4.591 Stimmen. Bei den abgegebenen Zweitstimmen lag Bettina Lugk 0,7 Prozentpunkte vorne. Eine Überraschung damals, weil der späteren SPD-Abgeordneten aus dem brandenburgischen Ludwigsfelde wenig Chancen gegen den „Platzhirsch“ Ziemiak eingeräumt worden waren. Lugk´s Reservelistenplatz 14 reichte aber zum sicheren Einzug in den Bundestag.
Und wie würde das bei der nächsten Wahl werden, wenn die Wahlrechtsänderung durchkäme? Der Deutsche Bundestag soll bekanntlich von aktuell 736 Abgeordnete auf 630 reduziert werden. „Die Direktmandate sind ein hohes Gut unserer Demokratie. Das neue Wahlrecht deckelt die Zahl der Sitze im Bundestag. Es gäbe dann keine Überhang- und Ausgleichsmandate mehr.“ Künftig werde jede Partei nur noch so viele Mandate erhalten, wie ihr nach ihrem Zweitstimmenergebnis zustehen. Falls die Partei mehr Wahlkreise direkt gewinnt, als ihr laut Zweitstimmenergebnis zustehen, ziehen diese Bewerber nicht in den Bundestag ein. In trockenen parlamentarischen Tüchern ist das Gesetzt trotz der Mehrheit der Ampel-Koalition in Berlin noch nicht. CDU, CSU und Linke erwägen den Gang vor das Bundesverfassungsgericht.
Dass sich die 41-Jährige seinerzeit überhaupt mit dem Gedanken einer Kandidatur für den Bundestag beschäftigte, lag nicht zuletzt an Dagmar Freitag. Die Abgeordnete aus Iserlohn hatte ihren Ausstieg aus dem Berufspolitikertum angekündigt. „Nachdem wir auf sportpolitischen Terminen in Brandenburg unterwegs waren, entwickelte sich die Idee einer Kandidatur im Sauerland“, erinnert sich Bettina Lugk. „Ich kannte den Wahlkreis vorher durch die zahlreichen Vereine und Initiativen, die sich für die Menschen mit Behinderung einsetzen, und durch eine gemeinsame Fahrt mit Geowissenschaftlern. Ich bin überzeugt, inzwischen glaubt man mir das ehrliche Interesse an der Region und deren Menschen. Es macht mir große Freude, hier politisch arbeiten zu dürfen.“ Selbstverständlich sei sie zeitnah nach Iserlohn gezogen, hat ihre Wohnung in der Waldstadt – in Iserlohn und Nachrodt-Wiblingwerde jeweils ein Wahlreisbüro. Fünf Mitarbeiter unterstützen sie in der Heimat und in Berlin bei ihrer politischen Arbeit. Es freue sie sehr, wenn sie dabei helfen kann, einige Probleme für die Menschen zu lösen. „Das wird nicht immer öffentlich“, so die SPD-Abgeordnete. Drei Dinge seien für sie wichtig: Man müsse natürlich von der Partei nominiert werden, von den Wählerinnen und Wählern gewählt worden sein und ein Team leiten können“, so die Sozialdemokratin.
Nach ihrem Abitur machte sie ihren Bachelor of Science in Geographische Wissenschaften an der Freien Universität Berlin sowie eine Ausbildung zur Verwaltungsfachwirtin. In den Deutschen Bundestag gewählt wurde sie im September 2021. In Berlin ist Bettina Lugk Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, im Sportausschuss, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, stellvertretende außenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, ebenso stellvertretende sportpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Sie ist Mitglied des Unterausschusses Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik sowie Mitglied in der Parlamentarischen Versammlung der NATO.
Ihre politischen Wurzeln hatte die 41-Jährige, wie viele spätere Abgeordnete, in der Kommunalpolitik. Von 2008 bis 2021 gehörte sie dem Rat ihrer Heimatstadt Ludwigsfelde an, war von 2015 bis 2021 sogar dessen Vorsitzende. Die Sozialdemokratin war Mitglied des Kreistages Teltow-Fläming und Vorsitzende des dortigen SPD-Unterbezirks. „Die kommunalpolitische Erfahrung ist für meine jetzige Aufgabe enorm wichtig“, erklärt die Abgeordnete.
Trotz aller Verpflichtungen in Berlin: die Menschen in ihrem Wahlkreis zu treffen, sich deren Sorgen und Nöte anzuhören sowie zu helfen, wo immer es ihr möglich ist, ist Bettina Lugk stets ein großes Bedürfnis. „Deshalb mache ich beispielsweise auch demnächst im St. Johannes-Altenpflegeheim mit betreutem Wohnen in Balve ein eintägiges Praktikum. Ich möchte mich aus erster Hand über das Thema Pflege informieren“, verrät die Iserlohnerin.
Wenn sie zu den Sitzungswochen in Berlin ist, freut sie sich auch immer über Besuchergruppen aus dem Wahlkreis. Die wollen meistens immer zuerst wissen, wieso das Plenum im Bundestag oft so leer ist. „Weil beispielsweise parallel Arbeitskreissitzungen und andere Veranstaltungen stattfinden“, muss sie dann erklären. „Montags tagt die SPD-Landesgruppe, dienstags treffen sich die Arbeitsgruppen Außen und Sport sowie die Fraktion, mittwochs der Auswärtige Ausschuss und der Sportausschuss“, gibt Bettina Lugk Einblick in ihren Terminkalender.
Ein Zimmer oder eine Wohnung hat sie in Berlin nicht. „Da buche ich mir immer ein Zimmer in einem Hotel für vier Nächte. Das geht gut, weil wir die Termine der Sitzungswochen meistens schon lange im Voraus bekommen.“ Dann fährt sie von Iserlohn mit dem Auto nach Dortmund, setzt sich dort in den Zug und reist nach Berlin weiter. In der Bundeshauptstadt ist Bettina Lugk eine von fünf Parlamentariern aus dem Märkischen Kreis und dem Kreis Olpe. „Die Region ist in Berlin gut vertreten“, so Lugk. Paul Ziemiak (CDU) aus Iserlohn, Johannes Vogel (FDP) aus Lüdenscheid, Nezahat Baradari (SPD) aus Attendorn sowie Florian Müller (CDU), ebenfalls Attendorn. Der geteilte Bundestagswahlkreis MK I umfasst Teile des südlichen Märkischen Kreises sowie den Kreis Olpe. Alle gehören sie der „Sauerländer Botschaft“, die meisten dem Parlamentskreis „Schützenwesen“ in Berlin an.










