In der Ratssitzung am Dienstagabend, 24. März, gibt es teil emotionale Diskussionen. Grund dafür ist ein Antrag der UWG zur möglichst aktiven Rolle der Stadt beim Erhalt der Kirchen. Am Ende bilanziert Bürgermeister Olaf Stelse: "Wir können festhalten: Wir alle wollen die Kirche unterstützen."

Überregionale Nachrichten

In dem Antrag macht sich die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) dafür stark, dass die Stadt eine aktive Rolle im Transformationsprozess einnehmen soll. "Dies betrifft insbesondere die Margarethenkirche im Stadtzentrum von Kierspe Dorf sowie die Servatiuskirche in Rösahl."

Rüdiger Däumer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, erklärt: "Aus meiner Sicht wäre der erste Meilenstein zur Rettung der Kirche die Vergabe einer Machbarkeitsstudie." Er ergänzt: "Damit das Ganze langfristig finanziell tragbar ist, sollte die Nutzung der Gebäude multifunktional sein."

Schröder findet Antrag "eine absolute Frechheit"

Peter-Christian Schröder, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, ließ seinem Unmut freien Lauf: "Ich weiß nicht, was euch da eingefallen ist, so einen Antrag zu stellen. Das ist furchtbar übergriffig. Als Presbyterium würde ich mich da bedanken. Ihr verteilt das Fell, bevor das Tier erlegt ist. Die Stadt ist überhaupt noch nicht ins Boot geholt worden. Das finde ich eine absolute Frechheit, wir werden diesem Antrag natürlich nicht zustimmen."

Peter Christian Schröder befindet den Antrag "furchtbar übergriffig." | Archivbild
Foto: Schüle

Auch wenn die UWG explizit keine Beteiligung an Kosten in ihrem Antrag gefordert hat, sondern vor allem auf personelle Unterstützung aus dem Rathaus setzt, sieht die FDP den Antrag ebenfalls kritisch. Deren Fraktionsvorsitzender, Armin Jung, stellt fest: "Es ist zwar gerade gesagt worden: keine finanzielle Belastung für die Stadt Kierspe, aber wenn sich das Personal da tagelang mit Befassen muss, ist das auch Arbeit. Vielleicht macht die Kirche ja bald einen Ausschuss und überlegt, wie man der überschuldeten Kommune helfen kann. Unser Personal ist eh schon an der Grenze, deshalb werden wir auch ablehnen", sagt er mit Blick darauf, dass sowohl die Stadt als auch die Kirchengemeinde von den übergeordneten Instanzen mit zu wenig finanziellen Mitteln ausgestattet werden.

"Unterstelle dem Antrag nichts Böses. Populismus vielleicht"

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Oliver Busch schließt sich seinen Vorrednern an, wählt teils sogar noch deutlichere Formulierungen: "Erstmal unterstelle ich dem Antrag nichts Böses. Populismus vielleicht." Mit Blick auf die Kirchen stellt er heraus: "Ja, sie sind stadtbildprägend. Machen wir das dann beim Tedox auch? Tatsächlich, Peter-Christian Schröders Wort `übergriffig´ ist richtig in dem Fall. Auch die SPD wird diesem Antrag an dieser Stelle nicht zustimmen", macht er deutlich. Mit Blick in Richtung Stadtverwaltung ergänzt er jedoch: " Ich gehe davon aus, dass die Kirche, wenn sie bei der Stadt fragt, auch die Hilfe bekommt. Da den Kirchen eine Sonderrolle zu geben, halte ich für falsch."

Scheel stimmt Schröder zu

Für die CDU-Fraktion ergriff der langjährige Vorsitzende Holger Scheel das Wort. "Herr des Verfahrens in diesem Fall ist erst einmal die evangelische Kirchengemeinde. Wenn irgendwas passieren soll, dann muss es der Eigentümer initiieren. In dem Sinne folge ich den Wortbeiträgen meiner Vorredner: Sämtliche dieser Hilfen, die die Kirche bei der Stadt Kierspe anfordert, soll sie im Rahmen unserer Möglichkeiten bekommen. Wo immer von Seite der Verwaltung Hilfestellung gegeben werden kann, soll sie die bekommen. Es passiert selten, aber heute ist einer dieser Tage, an denen ich Peter-Christian Schröder recht geben muss: Es ist übergriffig."

Clemens Wieland möchte mit dem Antrag vor allem Aufmerksamkeit für die Kirchen erreichen. | Archivbild
Foto: UWG Kierspe

Clemens Wieland, Fraktionsvorsitzender der UWG, versucht, die Ratsmitglieder ein wenig zu beruhigen. "Was wollten wir mit dem Antrag? Wir wollen erreichen, dass der Hilferuf der evangelischen Kirche gehört wird." Dies scheint aufgrund der angeregten Diskussion seiner Meinung nach gelungen.

Keine vorherige Abstimmung mit Kirche

Detlef Jungmann von den Grünen wendet sich direkt an Wieland: "Eine Frage habe ich noch: Ist die Kirche gefragt worden, wie sie zu dem Antrag steht." Man muss als Verwaltung warten, bis um Hilfe gefragt wird. Ich kann nicht einfach von mir aus handeln." Clemens Wieland antwortet, dass der Antrag zwar der Kirchengemeinde im Vorfeld zugesandt wurde und dort auf positive Resonanz stieß, "wir haben den aber nicht vorher dort zur Diskussion gestellt."

Wieland "auf Betriebstemperatur"

Armin Jung bringt erneut Emotionen ins Spiel: "Kurze Frage: Ihr zielt das auf die Margarethenkirche und auf die Servatiuskirche. Die Christuskirche ist euch scheißegal, oder?" Während der Antwort von Clemens Wieland ist aus den Reihen der Ratmitglieder leise das Gemurmel "der ist auf Betriebstemperatur gerade" zu hören. Wieland befindet, dass zu viele Emotionen ausgegraben werden, sein Stellvertreter Däumer konstatiert: "Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das am eigentlichen Thema vorbeigeht." Wenn es keinen Trägerverein gibt, dann gibt es auch keine Förderprogramme. Die Stadt hilft nicht der Kirche, die Stadt hilft sich selbst, weil sie die zentralen Bauwerke im Stadtbild schützt."

Die Einwürfe von Ralf Meyer (Grüne), dass es auch im Kirchenkreis entsprechende Fördertöpfe sowie Fördermittelmanager gibt, und von CDU-Mann Peter Schrade: "Nicht nur die Kirche in Kierspe ist dafür verantwortlich, sondern auch die Landeskirche." Die muss ja am Ende auch entscheiden, was damit dann passiert", verhallen unbeachtet.

Während des Einwurfs von Jung, der erklärt, "der Erhalt der Christuskirche macht betriebswirtschaftlich am meisten Sinn", gibt es im Zuschauerraum zustimmendes Nicken. Dort sitzt mit Anja Rentrop das in dieser Hinsicht federführende Presbyteriumsmitglied. Bürgermeister Olaf Stelse bemüht sich um eine versachlichung der Diskussion. Er regt an, den Beschlussvorschlag der UWG abzuändern. "Wir können festhalten: Wir alle wollen die Kirche unterstützen." Dem deutlich loseren Beschluss, der Kirche Unterstützung zuzusagen, ohne jedoch weitere Maßnahmen zu beschließen, folgt der Rat einstimmig.

Lediglich eine Kirche bleibt in Kirchenbesitz

Im Anschluss unterbricht er die Sitzung, um Rentrop zu Wort kommen zu lassen, die sich während der Diskussion zahlreiche Notizen gemacht hat. "Hier ist auch kein Geld zu holen", stellt sie mit Blick auf die kommunalen Finanzen eher ironisch fest. "Uns ist klar, dass die städtischen Kassen auch leer sind", macht sie deutlich. Zu dem verabschiedeten Ratsbeschluss und gerade in Hinblick auf den Fördermittelmanager macht sie deutlich: "Alles das können wir erst dann machen, wenn wir die Entscheidung getroffen haben, welche Kirche in unserem Besitz bleibt. Es bleibt nur eine, mehr können wir uns definitiv nicht leisten."

Über den vor kurzem stattgefundenen Arbeitskreis sowie über den UWG-Antrag hat LokalDirekt bereits im Vorfeld berichtet.