Die Zukunft der beiden historischen evangelischen Kirchen in Kierspe bewegt zahlreiche Einwohner. In der vergangenen Woche fand eine Informationsveranstaltung der Kirchengemeinde statt, zu der vor allem die Kiersper Politik und bekannte Persönlichkeiten der Stadt geladen waren. Im Nachgang daran wendet sich die Unabhängige Wählergemeinschaft Kierspe mit einem Antrag an den Rat der Stadt: Sie setzt sich für den Erhalt der Kirchen ein.

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"Identitätsanker der Stadt Kierspe"

Bereits in der Überschrift nennt die UWG die Kirchen "Identitätsanker und kulturelle Zentren der Stadt Kierspe". Clemens Wieland, der Fraktionsvorsitzende im Rat, sowie sein Stellvertreter Rüdiger Däumer beantragen beim Rat, "die Stadtverwaltung Kierspe möge eine aktive Rolle im Transformationsprozess rund um die historischen Kirchengebäude" übernehmen. Im Gespräch mit LokalDirekt sagt er rückblickend auf die Veranstaltung am Montag, 2. März: "Das ganze muss jetzt auf eine neue Ebene gehoben werden."

Stilllegung verhindern

Er erklärt: "Der Abend war beeindruckend, von Ehrlichkeit geprägt und beim Zuhören kam Verzweiflung auf. Wir von der UWG waren echt von den Socken, wie schnell es da jetzt gehen muss." An dem Abend klang es laut dem UWG-Antrag danach, dass "die Stilllegung der beiden Kirchen und die Aufstellung eines Bauzauns um die historischen Kirchen ein realistisches zukünftiges Szenario" sei. Dies möchten Wieland, Däumer und die UWG verhindern.

Drei-Punkte-Plan der UWG

Die UWG schlägt drei Punkte vor, in denen sich die Stadt Kierspe an dem Prozess beteiligen soll. "Angesichts finanzieller Zwänge der Kirche darf die Stadt nicht riskieren, dass diese Denkmäler durch Leerstand verloren gehen. [...] Wir müssen jetzt handeln, um das Gesicht Kierspes und Rönsahls zu bewahren", begründet die UWG ihren Antrag. "Wir haben ja auch ein ureigenes Interesse des Wählers, das Stadtbild zu erhalten", erläutert Wieland im Gespräch weiter.

Als ersten Punkt im Antrag fordert die UWG einen runden Tisch für beide Standorte. An diesem sollen Vertreter der Verwaltung mit Kirchengemeinde, Denkmalschutz und andere Interessensvertreter zusammengebracht werden. "Je nachdem was die Kirche mit den Objekten macht, muss sie ja den Denkmalschutz verändern. Die untere Denkmalschutzbehörde ist ja die Stadt Kierspe, also macht es ja nur Sinn, sie mit an den runden Tisch zu holen", so Wieland im LokalDirekt-Gespräch.

Fördermöglichkeiten prüfen

Als zweiten Punkt, der jedoch in eine Integration der Stadtverwaltung in den Prozess mit hineinspielt, sieht er die Integration des städtischen Fördermittelmanagers, "um gezielt externe Gelder für den Erhalt und die Sanierung beider Gebäude zu aquirieren." Er spielt unter anderem auf eine landesweite Förderung im Bereich Denkmalschutz an, die bis zu 50 Prozent von investiven Ausgaben abdeckt — im Fall der Margarethenkirche mit einem Investitionsstau von 1,6 Millionen Euro ein Zuschuss von 800.000 Euro.

Als letzten Punkt führt die UWG die "Umnutzung der Kirchen als außerschulische Lernorte und Kulturräume" an. Auch hier, so erklärt Wieland, schließt sich der Kreis zum ersten Punkt. "Der Aspekt Schule und Kirche ist jetzt neu, da die Stadt Kierspe ja Schulträger ist, muss sie dabei sein", zeigte sich Wieland überzeugt. Durch diese Möglichkeit werde die Finanzierung für weitere Förderungen geöffnet, die "eine multifunktionale und öffentliche Nutzung voraussetzen", heißt es im Ratsantag.

Probleme lösen statt verlagern

Die UWG hofft, im besten Fall mit einer möglichen Sanierung die laufenden Kosten soweit senken und danach durch steigende Nutzung mehr Einnahmen generieren zu können, dass die Kirchengemeinde auf eine gesunde finanzielle Basis gestellt wird. Auf die Frage, ob die Stadt nicht eine Kirche kaufen solle, antwortete Wieland ablehnend: "Das löst das Problem nicht", stellte er klar.